18
Sep
2006

Meine fünfte Gesprächspartnerin Iris

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Iris vor, die ich so gefunden habe.

Das fünfte Gespräch führte ich mit Iris, einer sehr selbstbewussten, impulsiven und kontaktfreudigen Frau Ende vierzig. Mit ihrer 16-jährigen Tochter lebt sie in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Sie hat zwei Office-Berufe erlernt. Außerdem hat sie sich im Bereich Public Relations weitergebildet. Aktuell startet sie in ihre Selbständigkeit. Seit einiger Zeit arbeitet sie schon als psychologische Beraterin mit dem Schwerpunkt Bewerbungsberatung. Nebenbei verdient sie etwas Geld mit dem Schreiben von Werbetexten und Artikeln. Zum Swing*n kam Iris vor etwa einem Jahr über ihre neue Internetbekanntschaft - Cora. Wie diese geht sie inzwischen häufiger meist in den kleinen familiären Club, in dem sie zusammen intuitive Massagen anbieten. Da auch sie sich gerne über ihre Erfahrungen austauscht, war sie leicht für ein Gespräch zu gewinnen. Allerdings scheute sie den Weg in die fünfte Etage, da sie seit einem schweren Autounfall eine diffuse Restangst vor dem Fallen behalten hat. Das Gespräch fand also an einem sonnigen Nachmittag bei Iris zu Hause statt. Die Begrüßung war herzlich und ließ auf Unkompliziertheit schließen. Unsere Unterhaltung war dann auch sehr lebendig. Dabei war die Tochter zwar nicht sichtbar, jedoch in Hörweite im angrenzenden Raum. Trotzdem teilte Iris ihre Erfahrungen großzügig mit, denn sie hat vor ihr keine Geheimnisse.

Bei dem Gespräch fehlte die erste halbe Stunde, da der Rekorder nicht richtig mit der Stromquelle verbunden war, sodass dieser Teil aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden musste.



Das verdichtete Gespräch mit Iris


Vorgeschichte

In Iris’ Vorgeschichte gibt es manches Schlüsselerlebnis beziehungsweise ein paar Episoden, die sie als wegweisend für ihre jetzige Haltung sieht.

Ein provozierender Fernsehabend

Vor etlichen Jahren verfolgt sie eine angeregte Gesprächsrunde im Fernsehen. Allerdings fühlt sie sich durch die libertäre Haltung eines Fotografen sehr provoziert, so provoziert sogar, dass sie beim Sender anruft, um mit ihm zu diskutieren. Daraus wird ein mehrstündiges Gespräch über Liebe, Sex, Besitzansprüche und Beziehung. Sie verabreden sich. Die Treffen wiederholen sich über einen Zeitraum, in dem Iris ihre neuen Einsichten über die diskutierten Themen wohl oder übel vertiefen muss, denn für eine „normale Beziehung“ ist dieser Mann nicht zu „haben“. Heute betrachtet sie diese Zeit dankbar als wichtigen Abschnitt, in dem sie viel gelernt hat.

„Das war eine schöne Liaison“

In einem späteren Lebensabschnitt landet Iris eines Tages auf verschlungenen Pfaden in einem einschlägigen Lokal, in dem sie einen Zuhälter kennen lernt.
  • Plötzlich dreht sich der Mann, der offensichtlich auch Zuhälter ist, zu mir um und nimmt mich in den Arm und küsst mich. ... Ich gucke den an, ... und er sagt zu mir: „Keine Angst, wir beide unterhalten uns mal!“ ... Dann hatte ich zwei Jahre lang einen Frankfurter Zuhälter als Freund, der andere Frauen anschaffen ließ, dafür, dass ich dann mit dem Taxi von Billstedt auf den Kiez fahren konnte, um da bei ihm zu sitzen und ihn zu unterhalten. Und wenn er dann mal von seinen ganzen Schichten frei hatte, nahm er sich die Türschlüssel unter meiner Fußmatte weg und fühlte sich total wohl. Der genoss die konservative Umgebung. ... Das war eine schöne Liaison.
„Ein Macho ist auch nur ein Mensch“
  • Von dem habe ich ein Stück Weiblichkeit erfahren. Ich steh’ auf Machos, mein Leben lang schon. ... Ein Macho ist auch nur ein Mensch! ... Ich habe gesehen, wo er Mensch ist, wo er bedürftig ist, wo er verletzlich ist, wo er aufmacht, zumacht, warum er das tut. ... Ich brauchte mich nur reinzufühlen und plötzlich hatte das, was andere als bedrohlich empfinden, für mich was ganz Besonderes. Irgendwann ist er zurückgegangen nach Frankfurt. Das bedaure ich heute noch.

