21
Sep
2006

Meine zweite Gesprächspartnerin Anna

Heute stelle ich Ihnen meine Gesprächspartnerin Anna vor, die ich so gefunden habe. Das Gespräch mit ihr stelle ich in verdichteter Form vor.

Das zweite Gespräch führte ich mit Anna, einer äußerst selbstbewussten, agilen und empfindsamen Mathematikerin, die in einem großen IT-Unternehmen als Projektmanagerin arbeitet. Anna ist Mitte vierzig und lebt seit zwölf Jahren als Single. Vor etwa vier Jahren besuchte sie zum ersten Mal einen Swing*rclub. Nach einer längeren Pause, geht sie inzwischen ungefähr alle zwei bis drei Monate in einen Club. Nach unserem ersten Telefonat stellte ich sie mir irgendwie als braun gebrannte, etwas schrille, rauchende Lebefrau mit hohen Absätzen vor, die genau weiß, was sie will. Nur letzteres stimmt! Ansonsten gleicht sie, wie sie selbst sagt, eher „der durchschnittlichen TAZ-Leserin“. Anna wirkt geradezu dezent, ein bisschen alternativ, kritisch und engagiert.



Das verdichtete Gespräch mit Anna


Die Vorgeschichte


Der Konflikt
Kurz vor ihrem 40. Geburtstag spricht Anna mit einer Freundin über ihr Sexualleben. Sie gestehen einander, dass sich da im Moment nichts tut. Die Freundin hat bereits Überlegungen angestellt, in „so einen Club“ zu gehen.
  • Da dachte ich auch schon dran, aber dachte auch: Das kann man doch nicht machen! Darauf sie: „Worauf sollen wir denn noch warten?“ Den Satz fand ich irgendwie gut: Worauf will ich noch warten? – Ja, ich bin doch erwachsen. Ich kann doch mal Dinge ausprobieren in meinem Leben. Das hat mir Mut gemacht. ...
Die Entscheidung
Auf einer Tagung trifft Anna sehr viele Männer.
  • Und ich merkte, wie ich die immer so begehrlich anguckte. Dem einen starrte ich auf seinen Nacken, dem anderen auf seine Hände. Und ich dachte: Jetzt probiere ich es einfach mal aus. Jetzt gehe ich einfach mal hin [in einen Swing*rclub]. Ich hatte da vorher auch schon mal angerufen, mal gefragt, wie das so ist. Wenn ich Nein sage, ist es Nein, und meine Grenzen werden beachtet. Und wenn mir einer dumm kommt, soll ich Bescheid sagen, der muss dann vor die Tür. Ich dachte, gut, ich kann einfach mal hingehen und gucken, Ja oder Nein sagen. ... Ich merkte auf der Tagung, ich habe auch wirklich Lust auf Männer, wusste aber auch nicht, wie ich jemand anbaggern sollte. ... Dann doch lieber da, wo es klar ist, einfacher ist. Das war dann auch ein ganz netter Abend. ...

Der erste Besuch


„Ich wurde nett begrüßt und aufgenommen“...
  • ...Es ist relativ leicht, in einem Club ins Gespräch zu kommen. Es war eine weitere Frau allein da, mit der ich mich unterhalten hatte und auch – vorsichtigen – Körperkontakt hatte.
„Zu zweit mit einem Mann“
  • Wir hatten uns dann auch zu zweit mit einem Mann beschäftigt, mit dem ich vorher schon in einem Zimmer Sex hatte. Ich hatte ihm erzählt, dass ich schon ziemlich lange keinen Sex mehr hatte. Er hatte eine schöne Art, mich anzufassen. Später ... kam dann die Frau hinzu. Ich hab’ ihr dann zugeguckt, wie sie ihn geblasen hat, beziehungsweise habe ihn dabei gestreichelt und fand es sehr erregend.
„Was mich irritiert hatte“...
  • ...war ein Mann, der mir plötzlich schweigend auf die Pelle rückte. Und da hat die Betreiberin aber auch gut reagiert und den gleich wieder von mir weggesetzt. Diese Art, wie manche Männer in Kontakt gehen, also keine Ansprache, Anfassen mit einer gewissen Beiläufigkeit und ohne Blickkontakt, das gefällt mir überhaupt nicht. Wichtig war auch, dass noch mal gesagt wurde, dass ich immer Nein sagen kann.

Das Sexualleben vor dem Singledasein
Anna erzählt über ihr früheres, unerfülltes Sexualleben.

„Ich habe das, wie viele Frauen, einfach so mitgemacht“
  • Ich hatte immer lange Beziehungen – bis ich zweiunddreißig war. Die waren aber sexuell nicht erfüllend. Ich habe das, wie viele Frauen, einfach so mitgemacht. ... Der [letzte Partner] hatte mich dann verlassen, weil unsere Sexualität nicht sehr lustvoll war; ... für mich gar nicht und für ihn wohl dann auch nicht so. Er hat mich auch immer drauf angesprochen.
„Ich hatte aber kein Gefühl dafür, was ich eigentlich brauche und will“...
  • ...wo meine Lust ist und so. Er gefiel mir schon als Mann. Aber ich hatte keine Möglichkeit, mich auszudrücken und war vollkommen sprachlos und hilflos, nach dem Motto: Irgendwann kommt es wohl von allein. Es kam dann aber nicht. ... Dass er mich verlassen hat, war für mich ein Anstoß, mich selber um meinen Körper und um meine Heilung zu kümmern.

