17
Sep
2006

Meine sechste Gesprächspartnerin Regina

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Regina vor, die ich so gefunden habe.

Das sechste Gespräch führte ich mit Regina, einer temperamentvollen und sinnlichen, aber auch sehr feinsinnigen und nachdenklichen freiberuflichen Textildesignerin Ende dreißig. Eine Kommilitonin hat freundlicherweise den Kontakt zwischen uns hergestellt. Regina lebt seit vielen Jahren in einer festen Partnerschaft mit einem wesentlich älteren Mann. Seit sie vor einigen Jahren nach Hamburg gezogen sind, leben sie auch zusammen. In dieser nicht immer ganz einfachen Liebesbeziehung gibt es mehr Höhen als Tiefen. Trotzdem spielt Regina seit Monaten mit dem Gedanken, einmal allein einen Swingerclub aufzusuchen. Würde ihr Terminkalender nicht so überquellen, hätte sie ihr Vorhaben vielleicht schon in die Tat umgesetzt. Vorher haben jedoch andere Freizeitbeschäftigungen und vor allem ihre Partnerschaft Vorrang. Wenn es ihre Zeit erlaubt, spielt sie unregelmäßig Tennis und besucht Konzerte. Im Urlaub kümmert sie sich regelmäßig um ihr persönliches Wachstum und besucht entsprechende Seminare. Sie betrachtete das Gespräch auch als Möglichkeit zur Klärung ihrer Bedürfnisse und zur Entlarvung ihrer Vorbehalte. Unsere Begrüßung war freundlich zurückhaltend und von einer vorsichtigen Neugier aufeinander geprägt. Das Eis war aber schnell gebrochen, und es entwickelte sich ein sehr offenes Gespräch, für das auch Regina im Anschluss ganz dankbar war.


Das verdichtete Gespräch mit Regina


Kurze Vorgeschichte

Vor etwa zwei Jahren befasst sich Regina zunehmend mit dem Gedanken, sich von ihrem Lebensgefährten sexuell abzunabeln und eigene Wege zu gehen. Sie will nicht mehr unter seinem Desinteresse an der gemeinsamen körperlichen Liebe leiden und auch nicht mehr sehnsüchtig darauf hoffen, dass das Sexualleben mit ihm wieder aufleben wird.

„Das ist eine relativ lange, unklare Geschichte“...
  • ...Ich habe mich einfach ziemlich viel immer schon mit Sexualität auseinander gesetzt und habe dann auch dadurch, dass das in meiner Beziehung eine ganze Zeit lang auf Eis gelegt war, wir nicht so recht weiter kamen miteinander – Liebe groß, aber die Sexualität wurde immer stiller – da haben wir zusammen dann auch nach neuen Möglichkeiten gesucht. ...
„Ich möchte mal unbelastet und fremd los gehen“
  • Ich hatte auch eine Phase, da hatte ich das Gefühl, ich will jetzt auch allein los! Will mich da mal freimachen im Kopf. Ich möchte mal unbelastet und fremd losgehen, ohne Beziehungen anfangen zu müssen, engere Beziehungen, wo man dann nur durcheinander gerät und seine eigene Beziehung und Liebe infrage stellen muss. ...
Der Gedanke an einen Swingerclub taucht auf
  • Geschreckt hat mich so ’n Gedanke schon länger nicht. Ich habe ja einige Jahre auch tantrische Selbsterfahrung gemacht. Und der Gedanke, irgendwo hinzugehen und zuzugucken, wenn andere Leute Sex haben, schreckt mich nicht mehr, ist auch gewachsen im Laufe der Zeit. ... Aber Ähnlichkeit zum Swingerclub ist da [in einer Tantra-Gruppe] keine. Das ist ein ganz anderes Niveau. ...