„Ich kann sie alle heilen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe“

Iris erzählt, wie sie Anfang dreißig den Mann, der später der Vater ihrer Tochter wird, kennen lernt. Er ist Mitte vierzig und hat bereits einen erwachsenen Sohn.
  • Irgendwann haben wir so eine Art Zweckgemeinschaft gebildet und haben uns zusammengetan. ... Ich hatte den Eindruck, dass er sich öffnete, und dass er Gefühle investierte, was für ihn sehr schwierig war. ... Jemand, der alle anderen infrage stellte, nur sich selbst gut fand, jemand, der zehn Jahre [nach einem Disput mit dem Sohn, der noch ein Kind war] nicht mit ihm sprach! Es war schon sehr deutlich, wie verletzt der war. Ich habe damals immer noch das Modell verfolgt: Ich kann sie alle heilen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe. ...
„Und irgendwann war ich schwanger“...
...Als der werdende Vater jedoch eine Abtreibung will, packt sie ihre Sachen.
  • Ich will dieses Kind haben! ... Für mich ist es ein Geschenk! Dann habe ich mich zu Hause eingerichtet, mich vorbereitet auf dieses Kind, mich gefreut. ... Er hat sie 2-3 Mal gesehen. ... Irgendwann hat er sich immer mehr zurückgezogen. ... Er hatte mir immer sehr vorgeworfen, ihn überfallen und überfordert zu haben. ... Als Sophie in mein Leben kam, da gab es den absoluten Bruch. ... Ich war vorher erfolgreich und ehrgeizig und kopfgesteuert. Aber was Gefühle angeht – ich stellte sie infrage. ... Sophies Dasein brachte ein Chaos in mein Leben, in dem ich nur sortieren konnte und ganz viele Schubladen von Anfang an weglassen musste. Das habe ich gemacht und bin auch meinem Weg zu mir gegangen. ... Ich habe mich nicht EIN Mal verlaufen. ... Ich bin einfach gegangen und wusste genau: Egal, wo ich hingehe – ich bin nicht alleine. ...
„Aber du drehst am Rad, wenn du nur noch mit deinem Kind da sitzt“
Nach der Geburt ihrer Tochter bleibt sie fast zwei Jahre zu Hause, bevor sie wieder stundenweise arbeitet, denn ganz ohne Mann und Familie ist sie allein die Ernährerin.
  • Ich habe gearbeitet, meine Tochter versorgt, noch ein Abendstudium gemacht, sechs Semester. ... Ich wollte wissen, ob mein Kopf dazu in der Lage ist. Aber du drehst am Rad, wenn du nur noch mit deinem Kind da sitzt. Da habe ich eine Psychologin kennen gelernt, ... eine Alleinerziehende der ersten Stunde, ... die über sechzig war. ... Die hat mich vollkommen fasziniert. ...
„Durch die Gespräche mit ihr habe ich mir erlaubt, mich zu öffnen“...
  • ...wie ich es mir früher nie erlaubt hätte. Eigentlich hat sie mich begleitet, und ich habe es selbst gemacht. ... Dann war das zu Ende. Ich habe aber was Neues gesucht. Das reichte mir noch nicht.
„Dann bin ich im Internet einem Mann begegnet“...
  • ...Das passiert mir inzwischen sehr oft. ... Der faszinierte mich, obwohl wir uns nicht gesehen hatten. ... Wir haben gemailt und gechattet. ... Der hat in einer Weise geflirtet und in einer Weise geschrieben … und Worte benutzt – absolut erotisch! Es hat Spaß gemacht, viel Freude. ...
„Dann haben wir uns gesehen“...
Iris fährt in sein Seminarzentrum, um ihn zu besuchen.
  • ...Das war aber eine platonische Begegnung. Du konntest sehen, wie er vor mir, dem Urweib, zurückzuckte und sich zu Tode erschrak. ... Ich war im ersten Moment verletzt, wirklich bös’ auch auf ihn. Aber ich merkte dann, das war offensichtlich SEIN Thema. ... Und das hat mich sehr geradeaus gehen lassen und ihm wohl auch gestattet, auch weiter mit mir umzugehen. ...
„Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis“
Nach diesem Treffen folgt Iris, vor ungefähr drei Jahren, seiner Einladung zu dem zehntägigen Gruppen-Seminar „Die Heldenreise“.
  • Zehn Tage Konfrontation mit mir! Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis, das ich jedem Menschen, der auf der Suche nach sich selbst ist, empfehlen würde. ... Es war genial, ein Faszinosum – ... stimmig für meine Spiritualität und für das Bewusstsein, dass ich niemandem, außer mir, Rechenschaft schuldig bin, nur für einen einzigen Menschen die Verantwortung habe und machen kann, was ich will. Schwer zu beschreiben, aber es war für mich wichtig. ... Ich wollte damals nach drei Tagen abhauen, nicht, weil es mir so schlecht ging, sondern weil ich dachte, ich störe durch meine Problematik die anderen viel zu sehr. ... Ich habe die ganze Nacht mit mir gekämpft, ... bin am nächsten Morgen in meine Gruppe, und ein junger Mann, ... der nahm mich in den Arm und sagte: „Ich hab’ dich lieb!“ Da habe ich angefangen zu heulen. (lacht) ... Das hat mich damals beglückt in einer Weise, die bei weitem höher und weiter, runder und fröhlicher machte, als alles, was davor war. Und ich wollte das auch annehmen.
Kurze Zeit später macht sie im Internet ihr Forum auf (in dem es um Spiritualität und Selbsterfahrung geht), über das sie im vergangenen Jahr ihre jetzige Freundin kennen lernt, die bereits viele Erfahrungen in Swing*rclubs gesammelt hat.


Der erste Clubbesuch


‚Wa(h)re Liebe’ – „Das war alles, was ich wusste über Swing*rclubs“
  • Ich habe viel freie Zeit gehabt ... und dann ‚Wa(h)re Liebe’ geguckt. ... ‚Wa(h)re Liebe’ hat ja ein großes Herz für alles, was mit Sex und Erotik zu tun hat und explizit auch für Swing*rclubs. ... Ich hatte durchaus auch Lust, weil ich gesehen habe, wie die Menschen sich da teils auch sehr offen begegnet sind. Das war alles, was ich wusste über Swing*rclubs.
„Und dann kam Cora: >Ich zeig dir jetzt mal Einen!<“...
  • ...Da bin ich dann also hin mit ihr, schon ein bisschen aufgeregt. Habe mir da dann den netten jungen Mann [beim Einlass] angeguckt, wie der in den kurzen Shorts, leicht behaart und gut duftend vor mir stand. Mir war da doch so ’n bisschen komisch. ... Cora hat mich dann vorgestellt. ... Dann hab’ ich mir das alles erst mal angesehen ... Ich bin dann in die Bar, da saß ein verlorenes Männchen. Dann füllte sich der Raum aber relativ schnell mit mehr Männern. ...
„Cora wurde immer lebhafter und ich immer ruhiger“...
  • ...Da war aber nicht einer, wo ich gesagt hätte: „Hmm!“ – außer dem hinterm Tresen. Aber selbst den nur bedingt. ... Ich dachte, du sitzt jetzt als einzige Frau hier unten, da in der Ecke ist noch eine, offensichtlich verliebt in den Kandidaten hinterm Tresen und auf mich eifersüchtig, weil er sich im Moment mehr auf mich fixiert.
„Was mache ich denn jetzt mit den ganzen anderen Kerlen?“...
  • ...Dann habe ich gesehen, dass da Peitschen hingen. ... Ich hab’ die genommen, lang gezogen, ... mich gerade hingesetzt und gesagt: „Hat irgendjemand noch ’ne Frage?“ „Nö!“ Nach ’ner ganzen Weile kam dann: „Ja, ich schon!“ „Zu spät!“ (lacht) Der hatte Bock auf ’ne Domina. ... Der dachte, er könnte mich auf diese Weise rankriegen. Aber ich hatte keinen Bock, ich wollte den nicht, überhaupt nicht! ... Dann hat mich kein Mensch mehr angemacht.
„Dann bin ich ein zweites Mal allein hingefahren“...
  • ...eine Woche später. Ich habe dort angerufen, ich wusste, dass der hinterm Tresen sonntags Dienst hat. Habe gesagt, ich möchte vorbeikommen. Und ich möchte mich absichern, will nicht von irgendwelchen Typen angequatscht werden. ... Und er sagte: „Du kannst sowieso NEIN sagen, aber wenn es dir hilft, dann bist du eben bei mir!“ ... Da waren ganz andere Leute, auch gut aussehende, aber ich hatte überhaupt keinen Impuls. ...
„Wozu soll das gut sein?“
  • Und da war das Thema für mich auch erst mal durch. Das reizte mich überhaupt nicht. Weißt du, Cora machte da am ersten Tag mit drei vier Männern rum, und nicht einer war dabei, der irgendwie – ich weiß auch nicht. ... Die hat wirklich einen attraktiven Mann zu Hause und kann auch andere kriegen. Ich hab’ mich gefragt: „Wozu soll das gut sein?“ ... Ich habe mich später von dem etwas Dominanten hinterm Tresen ein bisschen streicheln lassen, weil ich wissen wollte, wie ich reagiere. ... Das hat kein Mensch mitgekriegt, wir waren ganz alleine. Ich habe das genossen, aber ich habe es dabei belassen.

