24
Okt
2006

Als Solofrau im Swingerclub - Die Untersuchungsergebnisse - Diskussion Teil II

Um ein prägnanteres Bild der Untersuchungsergebnisse zu bekommen werden hier zentrale Resultate teils mit Bezug zur Literatur knapp zusammengefasst und nur wenig auf der persönlichen Ebene ausgeführt. Auch wenn einzelne Ergebnisse durchaus verallgemeinerbar sein könnten, sind doch nur meine Gesprächspartnerinnen gemeint, wenn ich im Folgenden von ‚die Frauen’ spreche. Abweichende Einzelerfahrungen und Gegenbeispiele werden gelegentlich mit Namen genannt.

Ausgangssituation

Wenn man einmal von Tine absieht, die überhaupt nicht weiß, was sie erwartet, als sie verführt wird, gehen oder wollen alle Gesprächspartnerinnen in einen Swingerclub, um dort Sex zu haben, der ihnen als Single oder alleinerziehende Mutter fehlt. Partnerlose Frauen, vor allem gut ausgebildete Frauen wie in dieser Studie, haben nach dem dreißigsten Lebensjahr, wie in der Einführung erörtert, zunehmend weniger Auswahl auf dem Beziehungsmarkt. Ohne Partner zu sein, wird jedoch von diesen ausgesprochen selbstbewussten Frauen mehrheitlich nicht problematisiert, vielmehr wird, wie auch von manchen Frauen in KAUFMANNs Studie, eher ein Loblied auf die Singlefreuden und –freiheiten gesungen. Ein Leben ohne Sex ist für sie dagegen nicht erstrebenswert, denn Sex wird überwiegend als ein zu einem gesunden, ganzheitlichen Leben dazugehöriger Faktor betrachtet. Bei Sandy ist obendrein die Fantasie, Sex mit mehreren Männern haben zu können, ein starkes Anfangsmotiv. Regina hat zwar einen Partner, lebt mit ihm aber ungewollt wie in einer Josephsehe. Tine geht es auch um Sex und Abenteuer, ob sie ihren Geliebten aber in einem Club oder im Hotel trifft, ist für sie erst einmal irrelevant, denn bei ihr steht die leidenschaftliche Beziehung im Vordergrund.

Internet und Telefon

Eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Swingen spielt Information, allem voran Information aus dem Internet. Daneben ist das Internet bei einigen Frauen schon im Vorfeld eines Clubbesuchs ein häufig genutztes Medium, um erotische Kontakte herzustellen. In Chaträumen probieren sie sich aus und haben dabei, wie NICOLA DÖRING feststellt, zahlreiche Vorteile: Das Aussehen spielt keine Rolle, es gibt reichlich anonyme Kontaktmöglichkeiten, aber auch die Möglichkeit zum unmittelbaren Abbruch der Kommunikation. So können Frauen beim Cybersex ihre sexuellen Wünsche ohne Risiko „ausleben“ und auf diesem neuen Verhandlungsfeld ihre sexuelle „Handlungsmacht“ fördern. Ganz ähnlich ist es beim Telefonsex, welcher ebenfalls von einem Teil der Frauen im Vorfeld praktiziert wird.

Alternative One-Night-Stand

Der Clubbesuch stellt für die meisten Frauen eine Alternative zum One-Night-Stand dar. Ein entscheidender Vorzug wird darin gesehen, dass im Club jeder weiß, worum es geht, wodurch umständliche Kontaktmanöver entfallen. Die Anstrengungen des Werbeverhaltens und das Risiko einer Zurückweisung sind minimiert. Hinterher geht man nach Hause und hat keinen Mann im eigenen Bett oder gar am Frühstückstisch, der noch nach der Telefonnummer fragt. Zudem kommt ein One-Night-Stand nicht immer leicht zustande. Attraktivere Geschlechtsgenossinnen werden zuverlässiger umworben, und nicht selten ist Alkohol als Spaßverderber mit im Spiel. Wenn es Frauen vordergründig um Sex und nicht um Paarbildung geht, wird eine Beziehung eher vermieden. Wie KAUFMANN jedoch in seiner Studie zum Paarbildungsprozess feststellen konnte, ist nicht einmal ein „schlechter“ One-Night-Stand diesbezüglich ohne Risiko.