Biografisches


Tabuthema Sex – Schlüsselerlebnis – Tantra-Seminare
Aufgewachsen in einem Haus, in dem Sexualität nie Thema sein darf, und „weggeschwiegen“ wird, sieht Regina ihre Eltern nicht einmal beim Küssen. Seit ihrer Pubertät ist sie aber sehr an Sexualität interessiert, auch recht kontaktfreudig und aufgeschlossen. Mit sechzehn wird sie von ihrem damaligen Freund entjungfert. Sie bleiben längere Zeit zusammen. Sex bildet jedoch nicht den Schwerpunkt; er ist eher unbefriedigend. Anfang zwanzig sieht sie sich in Gesellschaft zum Teil fremder und älterer Menschen ein Video mit authentischen Sexszenen und echten Orgasmen an und stellt fest, dass sie innerlich verkrampft und stocksteif wird, obwohl dort aus ihrer heutigen Sicht nichts Abwegiges zu sehen ist. Das animiert Regina dazu, ihre Hemmungen aufzuspüren. Sie besucht seither regelmäßig Seminare in den Bereichen Selbsterfahrung und Tantra.
  • Das hat mich einfach magisch angezogen. ... Ich musste da hin! Intuitiv wusste ich, dass da für mich ein ganz wesentlicher Aspekt, ja Lebensqualität dahinter steht – Sexualität zu leben, und natürlich zu leben, und mich darüber kennen zu lernen, über diese ganze Energie, diese urige Kraft, die da in einem steckt und schlummert. Die darf nicht so versteckt sein. ... Das war mir damals noch gar nicht so bewusst. Es war nur so ein Sog. ... Da war ich noch nicht mit meinem jetzigen Partner zusammen. Da war ich solo. ... Da ist mir aufgefallen, was ich da für einen Knoten sitzen hatte. ... Das hat sich dann gegeben und normalisiert und ist lebendig geworden in mir. ...
„Mit der sexuellen Energie gearbeitet und Blockaden abgebaut“
  • Auch wenn da kein Sex gemacht wurde in diesen Gruppen, hat man ja mit der sexuellen Energie gearbeitet und Blockaden abgebaut. Man wird mit seinen Urteilen und Vorurteilen und seinen Ängsten konfrontiert, weil die sich ja auch im Körper manifestieren. Bei den Übungen kommt das dann raus, lässt sich nicht verhindern – wie in einer Liebesbeziehung, dass man da auch auf verschiedene Ebenen gelangt miteinander, verschiedene Tiefen und Grade von Vertrautheit erreicht. ...
Der „Hunger nach Erfüllung“ als Entwicklungsantrieb
  • Ich habe vorher auch schon wechselnde Partner gehabt, aber auch immer schon den Hunger nach Erfüllung. ... Das sind natürlich Aspekte, die mich weiter gebracht haben, wo ich Neues gelernt habe, wo ich auch Grenzen gezogen habe und selbstbewusster geworden bin – überhaupt erst mal zu erfahren, was eigentlich möglich ist, Stück für Stück und immer mehr. Das ist so ein Wachsen – mal eine neue Erfahrung zu machen: Mensch, das geht auch? Wenn ich das gewusst hätte! Das war teilweise durch Partner oder diese Übungen, die ich da machte. ...
Der Callboy
Regina macht schon in jungen Jahren Erfahrungen mit einem Callboy.
  • Ich war damals erlebnishungrig und einsam, ... nicht permanent einsam, aber ich hatte Phasen, wo ich mich einsam gefühlt habe. ... Ich habe damals nicht lange ohne Partner sein können. ... Und da hab’ ich mal drüber nachgedacht, weil meine Freundin das [einen Callboy engagiert] ganz locker mal gemacht hat. Da bin ich überhaupt so auf die Idee gekommen, dass das gar nicht so abwegig ist. ... Dazu kam dann, dass ich – bei einem meiner Streifzüge im Milieu halt – jemanden kennen gelernt habe, der lange Zeit Callboy war. ... Bei uns hat das auch SO angefangen. ... Danach ging das dann aber eher NICHT um Bezahlung, weil da eine Liaison draus geworden ist. ... Aber am Anfang habe ich ihn gerufen und bezahlt. ... Ich fand das ganz cool (lacht). ... Ich fand das super entspannend, weil so ’n Leistungsdruck meinerseits einfach wegblieb, weil mir ganz klar war: Ich bezahl’ dafür, dass DER macht und nicht ICH mach! Das war irgendwie ganz entspannend. ... Ich wollte nicht vollständig passiv bleiben, aber ich hatte vorher einige Zeit damit zugebracht, mich darüber zu definieren, es meinem Partner gut zu besorgen (lacht). ... Aber dadurch, dass das nachher eine Liaison wurde, hat sich das dann aber doch wieder umgekehrt – fatalerweise. Ich war nachher wieder in der Situation, dass ICH leisten musste. Es wurde auch tatsächlich verbal der Anspruch an mich gestellt. ... Er hatte ein Problem damit, zum Höhepunkt zu kommen. ... Das war dann echt Ackerei! Und da bin ich wieder in die Rolle geschlüpft, aus der ich raus wollte, und weswegen ich ihn eigentlich gerufen hatte. ...