Cluberfahrungen


„Inzwischen ist es so“...
  • ...Wenn da was schwingt, artikuliere ich unter Umständen ein Bedürfnis. Ich kann das aber an einer Hand abzählen, ... wobei ich nur mit EINEM geschlafen habe – Nein, mit zwei, wenn ich Achim dazuzähle. Die anderen sind erotische, sexuelle, wundervolle Begegnungen, ... pure Lust. ... Das eine Mal war das ein Mann, den ich gern habe, der verheiratet ist, dessen Frau aber keine Libido mehr hat wegen Medikamenten. ... Das zweite Mal war mit einem [Peter], der hat mich angefasst, hat genau gewusst, was ich mag.
„Das war reine Lust pur“…
  • ...Von mittags bis irgendwann nachts. ... Ich kenn’ mich so auch gar nicht. ... Ich hatte den schon einmal abgelehnt, weil ich damals verliebt war, und ich bin keine, die sich dann aufmacht und mit Männern rummacht. Ich kann auch in einen Swing*rclub gehen, um Spaß zu haben. Ich muss nicht hingehen, um ’rumzupoppen.
„Ganz spielerisch und mühelos ausprobieren“
  • Er [Peter] hatte sich nun sehr gefreut, dass ich mich ihm zuwandte. Er hat sich sehr um mich gekümmert. ... Ich habe es genossen, mich einfach fallen gelassen, mich berühren lassen. ... Er konnte die Hände nicht von mir lassen, und ich wollte das auch gar nicht. ... Ich habe gesagt: „Ich hab’ viel zu lange gewartet, ich bin noch lange nicht fertig!“ ... Und er lacht und macht immer schön weiter, und wir haben unseren Spaß, nur Spaß! ... Der hat einfach diese Sensibilität, hat sofort gespürt, was ich möchte, und hat es umgesetzt. Ich musste es nicht erklären. ... Ich würde immer wieder mit dem zusammen sein. Es ist fantastisch, überhaupt nicht verpflichtend, wundervoll schwingend, sich gegenseitig beschenken, Lust leben, Freude haben. Das hat für mich mit Sex in der klassischen Weise überhaupt nichts zu tun. Und in diesem geschützten Raum, wo ich mich auch noch bewegen kann in bestimmten Bereichen, und die Orte wechseln kann, wenn ich es will. Das ist doch absolut genial! Da kann ich doch ganz spielerisch und mühelos ausprobieren, lustvoll und freudvoll und friedvoll und auch nicht friedvoll, je nachdem, was ich will.
„Der ganze Club als Spielplatz“
  • Der Andere, der mich genauso begeistert hat – mit dem habe ich wirklich GESPIELT. Wir haben den ganzen Club als Spielplatz genommen. Wir haben ihn massiert. Ich habe dann mit ihm im Bett gelegen, da war Cora noch dabei. Dann waren wir an der Bar, dann noch mal irgendwo rein, und irgendwann musste er los.
Massagetermine
  • Und dann massieren wir wieder jemanden, der ist wesentlich jünger, viel introvertierter, offenkundig aber auch tantrisch erfahren, kannte Kamasutra, war lange in Indien. Er genoss deutlich kommunikativ. ... Wir verabschiedeten ihn und massierten den nächsten, der es ebenso genoss und es ebenso fröhlich kommunizierte. ... Wieder unten in der Bar ... guckt mich dieser Alex so an: „Du hast mich so klasse massiert, möchtest du auch mal?“ „Ja! – Lass uns in den Whirlpool gehen!“ Der Zweite kommt mit. Wir, zu dritt in den Whirlpool – einer massiert den einen, der andere den anderen Fuß. Ich wollte dann raus aus dem Wasser. Wir sind dann in den Raum. ... Ich merkte, dass Alex vollkommen bei mir ist, der andere eher einen gestressten Eindruck machte. ... Der ging dann auch. ...
„Regenbogenorgasmen ohne Ende“
  • Und der andere [Alex], der hat, ich weiß nicht wie lange, nur meine Klitoris stimuliert. Ich habe Regenbogenorgasmen gehabt ohne Ende. Da liegt jemand neben dir, ist offensichtlich voller Lust, hat aber keinen Anspruch, null. Sagt nicht mal, sein Arm sei lahm oder so ’was, sondern ICH, ich hatte das Gefühl, ICH muss sagen, ich kann nicht mehr! … Dass ich das so gut annehmen kann, ist ein Novum. Das ist mir früher sauschwer gefallen. Ich dachte eher immer: Das steht mir nicht zu, ich muss eher für die anderen etwas tun. ...
„Ein absolut sicherer Raum“