Körpertherapie, flüchtige Abenteuer und Tantra


„Und dann habe ich eine körperorientierte Therapie angefangen“
Anna geht zu dieser Zeit einmal pro Woche mit acht Frauen in eine Abendgruppe. Dort wird über den Körper, Bioenergetik, Traumreisen und Gespräche gearbeitet.
  • Das hat bei mir viel in Gang gebracht, so dass ich mehr Zugang bekam zu meinem Körper und meinen Gefühlen. Und gleichzeitig war es so, dass es so, wie es vorher mit den Männern war, nun nicht mehr ging. Und dann habe ich eine relativ lange Zeit keinen Kontakt mit Männern gehabt. Für mich selber habe ich dann angefangen, mich zu befriedigen, habe Fantasien gehabt, was ich früher alles nicht hatte.
„Wieder angefangen, Sexualität mit Männern zu leben“
  • Der Clubbesuch zu meinem 40. Geburtstag war mein Einstieg. ... Dann habe ich auch wieder angefangen, Sexualität mit Männern zu leben, aber eher so in flüchtigen Begegnungen. Oft mit Männern, die sehr viel jünger waren. Eine [Affäre] hat sich auch mal fast ein Jahr hingezogen, dass wir uns immer mal getroffen haben. [Sie] waren auch teilweise sehr kurz, ... nie irgendwie fest.
„Die Clubs sind nicht der Auslöser“
  • Vor der Körpertherapie, in der langjährigen Beziehung, da hatte ich ja kaum Lust. Das hat sich also sehr verändert. Aber die Clubs sind nicht der Auslöser, sondern die Therapie und Tantra-Seminare, die mir viel Mut zu mir selber gegeben haben.
Club-Pause wegen erneuter Konflikte
  • Nach diesem Vierzigsten bin ich lange gar nicht gegangen, weil ich immer im Hinterkopf hatte, so 'n Club ist doch irgendwie was Schlechtes, als wäre das so ein Armutszeugnis: Im freien Leben finde ich niemand, der mit mir ins Bett gehen will, also muss ich in den Club, um mich von so armseligen Gestalten vögeln zu lassen.
Das ermutigende Tantra-Jahrestraining
Wenn Anna ihren Freundinnen erzählt, dass sie darunter leidet, wenn ihre Bekanntschaften sich nicht melden, bekommt sie bisweilen verständnislos zu hören: „Was machst du auch!? Du musst dir eine richtige Beziehung suchen!“ Aber Anna kann das Bedürfnis gar nicht so fühlen und es ist eben auch kein Mann für eine richtige Beziehung in Sicht. Im Jahr 2002 besucht sie ein Tantra-Jahrestraining. Dadurch ermutigt, beginnt sie Dinge einfach auszuprobieren.
  • Da hat mich das Training ermutigt, einfach Erfahrungen zu machen, und das zu tun, wonach mir ist. Ich habe dann einfach gemerkt, es macht mir auch Spaß, diese Art von Selbstinszenierung im Club. Mehrere Männer an einem Abend. Wenn mir das Freude macht, kann ich das ja leben. Es ist schon was, wo ich mich innerlich sehr lange auseinandersetzen musste, bis ich mir das selber zugestanden habe.
„Ein tantrischer Swing*rclub – das wäre schöner!“
  • Ich hatte letztes Jahr Besuch von einem Mann aus meiner Tantra-Jahresgruppe. Wir waren auch zusammen in einem Club. Das war auch eine ganz gute Erfahrung. Wir hatten nichts miteinander, auch in unserer Jahresgruppe nicht. Das fehlt mir in den Clubs: Tantrischer Sex hat viel mehr mit Herzensqualität zu tun. Die Clubs haben eine sehr genitale, männlich dominierte Sexualität. Eine aus meiner Tantragruppe, die auch in Clubs geht, hat gesagt, ein tantrischer Swing*rclub – das wäre schöner!
Tantrische Qualitäten...
  • Nächsten Monat besucht mich ein Mann aus der Gruppe. Es sind schon ganz gute Kontakte, weil man sich in so einer Jahresgruppe ja auch kennen lernt. Da ist aber kein sexueller Kontakt mit dem Mann. ... Wir mögen uns, wir können auch ganz gut miteinander körperlich nahe sein. Das ist die Qualität! Was ganz anderes als so.
...gesucht
  • Ich hatte auch in dem Kontaktforum vom Club eine Anzeige reingesetzt, dass ich tantrischen Sex zum Frühjahr suche. Da haben sich ganz viele Männer gemeldet, die hatten gar keine Ahnung von Tantra, hatten nur Interesse daran. Mit einem, der war noch ganz jung, habe ich mich ein paar Mal getroffen. Mit dem war ich auch einmal im Club. War ganz nett, aber sonst ist da nicht viel bei rumgekommen. ...

Cluberfahrungen
Seit Mitte 2002 besucht Anna wieder alle 2-3 Monate einen Swing*rclub. Inzwischen hat sie drei verschiedene Clubs kennen gelernt.