Alternative Callboy
Der professionelle Liebesdiener wird nur vereinzelt als Alternative betrachtet, allerdings nicht als Dauerlösung. Er erfüllt zwar üblicherweise recht zuverlässig die Wünsche seiner weiblichen Kundschaft; da er das jedoch gegen Bezahlung macht, bleibt dabei in der Regel das Gefühl aus, begehrt zu sein. Findet der Callboy die Frau dagegen tatsächlich begehrenswert, geht es häufig nicht um teure Bezahlung, kann aber zu Konflikten führen. Wieder geht es um das Thema Gegenleistung, dem die Frau mit diesem Schritt vielleicht entkommen wollte. Trotzdem hat Regina den Gedanken an einen Callboy noch nicht begraben; er konkurriert bei ihr regelmäßig mit der Swingerclub-Idee.

Freundinnen und begleitende Männer
Die größtenteils sexuell unterversorgten Frauen werden zum ersten Clubbesuch – etwas holzschnittartig betrachtet – entweder verführt oder wagen den Schritt nach zum Teil reiflicher Überlegung, meist mit der moralischen Unterstützung einer Freundin oder sogar in Begleitung derselben. Im Spannungsfeld zwischen Verführung und bewusster Entscheidung findet ein Prozess statt, der graduell unterschiedlich vom jeweiligen Begleiter, den Begleiterinnen, beziehungsweise im Vorfeld von Leidensgenossinnen und Freunden begleitet oder sogar eingeleitet wird.

Nette BetreiberInnen und fürsorgliches Bewirtungspersonal
Auch die Güte der Einführung in diese neue Welt durch Betreiber und Bewirtungspersonal spielt bisweilen eine maßgebliche Rolle. Auffallend ist, dass diesbezüglich von Personal und Besitzern verschiedener Clubs sehr positiv berichtet wird. Betriebswirtschaftlich gesehen ist die Solofrau für Clubbetreiber natürlich so etwas wie Kapital, denn selbst wenn auf eine Männerquote geachtet wird, finden pro Einzelfrau mindestens zwei Soloherren Einlass, die die höchsten Eintrittspreise bezahlen. Meistens ist es eine weibliche Person, die für Wohlbefinden sorgt. Da manche Gastgeber nicht die Betreiber, sondern Angestellte sind, stehen dabei möglicherweise soziale Motive im Vordergrund. Weiter fällt auf, dass in zwei Gesprächen von „Männer schaffen“ und „machen“ die Rede ist, was zur Spekulation verleitet, es könnte bei diesen Frauen zu einer unbewussten Übernahme eines unausgesprochenen Auftrags gekommen sein und sich darin womöglich etwas anderes als Eifer oder ein Rekordversuch wie bei Sandy ausdrücken. Unter diesem Blickwinkel käme dem Vergleich mit der Bienenkönigin im Interview mit GOULD noch eine weitere Bedeutung zu.

Grenzen – Schutz und Kontrolle

Im Club wird die Frau umworben und hat, wenn sie Gebrauch davon macht, das Sagen. Durch einen Verhaltenskodex, der in Clubs üblich und in der Regel schriftlich festgehalten ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Grenzen einerseits von anderen beachtet, andererseits von den Frauen selbst sensibler wahrgenommen und durch entsprechende Maßnahmen geschützt werden. Für viele ist das erst einmal ein Lern- und Übungsprozess, an dessen Ende häufig eine bemerkenswerte Souveränität erlangt wird. Die Übung und das Selbstbewusstsein aus den Chat- und Telefonsexerfahrungen spielen dabei möglicherweise eine Rolle. Frauen lernen vielfach schon dort, Anweisungen zu geben und trauen sich zunehmend mehr zu sagen, was sie wollen und was nicht. Über die „Swingeretikette“ hinaus wird als weitere willkommene Schutzbedingung die Anwesenheit der Betreiber oder Bewirter und der anderen Gäste betrachtet.