  • Der Swing*rclub an sich, wenn ich die zwischenmenschlichen Sachen da rausnehme, ist ein absolut sicherer Raum, in dem ich als Frau – meistens ohne finanziellen Einsatz – in einem sehr gepflegten Ambiente, mit unterschiedlichsten Spielmöglichkeiten, mit Wellness-Möglichkeiten, mit fantastischem Essen und Getränken, und wundervollen Gesprächen, Menschen begegne, mit denen ich, wenn ich das will, auch erotisch kommunizieren kann. ... Ein Bereich, der mir erlaubt, mich auszuleben, mich auszuprobieren, all das zu tun, was ich mir wünsche und mir vorstelle, ... ohne dass jemand auch nur den Ansatz machen würde, mich reglementieren zu wollen oder gar kritisieren zu wollen. Das einzige, das da passieren könnte, ist, dass jemand Nein sagt. Ist zwar noch nicht passiert, aber könnte ja. ... Ich sage ja auch Nein. …
„Wenn ich das früher gewusst hätte“
  • Ich könnte auf viele Jahre verzichten, rückblickend, obwohl auch all das einen Sinn gehabt hat. Aber wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich nicht in einer Disco sitzen müssen oder in Bars oder sehnsuchtsvoll schmachtend zu Hause.
Trotz ihrer guten Erfahrungen würde sich Iris nicht als Swing*rin bezeichnen, denn dieses Etikett passt ihrer Ansicht nicht zu der Art, wie sie diese Möglichkeit nutzt.
  • Wenn mich jemand fragt, ob ich Swing*r bin, würde ich immer NEIN sagen.
„Für mich steht Liebe da drüber“
  • Es geht mir immer um Berührung. Für mich steht Liebe da drüber. Und Liebe umfasst für mich alles das, was mit Sinnlichkeit zu tun hat: Mit dem Wahrnehmen, dem Entdecken, dem Berühren von Lebewesen. Das kann auch mein Kater sein. ...
Frauen
  • Eigentlich bin ich passiv-erotisch – wenn man Fantasien hat, sie aber nicht lebt. Inzwischen habe ich es gehabt, es kennen gelernt. Ich bin mit Sicherheit nicht bisexuell. ... Ich fand es witzig, dass ich darauf reagiere, aber es hat mich nicht so fasziniert, dass ich tauschen möchte. ...
Zuschauen
  • Ich finde es witzig manchmal, einfach nur, um die Schwingungen der anderen aufzunehmen. Es gibt welche, die hörst du nicht, die fühlst du nur. Du merkst die Lustkurven und kriegst es mit. Es ist auch reizvoll manchmal, zu sehen, dass jemand ästhetisch schön gebaut ist. ...
Gangb*ng
  • Ich habe es mir angesehen, es hat auch einen gewissen Reiz, ... aber es gibt Kopfkino und Realität. ... Ich glaube, die können sich nicht mehr fühlen – nur über die Bestätigung von außen. Wenn ich mir die Frauen ansehe – ... das hat für mich mit Liebe nichts mehr zu tun. Das ist ein Brauchen und gegenseitiges Benutzen. Wenn ich mir dann die Männer angucke, wie sie da erwartungsfroh stehen, und wenn sie dran sind, oft auch versagen, weil sie einfach auch geschockt sind über das KALTE. ... Mir reicht es schon, zu sehen, wie eine Frau fixiert ist in so einem Gestell und offensichtlich Freude daran hat, dass ihr Herr es gestattet, dass andere sie berühren, ... und dass sie von allen „begehbar“ ist, ... oder „bespielbar“. ... Aber wenn es die Leute antörnt und es ihnen Spaß macht, sollen sie es tun. ...
Kopfkino vs. Realität
  • In meinem Kopf finden Sachen statt, die könnte ich nicht mal erzählen. Will ich auch gar nicht. Aber in meiner Realität würden sie keinen Raum haben. In dem Moment, wo sie stattfinden sollten, würde mir alles vergehen. Das sind verschiedene Ebenen. Was ich oben im kopf erschaffe, findet auf einer anderen Ebene dennoch statt. Aber auf einer, wo ich das beeinflussen kann. ... In dem Moment, wo ein anderer eingreift, ... gibt es plötzlich Wirklichkeiten, alles, was Dualität ausmacht. Da will ich es nicht haben! ... Sobald irgendjemand beteiligt ist, gibt es einen Energie-Austausch, verändert sich die Schwingung, ist es nicht mehr das, was es gewesen ist. Ich glaube, ... wenn ich es mit dir teile, kriegt es schon eine Veränderung, wenn ich es beschreibe, selbst wenn wir es gar nicht verändern wollen. Also lasse ich es da, wo es ist und erzähle nach Möglichkeit nichts davon. ... Ich habe auch Lust, neue zu erschaffen, ganz verrückte Sachen, und bringe Menschen [in der Vorstellung] zusammen, die in ihrem Leben nie zueinander kommen würden. ...