Wichtige Voraussetzungen
  • Ich gehe nur dann hin, wenn ich mich selber klar und stabil fühle. Ganz wichtig! Vorher mache ich immer einen kleinen ‚Yoni’*-Dialog – das tantrische Wort für Vagina – um ihr auch zu versprechen, dass ich nichts mache, was ihr nicht gut tut. Es ist ja immer Männerüberschuss, wo ich gut auf mich aufpassen muss.
Kontaktfreude und Authentizität
  • Was mir gut gefällt – die Menschen sind im Club recht kontaktfreudig. Keiner tut so, als wäre er sozusagen cool und hat eigentlich keine Lust auf Kontakt, wie das ist, wenn ich in eine Bar gehe. Da tun alle so: Eigentlich bin ich ja allein ganz zufrieden mit mir. Im Club sind sie so ganz offen, man wird angesprochen.
„Was ein sehr schöner Abend war“...
  • ...da habe ich ein Pärchen aus Österreich kennen gelernt. ... Er war ein Wiener Charmeur, der mich mit Komplimenten überhäuft hat. Das finde ich sehr gut, wenn Männer in der Lage sind, mich als Frau auch zu würdigen, indem sie mir das, was ihnen gefällt an mir, auch sagen. ... Und seine Frau: „Ja, finde ich auch!“ (lacht) ... Ich habe sonst aber eher einen Hang zu den Einzelnen. Ich kann zwar auch mit einer Frau mal knutschen, aber ich habe es eher mit Männern. Aber dann hatte ich mit den beiden schöne Begegnungen. Zu einem optimalen Abend gehört auch so eine Freude an der Begegnung und auch Leichtigkeit.
„Wirklich miteinander in Kontakt sein“
  • Manchmal ist es im Club so ganz ernsthaft – das Manipulieren an den Geschlechtsteilen. Die Menschen lachen nicht, sie haben auch ganz wenig Ganzkörperkontakt, sondern befummeln sich gegenseitig. Wirklich miteinander in Kontakt sein und auch reden, vorher einen Draht zueinander herstellen – das ist mir ganz wichtig. Dass ich da auch merke, da fließt auch was, das passt so. Ich merke relativ schnell, wenn ich da einen Mann sehe, ob ich einen Draht zu ihm habe oder nicht. Und dann gibt es welche, mit denen ist es schön, sich gegenseitig anzufassen. Es macht Spaß. Ich habe auch viel Lust auf junge Männer. Was ich nicht mag – Alkohol und Zigaretten. ... Wenn einer Rotwein trinkt, dann kann der noch so schön sein, der muss gleich in die andere Ecke, weil eine Rotweinfahne ich sehr störend finde. Zigaretten kann ich auch nur bedingt aushalten. Wenn man sich möglichst auch mit klarem Kopf begegnet, ... dann ist das ein schöner Abend. ...
Unterschiedliche Harmonien zu Dritt
  • Die Idee vom Swing*rclub ist ja auch, dass man mal guckt, was die andern machen, dass sich auch vielleicht mal was zu Dritt entwickelt. Ich mag es gern mit zwei Männern. Aber wenn die Männer sich nicht kennen, ist es oft sehr schwierig, weil die so in Konkurrenz miteinander sind. Aber manchmal entwickelt es sich mit dem einen schon gut, und dann kommt noch ein zweiter dazu, und dann fließt es einfach und fühlt sich gut an. Bei anderen merke ich dann wieder: Nein, so geht es nicht. ...
Höhepunkte und Stress
Anna kommt im Club kaum zum Höhepunkt. Orgasmen zu erreichen ist auch nicht ihr Ziel; sie versucht sie eher zu vermeiden.
  • Weil mich das mehr unter Stress setzt, als dass es mir hilft. ... Wie weit bin ich jetzt, komme ich jetzt?! Ich habe sowieso beim Sex mit Männern eher selten einen Orgasmus. Es ist schon so, dass ich merke, es fühlt sich gut an. ... Ich kann das auch genießen, und ich mag, wenn meine Yoni so weich wird und sich öffnet und den Kontakt und Animalität ausdrückt. Aber meine Orgasmen sind eher, wenn ich sie für mich selber habe, ... brauche auch, dass mir der Mann vertrauter ist. Das ist in den Clubs eher nicht so.
Körperkontakt und Küssen
  • Einen schönen Orgasmus, den kann ich mir auch selber machen. Was ich wirklich manchmal vermisse – als Singlefrau – ist einen Körper anfassen, auf mir fühlen, küssen. Küssen ist mir sehr wichtig, und Körper riechen und so was. Ich gucke schon nach Männern, die ich auch küssen kann. Ich bin aber selber verblüfft, dass ich dort mit Männern vögeln kann, die ich nicht küssen würde; aber dann ist es schon nicht SO gut. Und wenn es einer ist, der mich als Mann anspricht, dann küsse ich ihn auch. Ich würde ihn ja auch küssen, wenn ich ihn irgendwo anders kennen lernen würde. ...