Mittelpunkt sein und Zärtlichkeit bekommen
Vornehmlich gehen die Frauen in einen Swingerclub, um dort ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Doch wie KAUFMANN schon in seiner Single-Studie feststellte, überlagert dieses Bedürfnis manchmal das nach Nähe und Zärtlichkeit. Wiederholt erleben Frauen bereits als Einsteigerinnen, dass gerade Sex mit zwei Männern überaus befriedigend ist. In dieser Situation ist die Frau fast automatisch im Mittelpunkt und auch der Gedanke an eine Gegenleistung bleibt tendenziell aus. Speziell in dieser Situation, aber auch mit Einzelherren, wird nicht selten die Erfahrung gemacht, dass tatsächlich einige Männer gerne bereit sind, Frauen ausgiebig mit Zärtlichkeiten zu verwöhnen.

Widerstände und Einstellungsänderung
Das Gefühl, im Mittelpunkt zu sein und verwöhnt zu werden, ist vermutlich mit ausschlaggebend dafür, dass Frauen, wie schon SMITH & SMITH und GOULD feststellten, ihre Einstellung zum Swingen nach anfänglichen Widerständen schnell anpassen. Grundlegende Widerstände werden allerdings, wie man sehen konnte, bei vielen Solofrauen schon im Vorfeld durch einen Prozess mit vertraulichen Gesprächen und Informationssuche insbesondere bei fürsorglichem Clubpersonal überwunden. Denkbar ist auch, dass der konsequente Charakter des Handlungsablaufs beim ersten Besuch eine wesentliche Rolle spielt. Der erste Clubbesuch gleicht nicht selten einem Experiment. Der Charakter eines Experiments oder einer Mutprobe beinhaltet möglicherweise, dass die schnuppernde Novizin durch den vielleicht eher schleichenden Anstieg der animierenden, später sexuellen Handlungen in einen Handlungsablauf hineinrutscht, zu dessen Beginn noch wenig Grund zum Weggehen besteht. Später müsste die Frau sich aber eventuell eingestehen, dass sie das eine oder andere Mal ihre Grenzen ignoriert hat. Das Fortführen des Besuchs rechtfertigt aber die vorherigen Handlungen, und es kommt eventuell schon zu einer Einstellungsänderung. Vereinzelt hält sich der beschämende Gedanke „Es-nötig-zu-haben“ aber noch eine Zeit und führt wie bei Anna zu einer längeren Pause.

Der mehr oder weniger ausgewählte Sexualpartner

Abgesehen von Sympathie ist das wichtigste Auswahlkriterium, noch vor sozialen und ästhetischen Kriterien, Sauberkeit und Hygiene der Männer, was auch die Studie der Charité nicht nur für Swingerinnen bestätigt. Kriterien, die folgen, sind Aufmerksamkeit und Höflichkeit. Die Auswahl erfolgt zum Teil verhältnismäßig streng und konsequent, von manchen Frauen aber auch äußerst großzügig und von erstaunlicher Toleranz geprägt. Zum Teil gehen Frauen dabei auffallend aktiv auf die ausgewählten Männer zu. Ein Teil der Frauen verhält sich dagegen beharrlich passiv. Am meisten gefragt ist der gut riechende, appetitliche und kommunikative junge Mann, der eine Frau mit Ausdauer zu verwöhnen weiß und kein Problem mit einem weiteren Mitspieler hat. Mit so einem Mann kommt es ohne weiteres zu wiederholten Kontakten, allerdings fast ausschließlich im Club. Männer mit weniger Qualitäten sind als Nebenspieler – gleichzeitig oder nacheinander – für einige Frauen akzeptabel und werden dann für ihre Zärtlichkeit oder ihre Vorliebe für orale Stimulation und ihre freundschaftliche Verbundenheit geschätzt.