PARTNERSCHAFT: Liebe und Sexualität – Krise und Perspektive

Die Liebe trägt noch nicht
Danach lernt Regina ihren jetzigen Partner kennen, doch bald nach der ersten Verliebtheit kommt es zur Trennung.
  • Er hatte jemanden kennen gelernt – das ziemliche Gegenteil von mir damals – eine ganz taffe Karrierefrau. Und ich war damals noch ein sehr verträumtes junges Mädchen, kreativ, friedlich und auch nicht so wirklich selbstbewusst, immer am zweifeln. Da hat er, bei aller Liebe, sich nicht so recht entscheiden können, auch nicht so recht für die Beziehung; hat sich immer so emotional raus gehalten. Und ich habe das auch geschehen lassen, habe mich nicht gewehrt, ihn nicht herausfordern können. Da war ich zu jung zu. ...
„Das war das Allerschlimmste, was passieren konnte für mich, ’ne Trennung“...
  • ...Da konnte nicht mehr viel passieren, eigentlich. Und da ist schon mal so richtig was aufgegangen in mir. Dass der Schmerz eigentlich ganz viel geöffnet hat – Mut, zu sich selber zu stehen, sich einzulassen. Das war ’ne irre gute Zeit, heftig, aber irre gut. Und in dem Jahr habe ich auch ganz viel über mich gelernt. Ich war kein Kind von Traurigkeit – wir waren über ein Jahr getrennt – aber ich war auch nicht frei für diese neuen Partner. ... Da waren tolle Männer dabei, und das sage ich nach wie vor. Ich hatte drei Männer in der Zeit als Gefährten, die wären alle mögliche Partner, hatten schon eine hohe Qualität, muss ich sagen. Aber ich war nicht frei, nicht wirklich frei. ...
Der zweite Anlauf „auf einer neuen Ebene“
Nach der einjährigen Trennung kommt es zu einer Wiederannäherung.
  • Da ist das dann zerbrochen mit der neuen Frau. ... Ich bin dann wieder mit meinem Freund zusammen gekommen, auf einer neuen Ebene, ein ganzes Stück weiter. Daran sind wir erst gewachsen, das gab einen richtigen Schwung. ... Wir haben von da an kein Blatt mehr vor den Mund genommen, so weit wir es konnten. Wir hatten viel Reibungspotential. Das haben wir auch gelebt. Wir haben uns auch gesund gestritten und sind für uns eingestanden. Das war vorher nicht. Das war natürlich ein Riesenschritt – aufeinander zu.
„Dann haben wir uns auch wirklich emotional aufeinander eingelassen“...
  • ...Da haben wir in den ersten Jahren auch ganz viel Heile-Heile-Segen gemacht. Bei allem Reiben und Streiten und Ausloten und Gucken haben wir – als wären wir jahrelang ausgehungert gewesen, in der Wüste unterwegs – haben wir einen Frieden entwickelt. Da ging es zwar auch um Sexualität, haben sie auch gelebt, aber das Wichtigste war da: Herz! Und das hat sich immer mehr entwickelt. Es gab Zeiten, da hatten wir ewig lange überhaupt gar keinen Sex, aber ganz viel Intimität. Es war eigentlich schön. Da hat uns eigentlich auch nichts gefehlt, also nicht wirklich, nicht bewusst. Und dann fing das aber an, irgendwann zu fehlen. Da wurde es dann so, dass man sich wieder ein bisschen mehr nach außen orientierte, und dann kamen andere Kontakte und das Infragestellen.
„Je mehr die Liebe wuchs, desto schwieriger wurde es“
  • Die Sexualität war immer ein bisschen schwieriger zwischen uns. In der Anfangsphase hatten wir Zeiten, wo es toll war. Aber je mehr die Liebe wuchs, desto schwieriger wurde es – interessanterweise. Wir haben jetzt auch schon sehr lange dran gearbeitet und haben inzwischen auch zusammen tantrische Seminare besucht, aber da noch keine richtigen Lösungen gefunden. ...
„Für manchen Mann ist es schwer, in der Frau, die sie lieben, die Hure zu sehen“
  • Da gehört scheinbar doch recht viel Mut dazu, in einer Liebesbeziehung, wenn man sich SEHR liebt, auch die andere Seite zuzutrauen. Ich glaube auch, für manchen Mann ist es sehr schwer, in der Frau, die sie lieben, die Hure zu sehen. Den Schritt haben wir in der Beziehung ganz, ganz schwer hinbekommen. Die Hure ist ein wesentlicher Bestandteil der Sexualität für mich. Ich würde sie nicht missen wollen. Immer nur heilig – ist nur halb. (lacht) ...