Grenzen und Kontrolle

Offene und geschlossene Räume – mehr oder weniger Kontrolle
  • In die geschlossenen Räume da gehe ich manchmal mit einem Mann rein. Ich finde es schon gut im Prinzip, wenn der Raum offen ist, und wenn sich auch was entwickeln kann. Aber wenn es zu offen ist – manche Zimmer sind in dem einen Club mit einem Bett, wo jeder von jeder Seite des Bettes zugucken kann, was ich nicht mag. Das ist manchmal wie eine Wanderbewegung: Man geht mit einem in ein Zimmer, und ein ganzer Schwung kommt hinterher, die dann eben nur gucken oder auf eine Art und Weise Kontakt machen, was mir nicht gefällt. Wenn jemand plötzlich seine Hand – es sind zwar die Clubregeln, dass man mal anfangen darf mit einer zarten Berührung – das mag ich aber nicht. Mit mir muss man anders Kontakt aufbauen! Ich fühle mich dann von anderen beglotzt. Dann gibt es in dem Club auch ein Zimmer, da sind zwei Betten übereinander. Unten kann man die Tür zumachen, kann dann aber noch reingucken. Oben ist das Bett an der Wand, und an beiden Seiten ist Wand. Und man kann nur von vorn. Das finde ich ganz gut. Dann steht manchmal einer vorm Bett und fragt, ob er noch mit hoch kommen kann. Dann kann ich gucken, ob ich den schon mal gesehen hab; aber es ist nicht so, dass ich liege und mich plötzlich einer von hinten anfasst, weil da die Wände sind! Dieses Zimmer mag ich ganz gern, gehe da oft hin.
Grenzen erweitern
Anna erzählt, dass sie immer mal wieder versucht, in sehr offenen Räumen neue Erfahrungen zu machen. Wenn sie erregt ist, verändert das noch mal die Situation und macht mehr möglich. Sie braucht meist erst einmal Zeit und Raum, um vertraut zu werden und zu sehen, wie sie sich im Kontakt mit einem Mann fühlt. Wenn zu schnell eine dritte Person hinzukommt, verlässt sie den offenen Raum meist wieder.
  • Ich sage dann zu dem Mann: „Lass uns in das andere Zimmer gehen, ich kann das nicht hier!“ Ich darf auch ganz abbrechen und setze mich dann wieder vorn an die Bar. Aber meistens ist es so, dass ich zu dem einen, mit dem ich mich schon verständigt habe, sage: „Lass uns gucken, ob das andere Zimmer frei ist.“
„Auf sich aufpassen, Grenzen wahrnehmen und auch Nein sagen“...
  • ...das ist ganz wichtig. Ich könnte in einen Club gehen und mich da hinlegen wie ein totes Stück Fleisch, und es würde da Männer geben, die mich noch vög*ln würden. Da muss ich aufpassen. Das habe ich ja früher gemacht. Im Club macht mich auch an, mit drei Männern hintereinander. Der eine fühlt sich so an, der andere so. Ich bin dann oft ganz heiß. ...
„>Geh wieder raus, wir hören auf!<“
  • Da lag ich mal, und einer kam noch, der sich ein Kondom überzog, und ich dachte, mal sehen, wie das ist. Aber als er näher kam – ich lag auf dem Bauch – legte er sich auf mich drauf, führte seinen Penis in mich ein, und da merkte ich, er hat eine Fahne. Da merke ich, ich muss auf mich aufpassen. Ich vögle nicht mit einem Mann, der eine Fahne hat oder alkoholisiert ist. Ich habe ja selber immer getrunken. Alkohol macht, dass man sich in etwas reinpuscht, aber feinstoffliche Energien kann man mit Alkohol nicht mehr fühlen. Man fühlt ja im Prinzip viel weniger. Und dann sagte ich: „Du hast eine Fahne, das ertrage ich nicht. Geh wieder raus, wir hören auf!“ ...
„Darf ich das eigentlich?“
  • Mir selber die Erlaubnis geben, NEIN zu sagen, wo ich zuerst neugierig war und mir das auch Lust macht, noch mal mit einem zu vögeln. Und da kommt wieder: Darf ich das eigentlich? Bin ich nicht per se schon schlecht, wenn ich in einem Club wahllos mit irgendjemandem rummache. Trotzdem macht es mich aber an. ... Und trotzdem mir die Erlaubnis geben, immer wieder Nein zu sagen. Wenn ich das nicht könnte, könnte ich da nicht hingehen.
„Wozu sage ich Ja? ... Wozu Nein?“
  • Da hat mir das Tantra sehr geholfen. Wozu sage ich Ja? Und dann aber auch wirklich Ja! Und wozu Nein? Zu jedem Zeitpunkt kann ich wieder Nein sagen. ... Früher dachte ich, der ist vielleicht ja nach zwanzig Stößen schon fertig, das halte ich schon durch, wenn ich mich von mir abschneide, bloß kein Drama draus machen. Aber dazu bin ich nicht mehr bereit. In der Regel sage ich den Männern das schon vorher. .... Und wenn er mit einer Fahne – ist ja sein Risiko und seine Verantwortung, und mein Recht, ihn da – niemand darf gegen seinen Willen – Nein ist Nein! Kann man immer sagen! Ich hatte zwar eigentlich schon Zustimmung signalisiert, und die habe ich dann eben wieder zurückgenommen, weil die Bedingungen sich geändert haben.
„Fällt aber schwer, wenn ich mir den Mann sozusagen ausgesucht habe“
  • Einmal war ich mit einem, den hatte ich angesprochen, der hatte so etwas Sanftes an sich. Und mir war gerade nach sanftem Sex. Ich fragte ihn, ob wir nicht ganz langsam und in Ruhe miteinander vögeln könnten. Dann sind wir in ein Zimmer, und dann hat er mich angefasst, ganz komisch, auch die Brust zweimal so gequetscht. Und dann musste der aufs Klo. ... Das sind Momente, wo ich sage: „Schluss, Feierabend!“ Aber wie er mich angefasst hat, merkte ich, der ist es nicht. Dann sage ich aber auch: „Lass uns aufhören!“ Fällt aber schwer, wenn ich mir den Mann sozusagen ausgesucht habe und ihn angesprochen habe. Ich mache das daher so, dass ich in der Bar Kontakt aufnehme. Und wenn wir uns dann berühren, merke ich schon, wenn es nicht geht, dass man dann wieder aufhören kann, ohne dass ich mit ihm in einem Zimmer bin. ...
Männer besser auswählen als später abweisen
  • Ich zahle da nichts, die Männer 80 Euro. Und für die ist es – wenn ich denen sage: „Lass uns ins Zimmer gehen!“ – schon so gut wie sicher. Es gibt keinen Weg zurück. Es gibt ja immer einen Weg zurück, aber ich bemühe mich, vorher schon zu merken, ob das passt, ob ich den anfassen kann, fühlt sich das gut an. ... Manche sind vielleicht optisch anziehend, aber wenn man sich anfasst, hat man keinen Draht zueinander. ... Wenn ich mich nur passiv hinsetze und abwarte, dann kommen auch sehr oft Männer zu mir, die mir nicht gefallen, und die muss ich dann alle abweisen. Daher gucke ich von mir aus, wer mir gefällt, und versuche, von mir aus den Kontakt zu machen. Es ist ganz einfach da, in Kontakt zu kommen. ...
Anna erzählt von Tagen, an denen niemand Passendes im Club ist. An solchen Abenden geht sie ohne Sex und ein bisschen enttäuscht nach Hause.