Die Frau als
Objekt und Rivalin
Lediglich Natalia kann mit Frauen in erotischer Hinsicht überhaupt nichts anfangen. Von einigen Frauen wird dagegen die Gelegenheit zum erotischen Spiel mit einer Frau, meist als Vorspiel, begrüßt. Solofrauen kommen aber eher unregelmäßig in den Genuss sexueller Kontakte zu Geschlechtsgenossinnen, denn andere Solofrauen suchen schwerpunktmäßig den Kontakt zu Männern und stehen somit weniger zur Verfügung. Bei vielen Paaren wirkt sich auch einschränkend aus, dass sie sich gern mit anderen Paaren zusammentun und eher einen weiteren Mann als eine weitere Frau einbeziehen. Das kann bei reinen Pärchenveranstaltungen anders sein, denn dort werden zwar keine Soloherren, öfter aber Solofrauen eingelassen. Als Rivalin tritt eine andere Frau seltener auf den Plan – sporadisch als eifersüchtige Ehefrau. Deshalb sind auch die Erfahrungen mit Paaren gelegentlich getrübt. Vermutlich handelt es sich bei Cora um eine Konkurrenzsituation, wenn sie Missstimmungen im Kontakt zu manchen Frauen an manchen Tagen empfindet. FISHER liefert dafür vielleicht eine Erklärung, wenn sie bei Rivalität unter Frauen einen Zusammenhang mit dem Zyklus feststellt.

Sehen und gesehen werden

Anderen beim Sex zusehen oder selbst dabei beobachtet werden ist anscheinend bei keiner Frau eine schon vorher angelegte oder bewusst wahrgenommene und verfolgte Neigung. Es handelt sich wohl eher um die von den Frauen im Nachhinein als stimulierend bewertete Möglichkeit, das in einem Club zu erfahren. Natürlich kann das in Fantasien bereits vorher eine Rolle gespielt haben. Falls sich Regina zu einem Clubbesuch entschließen sollte, freut sie sich insbesondere auch auf diese Möglichkeit, allerdings vorrangig, um persönliche Studien zur Authentizität der anderen Gäste zu verfolgen. Möglicherweise sucht nicht nur sie durch das Zuschauen auch den sozialen Vergleich, um das eigene sexuelle Verhalten bewerten zu können. Natalia widerstrebt es als einziger Frau, anderen beim Sex zuzuschauen, dagegen lässt sie sich wie viele andere gerne dabei beobachten. Beim Sex beobachtet zu werden, ist, neben einem Gefühl der Bestätigung, vielleicht auch deshalb so verlockend, weil das möglicherweise wie beim Hawthorne-Effekt die eigenen Qualitäten als Liebhaberin und die der jeweiligen Sexpartner steigert. Auf der sekundären Authentizitätsebene betrachtet, haben manche Männer mehr zu verlieren als zu gewinnen und sind daher wahrscheinlich weniger als die Frauen auf Zuschauer erpicht.

Erregung und Orgasmus
Alle Frauen wollen sexuell erregt werden und sich nach einem Clubbesuch befriedigt fühlen, wobei bei einigen Frauen dazu nicht zwingend ein Orgasmus notwendig ist und der Akt an sich als befriedigend genossen werden kann. Ein Teil der Frauen geht indessen mit diesem Ziel in den Club und erlebt wiederholt sogar mehrere oder multiple Orgasmen. Diese Frauen unterstützen den finalen Prozess häufiger durch Klitorisstimulation. MARY JANE SHERFEYs Theorie der Unersättlichkeit scheinen manche Frauen, vor allem Lilly, ansatzweise zu bestätigen. Sie geht in der Regel nur an bestimmten Tagen, an denen sie hormonell angeregt ist, in den Club, bleibt aber meistens, wie SHERFEY das ausdrückt, angesichts eines Höchstmaßes an sexueller Sättigung sexuell ungesättigt. Das Ende der sexuellen Betätigung wird durch ihre körperliche Fitness bestimmt.

