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25
Aug
2006

Ein Geständnis mit Hintergrund

Dem Steppenhund habe ich kürzlich gestanden, dass ich den Hochschulzugang ohne Abi/Matura erreicht habe (nämlich über § 31a des Hamburgischen Hochschulgesetzes, demzufolge es möglich ist - bei entsprechender beruflicher Qualifikation und Erfahrung - über eine Eingangsprüfung, bestehend aus drei schriftlichen Arbeiten und einer mündlichen Prüfung, seine Hochschulreife unter Beweis zu stellen. Mit dem Noten-Ergebnis bewirbt man sich dann wie jeder Abiturient und zu den gleichen Bedingungen um einen Studienplatz)

Diese Prüfung war der Versuch, eine von mir fast stigmatisierend empfundene Kerbe in meiner Bildungsbiographie auszuwetzen: Meinen Schulverweis in der Oberstufe!

Das Scheitern damals ist allerdings keine Schmunzelgeschichte. Um also vielleicht eher romantische Vorstellungen zu einem Schulverweis an die tatsächlichen Umstände anzupassen, erzähle ich mal ein bisschen.

Nach der mittleren Reife durfte ich als gute Schülerin der größenmäßig recht überschaubaren katholischen Mädchen-Realschule (von Franziskanerinnen mit starker Ausrichtung auf musische Fächer, Hauswirtschaft und Sport geführt) - wir nannten sie Sanktus - auf eigenen Wunsch an das öffentliche Gymnasium wechseln.

Leider als einzige in jenem Schuljahr. Nur meine beste Freundin ging parallel ans sogenannte "Kochlöffelgymnasium", ein vielfach belächelter Ausbildungsgang für zukünftige Lehrerinnen und Hauswirtschaftsleiterinnen, oder so. Ich fühlte mich zu Höherem berufen.

Die Situation aber, die ich an dieser höheren Bildungsstätte vorfand, hat mich von Anfang an überfordert, ohne dass ich das damals hätte benennen können.

Sie müssen sich vorstellen, dass ich von einer recht beschützenden Schule kam, in der eigentlich jeder jeden, vor allem mich und meine Schwestern kannte, denn mein Vater war Elterbeiratsvorsitzender, ein Posten, den ihm seine Popularität durch einen lustigen Auftritt bei einem Schulfest bescherte.

Nun kam ich also zum ersten Mal in meinem Leben in eine sehr große gemischtgeschlechtliche Klasse, in der ich nur einen einzigen Menschen kannte: Angelika, die Klassenbeste der 11a! Sie wohnte in der Wohnung über uns, war aber schon von Klein auf eine erklärte Feindin. Ich weiß heute nicht mehr weshalb. Aber KEINER mochte sie! Na ja - Kinder eben! Sie war also für mich - sei's auch nur als Gesprächspartnerin in Schulangelegenheiten - i n d i s k u t a b e l. Dass ich gerade zu dieser Kuh (sorry Angelique) in die Klasse kommen sollte, traf mich völlig unvorbereitet und echt hart.

Und dann die vielen Jungs! Bisher war ich nur im Kindergarten und beim Spielen mit ihresgleichen zusammen. Zuhause war mein Vater der "EINZIGE Junge neben vier Weibern" - wie er zu sagen pflegte. (Natürlich gab es auch schon Männer in meinem Leben, da ging es allerdings eher um Ero- und Romantik. Und die waren halt auch schon älter!)

Am ersten Schultag also gleich dieser Schock: Die ... von oben und diese ungewohnte Menge gleichaltriger Adoleszenter des anderen Geschlechts! (mit einer Ausnahmeerscheinung) Der Klassenlehrer, ein irritierend gutaussehender Mann, hat dann in der ersten Stunde zwar einmal vage in meine Richtung genickt, das war's dann aber schon. Keine Begrüßung, keine Vorstellung, keine Einführung, kein gar nichts, nicht mal ein Zettel!