Singleleben


„Ich bin nicht sehr bereit, Kompromisse zu machen“
  • Im Moment wünsche ich mir wirklich mal einen Mann in meinem Leben. Mal etwas Dauerhaftes. Aber Ich kann ja auch das, wie mein Leben so ist, und das, was ich schätze, auch nicht alles so aufgeben. Deswegen habe ich wohl auch seit soundso viel Jahren keinen Mann. Ich bin nicht sehr bereit, Kompromisse zu machen, nur um einen Mann zu haben. Weshalb ich am meisten einen Mann haben will, ist die Sexualität. Deshalb gehe ich ja auch in Clubs.
„Wenn ich einen Mann haben will, muss ich schwach sein“
  • Über Silvester habe ich einen tantrischen Jahreswechsel mitgemacht. Da habe ich einen Mann kennen gelernt, leider aus der Schweiz. Da haben wir uns eine Woche lange auf eine ganz gute Art angenähert, dass ich fühlen konnte, dass ich mit einem Mann zusammen sein kann und trotzdem vollkommen bleibe – in meiner Lebendigkeit. Ich neige dazu, bei einer Bindung oder Beziehung, ein Stück meiner Stärke und Lebendigkeit zu verlieren. ... Wenn ich einen Mann haben will, muss ich schwach sein. Mir sagen ja auch oft viele Leute, ich mache den Männern Angst. Ich selber fühle das ja gar nicht.
„Dass ich einfach SEIN kann, ohne mich anzupassen“
  • Aber da [beim Jahreswechsel] habe ich festgestellt, ich kann so sein wie ich bin, und wir haben einen wunderbaren Kontakt. Da habe ich eine Qualität von Beziehung, die ich mir wünsche von einem Mann. Er ist auch einer, der schon viel Tantra gemacht hat und sich wirklich um sich selber kümmert. Der hatte eine Art, mir zu begegnen – das war ein ganz großes Geschenk. Hat mich auch ermutigt zu merken, das kann doch funktionieren: Beziehung mit einem Mann und trotzdem das Leben in der ganzen Fülle zu haben. ... Dass ich einfach sein kann, ohne mich anzupassen. Ich weiß, dass ich das normalerweise tue, sobald ich in Beziehungen bin. ...
Vergangene Beziehungen
Anna erzählt von ihren vergangenen Beziehungen. Die letzte Beziehung dauert ca. 3 ½ Jahre an. Davor lebt sie 6 Jahre mit einem Mann zusammen.
  • Aber das war so öde und langweilig mit uns. So was möchte ich nicht wieder haben! Da habe ich jetzt wirklich ein viel besseres, schöneres, reicheres Leben als das, was ich da in diesem Zusammenleben hatte. ... Als meine Großmutter gestorben ist, da habe ich gedacht: Wenn ich mich nicht kümmere, sterbe ich auch und verplätschere mein ganzes Leben. Und dann habe ich mich eben getrennt. Und ich habe nicht mehr wieder mit einem Mann zusammengelebt.
Vom letzten Partner wird sie verlassen.
  • Das war der Einstieg, mich überhaupt mal um mich selber zu kümmern; zu gucken, was ist da eigentlich. ... Wenn ich einen neuen Mann – bestimmte Dinge werden sich wiederholen, weil ich die einfach mitbringe. Und dann hatte ich die Therapie angefangen. Und das war wirklich sehr gut. ...
“Wie aus einem fernen Leben“
  • Wie ich früher mit Männern zusammengelebt habe, das ist wie aus einem fernen Leben, und ich will das nicht mehr wieder haben. Das war eine Erfahrung und wichtig, aber wir waren eigentlich so fern voneinander, ich habe so wenig von mir gezeigt, und ich habe auch von den Männern nicht viel zu sehen bekommen. Da möchte ich nicht wieder zurück und freue mich, dass sich da was anderes gezeigt hat, auch wenn ich noch keine Beziehung wieder hatte.
„Mehr Intensität, Lebendigkeit und Leidenschaft, aber nichts von Dauer“
  • Aber das, was ich an Begegnungen hatte, war wirklich für den Moment oft ganz intensiv, was ich vorher nie gehabt hatte. Ich wusste nicht, was intensive Momente sind. Das hat sich schon alles sehr verändert. Vorher war alles ganz stabil und langjährig, aber auf ganz seichtem Niveau, ohne Leidenschaft und Lebendigkeit. Und jetzt habe ich mehr Intensität, Lebendigkeit und Leidenschaft, aber nichts von Dauer. So hat sich das alles gewandelt.

Biographisches

„Mama, Papa, Kind, Oma, Opa”