Männer


Der Umgang mit Männern angesichts der heranwachsenden Tochter

Iris hat sich gefragt, wie sie ihre Tochter angemessen mit wechselnden Partnern und ihrem Sexualleben konfrontieren kann, und was sie ihr zumuten kann.
  • Wenn ich heute mit einem Mann liiert bin, und hier taucht ein anderer auf, und meine Tochter fragt nach, dann kriegt sie eine wahrhaftige Antwort, warum das so ist. ... Ich mache das erst seit drei Jahren, dass Männer auch in mein Haus kommen dürfen. Und dass ich sie damit konfrontiere, dass ich ihr zumute, zu akzeptieren, dass ich auch eine Frau bin, mit einer ... Sexualität, die sie manchmal auch aushalten muss, zum Beispiel wenn ich [erotisch] telefoniere. Das ist ihr zumutbar. Und ich frage sie auch schon mal, ob sie bei einer Freundin schlafen kann. Oder ich bitte ihn, ins Hotel zu kommen, wenn ich weiß, dass er die Kohle hat. ...
Davor...
  • ...habe ich mich einfach zurückgezogen, weil das, was ich erlebte, nicht das war, was ich erleben wollte. ... Es ist nicht so, dass es mir keinen Spaß gemacht hätte. ... Ich habe mir einfach Raum genommen für andere Dinge, ... mich gefragt, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, die sich schöner, besser, interessanter anfühlen. ... Ich habe nicht gehadert mit irgendeinem Menschen oder mit mir, mit meinem Schicksal. Ich habe gemerkt, das gefällt mir nicht, also lasse ich es. ... Ich habe mich um unser beider [Mutter und Tochter] Leben und Fortkommen gekümmert, ... habe lange Zeit überhaupt keinen Mann gehabt, habe es aber nicht vermisst. Es hat mich gar nicht interessiert; was nicht heißt, ich habe keine Kontakte zu Männern gehabt. Aber Erotik und Sexualität, die habe ich gelöst über mich und meine Hände. Und das durchaus leidenschaftlich und auch sehr lustvoll. ... Ich habe meine Körperlichkeit geliebt, und ich habe sie immer geliebt. ...
„Da habe ich auch viel von Männern gelernt“
  • Was alles machbar ist – da habe ich auch viel von Männern gelernt. Wenn ich mir einen Freund angucke, mit dem ich noch Kontakt habe, was der für Ideen hatte, ... sehr reizvoll, sehr lustvoll, sehr anregend, machte mir großen Spaß, ... angefangen vom Massieren, über Düfte, Kleidungsstücke, über Spielzeug, die Kontrolle von Muskeln oder ganzer Teile der Vagina oder dem Brustorgasmus [es werden nur die Brustwarzen stimuliert] Ich dachte, die spinnen doch alle, bis ich ihn erlebt habe. Das ist so geil ... wirklich unglaublich. ...
„Ich möchte meine Freiheit und er soll seine behalten“
  • Ich habe lange Jahre gewollt, dass mich EIN Mensch glücklich macht, und ich möchte das auch immer noch. Es hat sich einfach nur die Prämisse verändert. Ich möchte meine Freiheit, und er soll seine behalten. Ich muss mit ihm nicht in EINEM Haus zusammen leben, und selbst wenn, möchte ich mein Schlafzimmer behalten. Ich will schnarchen können. Ich möchte mich zurückziehen können, meinen Raum haben, der meine Schwingungen hat, in dem ich mich wirklich frei fühlen kann. ... Ich will ihn einladen, und er kann mich einladen. Ich möchte, dass der sich lebt, und wenn dazu gehört, dass er swingt, dann soll er das tun. Die Einschränkung wird sein, ... immer nur mit Gummi. Ich muss mich nicht Risiken aussetzen, die ich vermeiden könnte. ...
Männer eher für das EINE
  • Es gibt den Jörg da im Club, der mich auch privat angerufen hat eine Weile, der mich einfach gut berührt, fantastisch, aber ich würde nie mit dem irgendwas anderes machen wollen – außer da. Der Alex, der sich wirklich gut anfühlte, und auch ein liebevoller, reizender, junger Mann ist, der wäre mir auf der Straße vermutlich gar nicht aufgefallen. Der Peter ... wäre mir auch nicht auf der Straße aufgefallen. Den hätte ich auch nicht gern als Partner an meiner Seite. Wenn der im Club ist, freue ich mich, dann mache ich wieder was mit dem. Ich habe noch keinen einzigen Mann dort getroffen, wo ich das [Bedürfnis nach mehr] hätte. Aber ich möchte das in keiner Weise ausschließen, ich halte das für möglich. ...
Platonische Freundschaften
  • Ich habe viele platonische Freundschaften, wo ich den Menschen lieben kann, aber meine Sexualität nicht leben kann. ... Meine Sexualität leben ohne Liebe ist nicht das, was ich will. ... Wenn ich mich selber lieben will, mir selber vertrauen möchte, dann kann ich nur das Ganze tun. ... Ich kann dann in den Spiegel gucken. ...
Erotische Kontakte zu Männern außerhalb des Clubs
Iris hat außerhalb der Clubs aktuell nähere Kontakte zu Mark und Norbert und Achim, die nicht alle voneinander wissen.
  • Ich bin doch nicht verrückt und baue mir da Probleme rein! Nein! ...
Zwei davon sind dominant.
  • Mein Interesse für BDSM ist ganz neu. Das war außerhalb meiner Vorstellung, dass mich das überhaupt reizen könnte. ... Achim ist ein dominanter Mann, der lebte das aber schon ganz lange nicht mehr, weil seine Frau das überhaupt nicht mag. Seine erste Frau schon. Die ist eine Devote. Also da hat er sehr viel gelernt. Und wenn er merkt, dass mir das Spaß macht, spielen wir. ... Dem verdanke ich, dass bestimmte Berührungen, bestimmte Punkte an meinem Körper, Lust vermitteln können. Das Ganze ist ein Sich-Entwickeln, ein ständiger Reiz. Ich habe einen Schalter – wenn ich das nicht will, schalte ich ihn ab, und wenn ich es will, schalte ich ihn wieder an. Ein Mann aus dem Genre, der BDSM richtig betreibt, hätte damit absolut Mühe, weil ich nicht in seine Schemata passe. Nein, der behauptet, er spielt nicht, dabei tut er das auch. Aber Spiel ist für ihn ... negativ besetzt, was ich nicht begreife. ...

