Man könnte aus dem oben Beschriebenen ableiten, dass Liebe und Sexualität vollkommen voneinander zu trennen wären. (Nicht dass das meine eigene Meinung wäre) Doch das mechanische Modell des multiplen Orgasmus benötigt ja nur einen externen Stimulus, danach führt von Orgasmus zu Orgasmus eine autosexistische Steigerung weiter.
Es würde sehr wohl erklären, wie es zu der "gnadenlosen" Leugnung der weiblichen Sexualität und einhergehender Unterdrückung gekommen ist. Die Frage ist, ob sich dieser Vorgang nicht zyklisch in der Geschichte wiederholt. Ob nach jeder Freizügigkeitsphase, in der dieser Zustand bekannt und behandelt wird, wieder eine Unterdrückungsphase anschließt?
Die Sicht im obigen Kapitel ist schon recht biologistisch. Und um Mary Jane Sherfey ist es ja auch, obwohl (oder vielleicht gerade weil) Feministinnen in den 70ern ihre Erkenntnisse begrüßt haben, recht still geworden. Wenn man eher romantisch veranlagt ist, was ich inzwischen nicht mehr bin, ist die Einsicht, dass die Verbindung von Liebe und Sexualität viel mehr ein gesellschaftliches Konstrukt der letzten 200 Jahre, als eine Himmelsmacht ist, etwas schwer verdaulich. Trotz Patriarchat und Unterdrückung konnte aber die Verbindung von Sex und Liebe vielleicht einen Entwicklungsimpuls bilden, der in der Lage ist/war, "das Beste im Menschen" hervorzubringen. Doch das Gespann aus Liebe und Sexualität ist meiner Ansicht trotzdem arg überfrachtet und wird zudem in kapitalistischen Gesellschaften, die alles vermarkten (dazu im nächsten Kapitel mehr) verformt und irgendwie entwertet. Ich habe immer noch keine abschließende Erkenntnis. Manchmal sehe ich ganz pragmatisch denn Sinn von Sex in einer Liebesbeziehung in seiner Funktion, Intimität herzustellen. Es gibt sicherlich viele Antworten. Noch mehr werden es am Ende der Arbeit sein. Vielleicht auch noch mehr Fragen. Und Ihre letzte Frage, muss ich gestehen, kann ich nicht einmal ansatzweise beantworten. Dazu fehlt mir eine fundierte historische Perspektive.
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Es würde sehr wohl erklären, wie es zu der "gnadenlosen" Leugnung der weiblichen Sexualität und einhergehender Unterdrückung gekommen ist. Die Frage ist, ob sich dieser Vorgang nicht zyklisch in der Geschichte wiederholt. Ob nach jeder Freizügigkeitsphase, in der dieser Zustand bekannt und behandelt wird, wieder eine Unterdrückungsphase anschließt?