Anna wächst als Einzelkind in einer ländlichen Gegend auf. Ihre Eltern (Vater Beamter, Mutter ausschließlich Hausfrau) sind schon zehn Jahre verheiratet, als sie geboren wird. Danach kommt es zu keiner weiteren Schwangerschaft. Sie ist das einzige Enkelkind der Großeltern.
  • Ich hatte niemand, mit dem ich mich in meiner Kindheit verbünden konnte. Ich war sehr brav, sehr angepasst und habe versucht, den Erwartungen wirklich gerecht zu werden. ... Ein braves, liebes, kleines Mädchen, hübsch angezogen, ordentlich, gut in der Schule – so was Angepasstes eben. Das war eben so: Mama, Papa, Kind, Oma, Opa. Da hat mir gar nichts gefehlt. Als ich älter wurde, in der Pubertät, da hat sich das alles sehr gewandelt. Scheiß-egal-Haltung und Gegen-alles-Sein. Da habe ich mir dann eher mal jemand gewünscht, Schwester oder Bruder. Und jetzt? – ich kenne das ja nicht anders. ...
„Ich bin jetzt auch mit meiner Kindheit und meinen Eltern ausgesöhnt“...
  • ...Mir hat da wirklich meine Therapie sehr geholfen. Oder überhaupt, wenn man erwachsen wird und man merkt, man kann ja die Verantwortung übernehmen. Nur, weil meine Mutter sagte: „Da fasst man sich aber nicht an!“ – da brauche ich mich ja nicht mein Leben lang dran zu halten. Man kann ja Schritte da raus machen. ... Ich glaube, dass meine Eltern viel lustvoller und sinnlicher sind. Aber sie konnten das nie zum Ausdruck bringen. Sie sind da in ihren Gefängnissen drin geblieben. Ich schätze und liebe meine Eltern. Ich bin da froh drum, dass der unausgegorene Ärger [weg ist], den man gegen seine Eltern hegt, und da immer noch eine Erlaubnis für irgendwas haben will, was sie mir nie geben werden und geben brauchen, weil ich mir das nun selber geben kann.
„Sexualität versuchten sie mir abzugewöhnen“...
  • ...Ich habe mir das aber zurückerobert. Ich war noch ziemlich klein. So klein, dass, wenn ich meine Eltern nicht gesehen habe, muss ich mich unbeobachtet gefühlt haben, so klein war ich wohl. Im Wohnzimmer meiner Eltern – mein Vater auf dem Sofa, meine Mutter im Sessel – haben wir TV geguckt. ... Da habe ich mich als kleines Kind selber berührt, und dann hat meine Mutter gesagt: „Fass dich da nicht an!“ ... Und dann hat sie an meinen Fingern gerochen, um das nachzuprüfen! ... Und das vor meinem Vater! ... Sie sagte, ich solle das nicht machen, sie wird es immer rauskriegen. Ich hinterlasse sozusagen Spuren, die sie immer rauskriegt. Ich war dadurch auch so eingeschüchtert, ... dass ich keine Doktorspiele gemacht habe. Ich kriegte das bei anderen Kindern ja mit. Das habe ich alles nicht mitgemacht. Bloß nichts in dem Bereich anfassen und Ärger kriegen! Ich habe dann mit zwölf oder so wieder angefangen, mich selbst zu befriedigen. Ich habe ... ganz still und heimlich vor mich hin onaniert, konnte auch kommen, ohne ein Geräusch zu machen.
Als es dann mit der Sexualität mit Männern losging...
  • ...da war ich wieder so erschreckt, dass das alles wieder vollkommen verschwunden war. Die Art und Weise, wie Männer mich dann angefasst haben – . Als ich noch nicht versucht habe, mit Männern ins Bett zu gehen, da ging es noch ganz gut. Das Küssen und auch Petting war noch lustvoll. Aber als Geschlechtsverkehr dazu kam, das war furchtbar. Ich habe nichts gefühlt. Ich war neunzehn, wollte aber eigentlich schon früher entjungfert werden, weil ich mal wissen wollte, wie das ist. Ich hatte auch mal einen Freund, mit dem es aber nicht geklappt hat. Wir konnten nicht darüber reden. Wir wollten beide zusammen schlafen, wussten aber beide nicht, wie es geht oder so.
„Man musste sexuell und gut sein“
  • Das war Mitte der 70er, und es war noch so, wenn Männer sich unterhalten haben: Eine frigide Frau zu sein, das war was ganz Schlimmes. Man musste sexuell und gut sein. Aber keine Frau wusste eigentlich, wie das ging. Ich dachte immer, meine anderen Freundinnen wissen alle, wie es geht, nur ich nicht. Inzwischen weiß ich, die wissen es auch nicht. Aber wir konnten erst nach Jahren drüber reden.
„Vielleicht kommt ja irgendwann was Gutes dabei raus“
  • Später war ich sehr viel betrunken, wenn ich Sex mit Männern hatte, und hatte einfach so mitgemacht. Wenn man lange trainiert, dann – vielleicht kommt ja irgendwann was Gutes dabei raus. ...
„Aber von nichts kommt nichts“...
  • ...Ich weiß noch, wie bedrohlich ich einen Penis fand. In meinen langjährigen Beziehungen – wenn der Mann so hinter mir lag mit dem steifen Schwanz – und ICH bin da nun für zuständig, ICH muss mich da nun drum kümmern. Aber ich habe mich immer eher zur Verfügung gestellt, sexuell, ... mich nicht verweigert, ... aber habe mir den Penis auch nie richtig angeguckt oder den Mann nach seinem Schwanz gefragt, was er möchte oder so.

Die Würdigung des Penis

„Ein mühsamer Weg“
  • Das habe ich erst mit der Körpertherapie, als ich einen anderen Zugang zu meinem Becken bekam und auch sexuelle Fantasien kriegte. Ich war ganz erstaunt, Fantasien zu kriegen, wo Schwänze drin vorkamen. Wo ich merkte, das ist ein Organ, das auch seinen Reiz und seine Schönheit hat. Das konnte ich früher alles gar nicht sehen. Als ich dann aber meine eigene Lust entdeckt hatte, hat sich das dann auch verändert. War ein mühsamer Weg. ...
„Die Männer zu sehen mit ihrer Sexualität“
  • Oralsex, das habe ich bei Männern früher nie gemacht, weil ich das blöd fand. Das gefällt mir aber und macht Spaß, seit ich mich nicht mehr so ausgeliefert fühle. Seit ich selber sagen kann, was ich möchte und fühle, was mir gut tut. ... Ich erinnere mich an eine Party: Ich war betrunken und war plötzlich mit einem Mann auf Toilette. Ich sollte ihm einen runterholen, was mir aber nicht gefiel, so innerlich unbeteiligt zu sein. ... Ganz komisch, die Männer zu sehen mit ihrer Sexualität, dass ihnen das etwas bedeutet. Ich hätte gar nicht sagen können, was sie danach bei mir machen sollen. Ich hätte ja gar nicht gewusst, was ich brauche und will. Das hat sich echt geändert!