Sich ausleben, experimentieren und sich selbst erfahren

Neben Erregung und Befriedigung geht es den Frauen vielfach darum, sich ganz auszuleben, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Das gelingt im Club teilweise besser als in einer Beziehung. Manche Trennung ist, wie KAUFMANN in seiner Singlestudie feststellt, „Auslöser für eine rauschende Entdeckung körperlicher Freiheiten“. Manchen Frauen geht es auch um das Sich-Ausleben angesichts der Endlichkeit der menschlichen Existenz. Mehrere Frauen erwähnen den Tod im Zusammenhang mit dem Drang, sich sexuell auszuleben. Dazu gehört für manche Frau, ihren Fantasien nachzuspüren und sie gezielt umzusetzen, beispielsweise mehrere Männer zu dirigieren. Manchmal sind das Bedürfnisse, von denen die Frau zuvor noch nicht wusste. Einzelne Frauen wie Tine und Natalia finden es grundsätzlich anregend, etwas Verbotenes oder Anrüchiges zu tun und nach dem Karnevalsprinzip in diese andere Welt einzutauchen. Sich selbst zu inszenieren, wie Anna das ausdrückt, ist dabei auch eine Form der Selbsterfahrung. Selbsterfahrung im Sinne einer Wahrnehmungsverstärkung, durch die man erfährt, wer und wie man ist, welche Möglichkeiten in einem stecken, wie man sich wann fühlt und wie man von anderen wahrgenommen wird. Bei Lilly vermittelt sich diese Selbst-Erfahrung sogar sehr konkret über die Entdeckung ihres animalischen Spiegelbildes. SIGUSCH schätzt diesen Aspekt der Sexualität als zunehmend bedeutungsvoller ein. Das Triebhafte steht dabei nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr sind auch sexuelle Praktiken wie etwa BDSM, womit Iris und Sandy experimentieren, zugleich sexuell und nicht sexuell, weil Selbstwertgefühl und Befriedigung stärker aus dem Thrill der „nonsexuellen Selbstpreisgabe“ und der „narzisstischen Selbsterfindung“ erwachsen.

Guter Sex – mehr Sex

Zu den erwähnten Bedürfnissen gehört vor allem, dass Sex länger dauert. Die Möglichkeit, mehrere Männer an einem Abend haben zu können, wenn ein Liebhaber nicht ausdauernd ist, kommt den meisten Frauen sehr entgegen. Auch die Verschiedenartigkeit der Männer wird von einzelnen neugierig und gern wahrgenommen. Dass Sex als befriedigend empfunden wird, macht für einige Frauen anscheinend vor allem das Gefühl aus, genug davon zu bekommen. Guter Sex bedeutet vielfach auch, dass er mit dem Gefühl gekoppelt ist, nichts tun zu müssen, außer zu genießen. Bei einem Gangbang hat, neben dem Gefühl von vielen begehrt zu sein, vermutlich die Anwesenheit mehrerer Männer nicht nur einen Effekt, der sich auf die Männer orgasmussteigernd auswirkt, sondern sich ebenfalls luststeigernd auf manche Frau überträgt.

Sex und Liebe

Überwiegend geht es im Club um sexuelle Erregung. Noch besser ist dabei für die meisten Frauen das zusätzliche Gefühl eines intensiven Augenblicks, einer Begegnung, die durchaus mit dem Gefühl von Liebe im ‚Hier und Jetzt’ verbunden sein kann. Außer Tine strebt allerdings keine Frau so auffallend nach Leidenschaft mit Herzensbeteiligung und Dauerhaftigkeit; eher ist das Gegenteil der Fall.

Stammgast sein

Alle Frauen, die einmal oder mehrmals wöchentlich den Club besuchen, pflegen dort Umgang wie in einer Stammkneipe. Der Club ist für sie ein wesentlicher Teil ihres sozialen Umfelds – ein wichtiger sozialer Raum, in dem ein ganz ähnliches Freizeitverhalten an den Tag gelegt wird, das vom Gros der Gesellschaft abweicht. Das schweißt als Gruppe zusammen. Neulinge werden trotzdem erstaunlich offenherzig aufgenommen und auffallend rasch integriert.

Mitwisser
Bis auf Tine, die ein geheimes Doppelleben führt, ziehen alle Gesprächspartnerinnen mindestens eine enge Freundin, eher mehrere, ins Vertrauen. Tine wiederum weiht eine Arbeitskollegin ein, was allerdings für die meisten anderen ausdrücklich nicht infrage kommt. Für Cora und Iris sind die entdeckten Swingerfreuden dagegen überhaupt kein Geheimnis – im Gegenteil. Jeder, und das schließt die eigene Familie mit ein, der etwas darüber wissen möchte, wird großzügig informiert – die Kinder möglichst ihrem Entwicklungsstand angemessen.