Internet und Telefon


„Ein Portal zu Menschen“
  • Das Internet ist eine absolut legitime Toreinfahrt, ein Portal zu Menschen. ich habe viele kennen gelernt, die ich liebe und ehre und schätze. ... Zum Beispiel Hermann, der mir am Telefon und im Internet geholfen hat, meine Weiblichkeit wahrzunehmen, zu heilen, mit meiner Mutter klar zu kommen, die schon längst tot war – ... Schlüsselmomente, in denen ich selber für mich gut gesorgt habe, für ihn auch. Das war immer ein Wechselspiel. ... Das Passende und Ausgleichende war immer da, immer spielerisch, immer mühelos. ...
Cybersex
  • Es ist außerordentlich reizvoll, wenn mir jemand [am Telefon oder im Chat] erzählt, ich werde dich da und da fixieren, und dann dürfen dich die und die ... Wenn das jemand in der Realität machen würde, würde ich sagen: „Du bist nicht ganz dicht!“ Aber im Kopf sind diese Bilder total reizvoll. ... Aber ich möchte das nicht real erleben! Ist nicht meine Welt, muss ich nicht haben!
Tele(fon)pathie
  • Männer fallen reihenweise in Ohnmacht, wenn sie mit mir telefonieren oder chatten. ... Dann mache ich die völlig fertig, in dem ich ihnen sage, was sie gerade denken, ... weil ich es wahrnehme. ... Ich spüre 1:1 das, was sie denken. Und das geht bis zum Orgasmus. ... Es gibt Männer, die das noch nie erlebt haben. (lacht) ...
„Ich fand das Internet am Anfang etwas komisch“...
  • ...weil das neu für mich war. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mit denen, wo es passte, reizvoll und lustvoll war. ... Oft kurze Zeit später mündete es in Telefonkontakt. ... Entweder ist es einfach irgendwann vorbei, weil es so sein soll, oder es sind Kontakte, die schon vier bis fünf Jahre andauern, nicht nur in diesem Segment, sondern die darüber hinaus gewachsen sind, Freundschaften sind. ...
Angemacht werden
  • Wenn es mal so ist, dass jemand mich in einer derart platten Weise zu animieren versucht, ... da sage ich auch NEIN, aber in einer Art und Weise, die ihn fast immer dazu bringt, zu sagen: „Hey, du antwortest ja wenigstens, und dann auch noch so nett!“ Und ich merke ja, wie gequält die alle schon sind; weil sie in ihrer sehr simplen Weise, die auch sehr naiv und unbeholfen ist, einfach gar nicht die erreichen, die sie wollen. Und wenn ich dann einfach nur drei vier nette Worte sag’: „Du, entschuldige mal, ich möchte nicht!“ – oder mir einfach Dinge einfallen lasse, ... nur, um sie nicht zu kränken ... und ihnen dabei noch das Gefühl gebe, ich habe sie wahrgenommen. ...
Angenommen werden
  • Früher hatte ich Mühe, mich derer zu erwehren, die mich vereinnahmen wollten. Dann gab es eine Phase, da habe ich nicht gewollt, dass mich jemand sieht. Und wenn ich wahrgenommen wurde, hat es mich erschreckt. ... Außer im Beruf, das hat immer funktioniert. Heute bin ich immer wieder erstaunt über die Freude und Offenheit und Fröhlichkeit, mit der sie mich [online] annehmen. ... Wenn ich drei Tage in einem Chat nicht auftauche, und alle losschreien: „Wo warst du denn so lange? Was machst du? Ich habe noch eine Frage, kann ich dich nicht mal privat anrufen?“ ... Dann merke ich, dass es ein absolut guter Weg ist. ...
BDSM
  • Das ist ein ganz interessantes Spektrum von Menschen, das sich da [im Netz] tummelt. ... Das ganze Genre interessiert mich. ... Eine Frau rief mich vorhin an, die ist „Sub“*, also sehr masochistisch. Wenn die manchmal von ihren Geschichten erzählt, dann denke ich: Boah, was geht da ab? Aber ob ich mich da einlassen würde, weiß ich nicht.
„Ein Regenbogenspektrum“
  • Also dort [im Netz] gibt’s auch ganz andere Ebenen, was Erotik angeht, wo man einfach auch lernt und sich austauscht, fasziniert hinhört und sich auch mal einfühlt. ... Das ganze Leben ist ein Regenbogen-Spektrum. Ich glaube, ich werde das [alles auszuprobieren] nie schaffen – aber vielleicht komme ich ja noch mal wieder. ... Aber bestimmt nicht als Kerl. Ich finde Männer haben’s gerade ganz schön schwer. (lacht) ... Und ich bin froh, dass ich mein eigenes [Geschlecht] inzwischen ganz gut beherrsche. ...
Erfahrungen mit der eigenen Website
Iris und ihre Freundin betreiben unter anderem eine gemeinsame Website, auf der sie ihre Massagen anbieten. Da es bei Männern oft zu Missverständnissen bezüglich des Angebots kommt, haben sie die Texte überarbeitet.
  • Es steht da jetzt auch drin, dass es wenig Sinn macht, wenn jemand glaubt, dass er von uns eine sexuelle Dienstleistung bekommt. Es fasziniert mich – wenn ich mich und Cora angucke [auf den Fotos] – die Männer können andere Frauen kriegen! Ich verstehe nicht, wo die hingucken, was die sich vorstellen. ... Sie wollen ganz oft einen Dreier, egal, was man schreibt. ... Die sehen nur, was sie sehen wollen. Im neuen Text ist ganz klar und präzise, was es wirklich ist. ... Und dennoch gibt es Männer, die setzen sich darüber hinweg! Ich kann ausrasten oder mich fragen, wie groß muss die Bedürftigkeit sein?! Ich nehme es denen nicht übel, ich finde es eher komisch, weil es wirklich manchmal schon eigentümlich ist, was die sich zurechtschustern und immer noch ihre Wünsche artikulieren können. ...
Mutter und Tochter – Online
  • Die meisten wissen auch, dass ich ein Kind zu Hause habe und fragen erst mal nach, ob ich das bin. Aber manche gehen einfach davon aus, dass ich das bin. … Meine Tochter hat dann die Order, mich zu informieren. Es gab eine Situation – den Kerl habe ich zur Sau gemacht – der Kerl hat sie angemacht, in einer Weise, die ihr nicht gefallen hat. Sonst sind da nur freundliche Leute, die mir sagen, was für eine tolle Tochter ich habe, und wie liebevoll ich mit ihr umgehe, wie reizend und gut erzogen sie ist. ...

Wandel

Von der „Twiggi“ zum „Urweib“
  • Es gibt ein Schlüsselerlebnis, als ich aufhörte, zu rauchen, vor vier Jahren. Da habe ich das Problem gehabt, dass ich gute fünfzehn Kilo zugelegt hatte. Und die sitzen überall, durchgängig. ... Und aus Frau Twiggi mit 75 B wurde das Urweib mit 90 D. Damit hatte ich anfänglich ein Problem, das war mir zu üppig. Das wollte ich nicht. Seitdem ich angefangen habe, es [den Wunsch, schlanker zu werden] wieder loszulassen, geht auch die Figur wieder, ohne, dass ich mich anstrengen muss, ohne dass ich kämpfe. Vorher ... mochte ich weder die Dellen im Oberschenkel noch diesen Atombusen. Inzwischen gehe ich ganz anders damit um. Ich habe über dreißig Jahre geraucht, war diese schöne, schlanke Blondine, eher gazellenhaft. ...
„Wer bin ich eigentlich?“
  • Wenn ich mir die vier fünf Jahre angucke, wo sich das ganze Bewusstsein in dem Kontext: Wer bin ich denn eigentlich, was bin ich, was macht mich aus? – gewandelt hat, kann ich annehmen, dass ich wirklich Weib bin und das auch gern bin und es auch auslebe, ... meine Bedürfnisse auslebe.
„Ich bin der Boss“
  • Unter Bedürfnisse meine ich nicht nur Sex. Chinesisch essen zu gehen, mache ich mit der gleichen Lust, wie einen Mann mit dem Mund zu verwöhnen. Da ist für mich kein Unterschied mehr. Wenn ich nicht mehr katalogisieren will, wenn ich weg will aus dieser Begrenztheit des gesellschaftlichen Seins, dann habe ich eine Freiheit und einen Raum, der mich manchmal erschreckt, weil ich gar nicht weiß, wann der zu Ende ist. ... Raum und Abenteuer ohne Ende, ... ein einziger, interessanter, abenteuerlicher, reizvoller, beglückender und freudvoller Seins-Aspekt. Und die Einzige, die darüber befindet, ob ich das will oder nicht, ob ich das mache oder nicht, das bin ich. Ich bin der Boss! Und wenn ich das mal spielerisch anders haben will, mich zum Beispiel mal dominieren lassen will, dann, weil ich da Lust zu habe. ...