Mitwisser

„Das geht niemand was an“
  • Ich erzähle es schon mal im Bekanntenkreis ein paar Freundinnen. Aber es hat auch noch keine irgendwie die Inspiration gehabt, es selber auszuprobieren. Und sonst erzähle ich da auch nicht groß von. Beim Tantra entwickeln sich eher mal solche Gespräche. Da erzähle ich es eher mal, auch mal Männern. Aber so?! ... Warum sollte ich irgendeinem männlichen Bekannten davon erzählen? Ich habe bisher auch noch niemanden getroffen im Club, den ich kenne. Einen Arbeitskollegen – das wäre schon blöd. Ich bin für Azubis zuständig – das wäre das Allerschlimmste, meine Azubis da zu treffen. ... Das wäre schon unangenehm. ... Oder dass da kommt: „Die hat es wohl nötig!“ Das geht niemand was an. Aber zum Glück habe ich da noch niemand getroffen.
Reaktionen
  • Ich hatte mich ja einmal mit der einen Freundin im Urlaub drüber unterhalten. Der habe ich das dann auch hinterher erzählt. Und sie sagt, irgendwann macht sie das auch, aber noch ist es nicht so weit. Sie zögert immer noch. Sie müsse noch abnehmen und dies und das. Die findet es wirklich auch gut und bewundert mich dafür. Eine andere fragt auch mal nach, aber viele wollen da auch nicht recht was von wissen. Sowohl für sie als auch für eine andere Freundin – viele reagieren ja so – ist das ohne Liebe gar nicht möglich!

Sex und Liebe

„Wenn ich mich entscheiden kann, fällt es mir leichter, nur im Sex zu sein“
  • Aber mein Weg ist irgendwie anscheinend anders. Ich wünsche mir ja auch Verbindung von Sex und Herz. Aber wenn ich mich entscheiden kann, fällt es mir leichter, nur im Sex zu sein. Ich habe ja im Moment keine Herzensbindung. Ich verliebe mich auch nur selten. Es ist nicht so, dass ich nur Männer habe, mit denen ich gern möchte. Die begegnen mir gar nicht erst! Mich stört es ja auch nicht. Ich habe ja keinen Leidensdruck dadurch. Wenn ich den hätte, könnte ich ja was dran ändern. Aber für mich ist es so – wenn mir danach ist, weiß ich, ... dass ich meine Sexualität in so einem Club leben kann und empfinde das eher als Bereicherung und nicht als was Schlimmes. ...
Eine hübsche kurze Affäre
Anna erzählt von einer unverbindlichen Affäre mit einem Mann, den sie über eine Kontaktanzeige in einem Swing*r-Forum kennen lernt. Er beschreibt sich als ausgesprochen hübsch anzusehenden 27-jährigen Mann. Sie verliebt sich sofort in ihn, obwohl ihr klar ist, dass es keine Konstellation zum Verlieben ist. Sie treffen sich einige Male, zu mehr ist er nicht bereit. Die Affäre endet bald.
  • In den habe ich mich ja praktisch in unserer ersten Nacht verliebt. Dieses klassische Kennen lernen, sich ein paar Mal treffen und noch mal und noch mal, und sich dann verlieben, das ist mir wirklich schon seit Jahren nicht mehr passiert.
Der Mann in der Ferne
Zum Jahreswechsel lernt Anna einen Schweizer kennen. Sie empfindet mehr als Verliebtheit. Mit ihm ist es vertraut und schön. Wenn sie an diesen Mann denkt, wird sie traurig, denn er hat seinen Besuch abgesagt.
  • Ich habe mir gewünscht, dass wir uns wieder sehen. Er wollte eigentlich kommen, ist dann aber nicht gekommen. Ich habe jetzt eher das Gefühl, wir werden uns nicht wieder sehen. Ich bin da so zerrissen; Zürich ist wirklich weit. ... Ich habe es mir gewünscht, habe es ihm auch gesagt, weil es auch einfach so schön war, unsere Begegnung. Und für ihn war es auch sehr schön, aber er kann das auch als Erinnerung so stehen lassen. Er hat einfach gesagt, für ihn sei das im Moment noch nicht – es passte irgendwie nicht oder so, vielleicht später! – das war es schon. ... Ich will mich auch nicht in Wünschen verlieren, die nur deshalb alle da sein könnten, weil der andere so weit weg ist. Deshalb weiß ich nicht, ob ich ihn überhaupt wieder sehen will. Ob man nicht einfach sagt, das war eine Begegnung, es war ein Geschenk für uns beide, und jeder geht nun wieder zurück in sein Leben. ... Ich könnte jetzt auch nicht sagen, dann komm ich zu ihm. ... Im Moment ist eher Distanz zwischen uns und diese Distanz wächst auch. Wenn man sich nicht begegnet, kann man Leidenschaft nicht halten. Das ebbt dann so weg. ... Aber das war wirklich ein großes Geschenk! ... Mein Wunsch wäre, das auch wirklich hier [in Hamburg] zu finden. Hier ist ja nun mein Leben und mein Alltag. ... Auch er sagte, er wünscht sich eine Gefährtin. Aber eben in Zürich, nicht hier oben.
Unverbindlichkeit und Experimente – einerseits (was es im Club gibt)
  • Wenn Freundinnen sagen, sie könnten sich das gar nicht vorstellen, und sie möchten nur Sex mit einem Mann, zu dem sie auch eine emotionale Bindung vorher aufgebaut haben –. Ich habe für mich gemerkt, dass die Clubs und auch die Unverbindlichkeiten mit den jungen Männern – wenn ich keine emotionale Bindung habe, dass es mir dann sehr viel leichter fiel, sexuell zu experimentieren, oder bestimmte Dinge einfach von mir zu zeigen, was meine Lust angeht. Wenn ich in Beziehungen bin dann eher: Jetzt mal nicht zu geil sein, zu sehr dem Mann mit irgendwelchen Ideen kommen. Da, wo ich nicht in Beziehungen war, fiel es mir leichter, mich mit allen Facetten meiner Sexualität zu zeigen. Von daher sind das für mich ganz, ganz wichtige Erfahrungen, die ich damit gemacht habe.
Heilsames gepaart mit Lust – andererseits (was es im Club eher nicht gibt)
  • Der Mann aus Zürich, der hatte auch eine Art, mich und meinen Körper zu sehen, mir was zu meinem Körper zu sagen, was mich so ganz berührt hat, was so ganz besonders schön war, was ich vorher noch gar nicht kannte. In den Clubs sind die Männer natürlich geil, und man kriegt mal was Nettes gesagt. Aber mit ihm hatte unsere Sexualität so etwas Spielerisches. Meine inneren Schamlippen gucken so ein bisschen vor – und der hat immer gesagt, ich habe Flügelchen. Das war so süß! ... Und so hatte er öfters so Sachen zu mir gesagt, wo ich merkte, so kann sich das heilsam anfühlen und gut, so dass ich auch lustvoll sein kann, und ihm das auch zeigen, dass ich auch Lust auf ihn habe. ... So was ist eben im Swing*rclub nicht. Das fehlt da einfach. Deshalb bin ich auch so traurig. ... Das kriege ich da eben nicht. ... In einem Club kriege ich was anderes – schon schade.
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Mukono - 2007/06/08 14:44