Für die verschiedenen Fächer war man dann ständig auf Wanderung in andere Räume. Nicht nur die ersten Tage bis alles rund läuft. Nein - das blieb so! Nirgends konnte man sich an SEINEM Platz fühlen. In der Klosterschule ging man höchstens 3-5 Mal die Woche für ein zwei Stunden in einen Funktionsraum. Das war's dann schon mit Abwechslung. Am Gymnasium war es wie an der Uni. Und jedes Fach unterrichtete ein anderer und mir völlig fremder Lehrer. Die ständige Neuorientierung in ungewohnter Umgebung an ungewohnte Menschen war der totale Stress.

Aber das Allerschlimmste war, dass ich den Anschluss gerade in meinen beiden liebsten Fächern Mathematik und Französisch nicht mehr fand. Die Gymnasiasten waren am Ende der Zehnten einfach schon viel weiter als "wir von den Nonnen". Weil aber mein Notendurchschnitt recht gut war, ging der Wechsel ohne Aufnahmeprüfung problemlos über die Bühne. (Im Nachhinein muss ich sagen - leider!)

Ich sage nur: Drei über vier gleich vier über drei - klingt doch logisch, oder? Die Beweisführung, dass diese Aussage stimmt, hatten meine Mitschüler beispielsweise schon drauf. Ich hatte überhaupt keinen Zugang mehr zu dieser zunehmend rätselhaft werdenden Oberstufenmathe. Bis ich fast 30 Jahre später zu studieren begann, hatte ich wiederkehrend einen Alptraum: Ich sitze in einer Klausur und verstehe nur Bahnhof - SCHRECKLICH!!!

Was macht man nun in so einer Situation, wenn man sich und anderen nicht eingestehen kann, dass man ein Problem hat? An meine Eltern als Anlaufstelle hätte ich im Traum nicht gedacht. Mein Bildungshunger war denen eh' suspekt, und ich rebellierte außerdem heftig gegen sie, wenn auch überwiegend durch ein lügengedecktes Doppelleben (ganz entgegen meiner Wahrheitsliebe - ich fand aber, dass sie selbst daran schuld hätten, würden sie mich nicht so streng bewachen... naja, aber das ist eine andere Geschichte...)

Was macht man also? Man schwänzt - immer öfter - immer länger - und schließlich gaaanz lang. Und fälscht regelmäßig die Unterschrift des Vaters. (Ich kann sie heute noch!) In den ganzen vier Monaten, die dieses Drama anhielt, habe ich keine einzige Klausur mitgeschrieben. Als alles aufflog erhielt ich meine letzten Schläge von Mutterhand und die Gewissheit, dass es jetzt mit dem Ernst des Lebens losgeht.
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auch von Kamioka
Eugene Faust - 2009/12/22 11:45
In der DDR
soll es ja im Kindergarten (KITA) als Spielzeug auch...
HARFIM - 2009/12/21 20:47
oder wie hier in Hamburg
an das Miniaturwunderland. Konnte st du den Film eigentlich...
Eugene Faust - 2009/12/21 14:24
Schade - ich habe jetzt...
Schade - ich habe jetzt den Direktlink angefügt.
Eugene Faust - 2009/12/21 14:19
Nein, da gibt es gar...
Nein, da gibt es gar keine Leiste unten wie sonst immer...
momoseven - 2009/12/21 13:58
Irre gemacht!
Das erinnert mich sehr an die grosse Spielzeugeisenbahn...
momoseven - 2009/12/21 12:40
Es ist trotzdem fraglich,...
Es ist trotzdem fraglich, ob solche Beobachtungen tatsächlich...
Eugene Faust - 2009/12/20 17:56
Jruselich!!!
Und dieses Asch-Experiment (Ja, und das Milgram, an...
momoseven - 2009/12/20 15:25

Eugene Faust - 2009/12/20 14:06

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