„Sexualität ... die letzte Bastion, wo man alles gibt“
  • In einer Beziehung mit so viel Herzensnähe habe ich das Gefühl, die Sexualität ist so die letzte Bastion, wo man alles gibt. Das nehme ich im Moment wahr. Das ist eigentlich der intimste Akt. Wir haben häufig gelacht und haben gesagt: „Wir sind uns schon so nahe – da schlafen wahrscheinlich manche Paare nächtelang miteinander, um diesen Zustand zu erreichen!“ Bei uns ist es eben anders herum – faszinierend eigentlich. ...
„Mit dem Schwert durch diesen gordischen Knoten“
Nach vielen zeitweilig frustrierenden Versuchen, die gemeinsame Sexualität zu beleben, will sich Regina nun endlich wieder von einem Mann begehrt fühlen, raus aus dieser lähmenden Hoffnungslosigkeit. Sie riskiert viel, als sie sich im vergangenen Jahr auf ein heftiges erotisches Liebesabenteuer einlässt. Zuerst verheimlicht sie ihren Lösungsversuch, konfrontiert ihren Partner dann aber doch, denn ihr Herz wurde mehr als beabsichtigt berührt.
  • Wir haben uns damit auseinandergesetzt, weil wir diese Schwierigkeiten haben, und weil uns was fehlte, was aber mit der Liebe nichts zu tun hatte. Und wir MUSSTEN uns damit heftig auseinandersetzen. Es ist überhaupt nicht leicht, einen Partner gehen zu lassen, den man liebt. ... Die Liebe war ja nicht kleiner. Aber ich hatte das Gefühl, wir müssen mit dem Schwert durch diesen gordischen Knoten. Ich hatte richtig den Wunsch nachher, dass auch ER woanders hingeht. ... Ich wollt ’s dann einfach auch wissen! Ich hab’s mir einfach gewünscht, dass sich das klärt. Und ich hab’ mir auch für mich gewünscht, dass ich rausgehe. Und mit diesem Wunsch fing es [die Idee mit dem Swingerclub] eigentlich auch erst an. ...
„Die Beziehung beibehalten ... aber ... Sexualität nicht domestizieren“
  • Für mich war aber klar, dass ich die Beziehung beibehalten will. ... Wir sind da weiterhin in Auseinandersetzung. Es fällt uns nicht leicht, ihm schon gar nicht. Aber ich habe ganz klar für mich entschieden, dass ich meine Sexualität nicht domestizieren will. Ich bin nicht auf der Suche nach permanenten Kontakten zu anderen. Ich merke auch, dass ich sehr, sehr wählerisch geworden bin, extrem wählerisch. Ich habe keine Lust, wild in der Gegend herum zu vögeln. Das tut mir nicht gut! Ich habe es letztes Jahr das eine oder andere Mal zugelassen. ... Aber ich merke, dass ich einfach empfindlich geworden bin, was die Leute „mir ins Haus tragen“. Ich gucke sehr genau! Aber der Wunsch, es nicht abhängig zu machen von einem Partner, wo vielleicht auch Schwierigkeiten sind, die wir vielleicht nicht lösen können – für immer meine Sexualität von EINEM Menschen abhängig zu machen, bin ich nicht mehr bereit. ...
Mehr als ein Abenteuer
  • Abenteuer haben wir aber beide gehabt. Ich habe aber einen sehr hohen Öffnungsgrad [in dieser Affäre] gehabt, gerade im sexuellen Bereich, und das geht dann immer gleich in eine ganz andere Intensität rein. Zu der Verliebtheit explodierte die ganze Sexualität, die so aufgestaut war, richtig in mir.
„Das hat natürlich zu einer schweren Beziehungskrise geführt“...
  • ...ganz klar, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass ich meinen Partner nicht verlassen will. Aber es gab auch Zeiten, wo es sehr auf der Kippe stand. Ich bin im Nachhinein für diese Begegnung sehr dankbar, weil die mich wachgerüttelt hat und mir klar gemacht hat, dass die Liebe zu meinem Partner bleibt. Dass die einfach ein Niveau erreicht hat, wo ich sie eh nicht mehr verneinen kann, und so viel anderes stimmt, und dass es da eine andere Lösung geben muss, als die Beziehung gegen die Wand zu fahren und zu beenden. Und daraus ist der Gedanke entstanden, es anders zu leben – entweder gemeinsam oder mal allein los zu gehen und irgendwas zu machen, dass da Lebendigkeit einziehen kann. ...