das Gespräch mit Anna

ist das erste, was ich lese. Offenbar ist sie überraschend verkrampft in meiner Sicht. Es gibt auch Männer, die gehen in Puffs, nur um sich Anregungen zu holen, und sie besorgen es sich am Ende zu Hause selbst. So agiert sie wohl auch in den Clubs, ohne zum "richtigen" Orgasmus zu kommen. Es liest sich sehr traurig. Sie geht einen scheinbar einfachen Weg und möchte sich nach allen Seiten absichern. Sie stellt Bedingungen (keine Alkoholfahne), aber erzählt von sexuellen Abenteuern, bei denen sie selbst betrunken war. Was ist Tantrasex? Offenbar viel Schmusen, nicht nur sich um die Genitalien kümmern, streicheln und Küsse. So hätte sie s gern.
Was sie sucht, ist Liebe.
So verstehe ich das. Die findet niemand in solchen Clubs, denke ich. Es sei denn, ein Paar findet sich und macht es zu Hause, und geht nicht mehr dorthin... Wenn Anna zum Beispiel dort einen Mann finden würde, der in Wahrheit auch die Liebe sucht.
Ihr Interview liest sich traurig, ich sage es noch einmal. Menschen wie Anna sollten besser nicht dorthin gehen, da lesen sich ihre Tantarkurserfahrungen schon ermutigender.
Na, morgen das nächste Interview...

lieben Gruß

Mukono

Eugene Faust - 2007/06/08 15:13

Auszug aus meinem Glossar - Tantra...

...ist eine altindische Liebeslehre. Es begründet sich seit etwa 2000 Jahren auf einer höchst disziplinierten Form der körperlichen Liebe. Disziplin soll dazu dienen, Körper, Geist und Seele zu stärken und zu kontrollieren und dadurch höchste Lust zu erreichen. Ein traditionelles einwöchiges Liebesritual beispielsweise, besteht aus verschiedenen Elementen (Kleidung, Hygiene, Mahlzeiten usw.) in genau festgelegter Reihenfolge und dem Beischlaf in bestimmten Stellungen. Während dieses Rituals wiederholen die Partner monotone meditative Worte, sogenannte Mantras. Unkontrollierte Lust ist dabei nicht vorgesehen.. Die Partner müssen sich auch in ihrer Ekstase beherrschen können. In der heutigen westlichen Welt ist Tantra häufig ein Sammelbegriff für einen Rahmen, in dem das Ziel verfolgt wird, Lust und Körpergefühl, Erotik, Sex und Selbsterfahrung in der Begegnung mit (einem) anderen Menschen miteinander zu verbinden.

Ja, den Eindruck, dass Anna in dieser Tantra-Welt etwas besser aufgehoben wäre, teile ich. Der Swingerclub ist alle paar Monate mal eher eine Notlösung für sie, deren Vorteile sie sich trotz aller Kritik immer wieder vergegenwärtigt. Wir waren am Ende des Gesprächs beide irgendwie traurig, denn es hörte ja damit auf, was sie im Club nicht findet und ich hatte kurz den subjektiven Eindruck, dass sie gerade ganz tapfer ihre Tränen runterschluckt.

Lieben Gruß zurück

Eugene
Mukono - 2007/06/08 17:38

ja

ich habe das mal von einem Komiker gehört, der hat mit seiner Frau Gisela Tantrasex gemacht. Die Beherrschung der Ekstase ging so weit, auch während der "Verschmelzung" sich zu beherrschen, er telefonierte:
"Hast du gestern abend eigentlich noch lange rumgemacht, Gisela? Ich bin nämlich irgendwann eingeschlafen."

;-)
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4rx (Gast) - 2017/04/10 15:13
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dus - 2015/12/09 10:19
Einfach nur mal so....
Schön, dass es diesen Blog immer noch gibt.
Lo - 2015/12/04 09:15

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