Biografisches
Iris wird als erste Tochter unehelich geboren und nach der Eheschließung von ihrem leiblichen Vater adoptiert. Nach ihr kommen noch drei Brüder zur Welt. Beide Elternteile sind cholerisch. Die oft überforderte Mutter schlägt schon mal mit der Peitsche zu. Der Vater ignoriert sie eher und verschont sie mit Schlägen. Im Alter von dreizehn Jahren versucht der Vater, sie im Schlaf zu penetrieren.
  • „Ich hatte nie das Gefühl, dass mir wirklich schlimm was passiert ist“
    Das ist für mich alles verarbeitet. Ich habe es auch mit meinem Vater, als er schon tot war, geklärt. ... Ich hatte nie das Gefühl, dass mir wirklich schlimm was passiert ist. Ich war einfach nur beleidigt und verletzt und irritiert darüber, dass dieser Mann ... sich erdreistete, mich genau da nun haben zu wollen. ... Ich bin nur in einem bestimmten Moment wach geworden. ... Irgendwo war da eine Grenze. Und diese Grenze, die schmerzhaft war, die hat mich da wohl auch rausgeholt [aus dem Schlaf].
„Der hat alles angemacht, was Frau war“
  • In der Folge – was ich nicht verstanden habe – hat er sich nackt präsentiert, wenn andere nicht da waren oder hat durch andere Sachen versucht, deutlich zu machen, dass ich ihn wahrnehmen müsste. Ich habe erst im Nachhinein verstanden, als mein Vater verstarb und meine Großmutter sagte: „Der hat alles angemacht, was Frau war“ – mich und meine Tanten. Ich wusste das nicht. Das war eine Nach-Information. ...
„Ich habe es meiner Mutter erzählt und kriegte eine geknallt“...
  • ...Ich habe es eigentlich meinem Bruder erzählt, und ich kriegte DAFÜR eine geknallt. ... Sie hat dann hinterfragt, und mir, aufgrund der Informationen, die ich ihr geben konnte, geglaubt. ... Das hat sie massiv geschockt, was verständlich war. Sie hat sich dennoch nicht getrennt von ihm. Aber sie hat für die Therapie gesorgt und für das häufige Außer-Haus-Übernachten. Sie hat mir aber nicht geglaubt, was ich ihr erzählte über seine Präsentation. ... Ich dachte, das ist ein Witz. ... Er hat es dann irgendwann wieder gemacht. ... Ich bin nach oben gegangen zu unserer Nachbarin, wo ich meine Mutter wusste. ... Sie sollte mal mit runter kommen. ...
„Dann ist sie ins Wohnzimmer und hat ihn da sitzen sehen“...
  • ...Die hat es kapiert, eigentümlicherweise. Da war ich total erstaunt über das, was in meiner Mutter war. Sie hat sich dann etwas später scheiden lassen. ... Aber da war das Schlimmste eh schon alles gelaufen.
„Sie hat mir da das Gefühl gegeben: Du bist da und du bist mir wichtig!“...
  • ...Sie sagte nie, ich liebe dich, aber ich sah das zumindest in diesem Moment. Sie tat es für mich und ein Stück auch für sich, was ich damals nicht gesehen hatte. Ich habe nur gesehen, sie schützt mich ... in meiner Identität, in meinem Sein. ... Ich weiß, dass mir das fast mehr gegeben hat als das ganze Gelaber mit der Psychologin.
„Er hat sie alle gequält“...
  • ...meine Mutter, mich, meine Brüder auch. Ich erinnere eine Situation – ich bekam [von der Mutter] einen Anschiss, weil ich zu gutgläubig sei. ... Irgendjemand erzählt mir was, ich glaubte das und erzählte das zu Hause, ... ich war absolut sicher. ... Und ich habe gestritten, weil ich mir das nicht nehmen lassen wollte, auch heute nicht. Er [der Vater] hat mich vorher nie geschlagen, sich auch nie in dieser Weise in die Erziehung überhaupt eingebracht. Er hat mich missachtet. Ich war für ihn nicht vorhanden. ... Er hat mir da SO eine geknallt, dass ich durch die Glastür im Wohnzimmer geflogen bin. Hat er bestimmt nicht gewollt. ... Ich bin durch die nicht mehr vorhandene Scheibe wieder zurück ins Wohnzimmer und habe mich vor ihm aufgebaut ... und habe mit den Fäusten auf ihn eingetrommelt. ...
„Ich mache mein Ding allein!“
  • Ich weiß nicht, wo das hergekommen ist. Ich weiß aber, dass ich in dem Moment meine ganze Familie verteidigt habe. Er stand vor mir, knallrot im Gesicht, und ... hat sich umgedreht und ist weggegangen. Und kurz darauf sind meiner Mutter die Augen aufgegangen und ihr Prozess ist in Gang gekommen. An dem Tag habe ich beschlossen: Ihr seid alle viel zu blöd für mich! Ich mache mein Ding allein! Das Ding ist sehr tief in mir drinnen. Das war, nachdem er sich versuchsweise an mir vergangen hat.
Schwieriges Erinnern
  • Mein Bruder und ich, wir haben beide das Problem, dass fast dreizehn Jahre unserer Kindheit weg sind. Er erinnert genauso wenig wie ich. Ich habe durch die ‚Arbeit mit dem inneren Kind’ damals mir alles wieder geholt, was sehr schmerzhaft gewesen ist. ... Diese Geschichte [die körperliche Auseinandersetzung mit dem Vater] weiß ich, die muss mir keiner erzählen, diese Erinnerung kann ich mir selber wieder holen. Manches andere wurde mir erzählt, oder es kommt durch das Re-Erinnern. ...
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Mukono - 2007/06/11 13:32

Iris

Beim Lesen des Gesprächs mit Iris wurde mir fast übel. Ich habe das Gefühl, die Frau lügt das Blaue vom Himmel herunter und glaubt es dann zum Teil selbst. Sie ist offenbar gestört in ihrer Sexualität, wahrscheinlich immer eine Spur zu laut, grins, ich kann ja so urteilen, weil es anonym ist. Der Radioreporter und auch den Zuhälter nehme ich ihr einfach nicht ab. Ein Mann hätte sich vor ihr erschreckt, weil sie ein Urweib sei oder so was. Ist sie dick? Lach...
Offenbar hängt sie sich an Cora, um von ihrem Erfolg zu profitieren.
Sie macht sich in vielem interessant, ist extrovertiert. Sie geht überhaupt nicht in den Swingerclub, um wirklich Sex zu haben, sie geht dahin, weil es irgendwie schick ist, denke ich. Außerdem ist es schön billig für eine Frau.
Interessanterweise schlafen die Männer nicht mit ihr, in die sie sich verliebt. Und „streicheln“ sie lediglich. Aus Mitleid?
Sie fährt zu einem zehntägigem Selbsterfahrungskurs und will nach drei Tagen abfahren. Was war da wirklich los? Konnte sie ihre gespielte Rolle von dem „Superweib“ nicht durchhalten? Wurde sie durchschaut?
Sie trägt in allem zu dick auf. Der Missbrauch durch ihren Vater ist vermutlich auch erfunden. Smile, die arme Cora sollte sich in ihre Gutmütigkeit nicht missbrauchen lassen von Iris, das ist eher mein Eindruck. Missbrauch gibt es auch unter Erwachsenen.
So jetzt gehe ich zu „sturznest“ und lese von Elke, die ist ne Nette...
Grins, sie geht aber nicht in einen Swingerclub, mit Sicherheit nicht.
Für die Neugierde war allerdings Iris sehr aufschlussreich.