Schlussbemerkung

In Anlehnung an KAUFMANNs Zitat möchte ich ganz mutig und ohne Wertung behaupten: „Wer einen Blick in die Zukunft der Gesellschaft tun will, kommt nicht umhin, sich die Bettgeheimnisse dieses Vagabundierens (...) genauer anzusehen.“ Denn vielleicht sind auch diejenigen, die mit wechselnden Liebhabern im Swingerclub ihre sexuellen Bedürfnisse und ihre Lust auf zärtlichen Körperkontakt ausleben und dabei ihre Autonomie bewahren – „ohne es zu wissen – Erfinder der Zukunft“.

Dennoch glaube ich nicht, dass ein Swingerclub für viele Frauen eine selbstverständliche Einrichtung wie etwa ein Fitness-Club wird. Das romantische Modell der exklusiven Paarbeziehung ist doch ziemlich unerschütterlich in uns Menschen, vor allem in Frauen verankert. Vorstellbar ist dagegen, dass das Angebot verstärkt auf weibliche Singles ausgerichtet wird. Von manchen Frauen, Männern und Paaren würde zudem ein reiner „Tantraclub“ begrüßt werden, den es meines Wissens (noch) nicht gibt. Denn wer Einsichten durch Selbsterfahrung gerade auf diesem Gebiet gewonnen hat, ist geneigt neben dem unverbindlichen Abenteuer auch eine intensive Begegnung für den Augenblick erleben zu wollen und lehnt auf Dauer die betont genitale Stimulation ab.

Es geht weiter mit dem dritten und letzten Teil der Diskussion.

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit
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Mukono - 2007/07/11 12:16

Das ist ja schon

so etwas wie ein Zusammenfassung. Wie ich vor zwei oder drei Tagen schrieb und Sie auch festgestellt haben, kommen wir zu verschiedenen Einsichten.
Schon bei meinem ersten Kommentar hier schrieb ich, dass für Männer aus meiner Sicht ein Bordellbesuch befriedigender ist. Meine Einschätzung hat sich eher verstärkt.
Es geht bei Frau und Mann um eine „sexuelle Unterversorgung“. Hier legen Sie Ihre ganz persönliche Meinung auch als Frau dar. Die Zukunft sehen Sie unter anderem in Tantraclubs, in denen Sex ausgeübt wird. Ich bleibe skeptisch. Aber das eigentlich Wichtige an dieser sehr guten Diplomarbeit ist doch, dass sie wie schon gesagt eine Pionierarbeit ist, und dass sie Raum gibt für jeden Leser, subjektive Einschätzungen zu treffen. Es ist sehr interessant, das zu lesen, sich damit auseinander zu setzen.
Und :-) es lesen ja viel, es kommentieren nur wenige.

meint Mukono

Eugene Faust - 2007/07/11 12:30

Tja, ich habe schon befürchtet,

dass ich Sie nicht mehr umstimmen kann. ;-)

Recht herzlichen Dank für Ihr Lob im Zusammenhang mit der Pionierarbeit.

Wir sind nun fast am Ende und da möchte ich Sie schon jetzt mit einem Cybersexdialog belohnen, da dieses Thema in diesem Kapitel auch gerade wieder angesprochen war.
Eugene Faust - 2007/07/11 12:32

Cybersex


Mukono - 2007/07/11 12:39

:-) :-) :-)

danke. eine wundervolle Belohnung. Jetzt weiß ich endlich, was Cybersex ist.

;-) Mukono
Eugene Faust - 2010/12/07 16:14

Bonusmaterial ;)



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4rx (Gast) - 2017/04/10 15:13
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dus - 2015/12/09 10:19
Einfach nur mal so....
Schön, dass es diesen Blog immer noch gibt.
Lo - 2015/12/04 09:15

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