Lieben Gruß

Mukono

Eugene Faust - 2007/06/11 14:22

Boah,

da muss ich jetzt erst einmal in mich gehen!

Vorab aber schon mal ein herzliches Danke dem unermüdlichen Tageskommentator!
Mukono - 2007/06/11 14:51

smile

ich äußere mich ja ganz subjektiv, klein und unerheblich ist meine Meinung. Außerdem sehe ich ja die Frauen nicht, vielleicht auch ein Vorteil?

;-)
Eugene Faust - 2007/06/11 15:07

Daran merke ich wieder einmal deutlich,

dass qualitative Auswertung eigentlich ein ganzen Auswertungsteam bräuchte. Ich muss gestehen, dass mir bei einem formalen Treffen im Club Iris damals wesentlich angenehmer als Cora war. Beim Gespräch hingegen war Cora sehr angenehm und ausgeglichen, während Iris mit ihrem starken Selbstdarstellungsbedürfnis direkt eine Herausforderung war. So viel schon mal...

Fortsetzung folgt!
Eugene Faust - 2007/06/12 20:58

Fortsetzung

Ich antworte mal etwas indirekt. Da ich ein Mensch bin, der alles ziemlich automatisch und stark hinsichtlich Wahrheitsgehalt und verborgener Motive durchscannt, musste ich vor der Durchführung eine Haltung finden und fast eine Grundsatzentscheidung treffen, damit ich mich im Zuhören nicht unnötig blockiere. Es ging ja nicht darum, die Frauen zu entlarven, zumal ich da eh nur hätte stümpern können. Wir alle konstruieren und basteln ja mehr oder weniger laufend erzählend unsere Geschichte. (Darauf gehe ich hier und hier noch ein)

Iris war im Gespräch schon ziemlich anstrengend weil sie 1000 Themen angeschnitten hat, aber auch sehr herzlich. Die Verdichtung wurde von mir strukturiert und gibt daher nur einen Ausschnitt wieder. In sexueller Hinsicht schien sie mir aber recht ehrlich und ihre Männergeschichten fand ich auch glaubwürdig. Am meisten machten mir ihre verschwurbelten Philosophien und esoterischen Überzeugungen zu schaffen.

Zu der Missbrauchsgeschichte, die sie selbst übrigens nicht so bezeichnete, habe ich auch ein ganz komisches Gefühl, dabei aber eher den Eindruck, dass sie das Ganze herunterspielt.

Gleichspäter oder morgen geht's weiter...
Eugene Faust - 2007/06/13 12:38

Da Iris v.a. ihren nicht gerade weit zurückliegenden Einstieg in diese neue Welt schilderte, ist das Streicheln etwas hervorgehoben. Sie wollte anfänglich bewusst noch nicht mehr und ist auch ziemlich wählerisch. (Bei meiner Stippvisite aber war sie, bzw. der Auserwählte z.B. ziemlich lautstark zugange oben, während Cora an der Bar unten zunehmend schlechte Laune bekam...)

Um es kurz zu machen: Ich habe meine Postskriptum-Zettel, die ich jeweils nach den Gesprächen mit meinen Eindrücken vollkritzelte, gesucht und sie leider nirgends mehr gefunden. Ich weiß aber noch ganz genau, dass sich Cora m.E. mindestens so viel vorgemacht hat wie Iris. Cora mehr hinsichtlich ihres Gönnen-Könnens und Iris vielleicht hinsichtlich ihrer Wichtigkeit für andere, was in der Verdichtung sicherlich nicht rüberkommt. Es ging bei der Arbeit ja auch nicht um Einzelanalysen und genaue Persönlichkeitsprofile. Das hätte ich in dem Rahmen gar nicht leisten können.

Aber interessant wäre die Resonanz unterschiedlicher Beurteiler mit verschiedenen Blickwinkeln auf Tonband- besser natürlich Videoaufnahmen für eine Analyse sicherlich gewesen.

So, und jetzt sind sie mal nicht so hart zu der Iris. Ich hab mich bei "Ihrer Cora" ja auch um einen milden Blick bemüht. ;-)
Mukono - 2007/06/13 17:51

smile

ja doch, ja doch. Sie werden ihr meine Einschätzung nicht etwa zu lesen geben, grins. Also summa summarum, auch die Singlefrauen in Swingerclubs sind irgendwie traurige Gestalten, ob sie nun Iris oder Cora heißen, das ist aber nun eine ganz subjektive Einstellung von mir. ich meine aber nur, wenn eine Frau wirklich attraktiv aussieht, könnte sie doch als Freizeithure, welche sich ihre Freier aussucht eine Menge Geld verdienen und ihren Spaß dabei haben, wenn sie tatsächlich polygam veranlagt ist... ich bin ja schon still. Heute hatte ich so viel Behördenkram um die Ohren, dass ich morgen mit meinen Tageskommentaren weiter mache. Ich bin ein bissel traurig, dass ich nicht ansteckend wirke, viele Meinungen zu dem Thema wären natürlich interessanter.

lieben Gruß

Mukono
Eugene Faust - 2007/06/13 18:46

Meinungsvielfalt

Es ist halt schon eine Menge zum Lesen, wenn einen das Thema nicht wirklich interessiert. Einige Besucher, v.a. von Direktlinks zu mir, lesen zwar recht eifrig, sagen aber nichts.

Apropos Freizeithure:
Wenn ich nach meinen Referrern gehe, hätten Omas, v.a. perverse Omas die größten Chancen als Freizeithuren. Aber Rentner haben ja keine Zeit ;-)

Vielleicht ändert sich ihr Bild der traurigen Solofrau im Swingerclub etwas, wenn Sie den anschließenden Auswertungsteil lesen, in dem ja auch die anderen Frauen zu Wort kommen.

Ich wünsche Ihnen, dass wieder Ruhe im Sekretariat Mukono einkehrt. Nehmen Sie sich Zeit. LG von Eugene
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