Gedankenspiele um libertäre Beziehungsformen
  • Es geht ja immer nur, wenn beide es können. ... Wir haben darüber offen gesprochen, ... wie es wäre, zu dritt zu leben. Da habe ich in dieser Phase auch gemerkt, wenn man mit einem weiteren Menschen wirklich stark emotional engagiert ist, das müssen alle drei können, sonst geht gar nichts. Es fliegt einem sonst um die Ohren. Je intensiver die Emotionalität, desto klarer muss man miteinander sein. Alle müssen aufeinander zugehen können – also, schon ein ganz schönes Kaliber des Miteinanderseins. So schön es sein mag, aber schwer lebbar. Es ist nicht außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Wenn ich darüber nachdenke, mit zwei Männern zu leben, muss ich auch logischerweise darüber nachdenken, wie es wäre, wenn mein Partner mit zwei Frauen leben würde. (lacht) Da wüsste ich auch, es wäre SUPER wichtig, dass da gegenseitige Achtung und Wertschätzung und Zuneigung ist, sonst geht gar nichts. Aber es wäre auch nicht gänzlich außerhalb meiner Vorstellung. Das Leben ist bunter, als man so gelernt hat. Und ausprobieren kann man es ja. Und wenn es dann nicht geht – also ich bin jetzt nicht so ’n krankhafter Ausprobierer – aber wenn das Leben solche Schritte wählen sollte, muss man ja sehen, wie man damit klar kommt. ...
„Diese Beziehung zu führen ist eine Entscheidung“
  • Ich glaube manchmal nicht, dass das viele können. Man muss sich ja sehr klar sein, was man will, und eine Beziehung ist eine Entscheidung für mich. Die Liebe ist da, mit oder ohne Beziehung, ob getrennt oder nicht, die wird einfach bleiben, die ist einfach gewachsen. Aber diese Beziehung zu führen, ist eine Entscheidung. Und wenn ich einem anderen begegne, wo die Möglichkeit auf Liebe besteht – man kann Liebe ja auch teilen, wird ja nicht kleiner – aber wenn der andere immer [etwas Sicheres] haben will, und die ganzen Ängste einsetzen, dann verdreht und vermurkselt sich das ganze Ding. Wenn da keine Klarheit in der Entscheidung und der Richtung herrscht, dann darf man sich auf bestimmte Dinge nicht einlassen. ... Wenn ich jemandem ein Gegenüber bin, der sein Herz und seinen Körper für mich öffnet, und wir uns begegnen können und in Frieden auseinander gehen können – ich kann mir das vorstellen – das muss dann nur noch der eigene Lebensgefährte auch abkönnen. Und der wird es mitkriegen, und ich anders herum auch. Da wird’s schwierig. ...
Absprachen und Verbindlichkeit
  • Mein Partner möchte es [Außenbeziehungen etc.] gern wissen. Das sind Absprachen. Da erhebe ich auch selber den Anspruch drauf. Muss man sehen, wie man was am besten handeln [engl.] kann. Also, wenn ich jetzt in einen Swingerclub gehe, würde ich es meinem Partner sagen. ... An und für sich vorher, weil er sich das wünscht. Aber ich habe so ’n bisschen die Ambition, das eigentlich lieber nachher zu machen. Im Grunde ist es völlig egal, weil ich inzwischen weiß, dass er das mitkriegt. Ich komm’ da nicht drum rum. Das ist einfach so, wenn man sich so lange kennt. Dumm gelaufen! Da ist nichts mehr mit heimlich Losziehen. (lacht) ...
Heimlichkeiten und das Gefühl von Freiheit
  • Hinterher erst was sagen, fühlt sich mehr an wie den Abend frei haben von Verpflichtungen und Verbindlichkeiten und so. ... Es ist so ’n bisschen so ’ne Schabernack-Nische. Man hat ja immer gern etwas, was man heimlich täte – ich jedenfalls, Kleinigkeiten für mich behalten. ... DA [hinsichtlich sexueller Alleingänge“] hätte ich es dann manchmal gern. Da trage ich aber der Realität Rechnung und mache es anders, als ich es vielleicht gern hätte. ...

SWINGERCLUB: Gedankenspiele – Herantasten – Antesten


„Mal gucken, ob das was ist“
  • In der Zeit, als es auf dem Sektor so trocken wurde, habe ich auch öfter noch mal wieder über einen Callboy nachgedacht. Eine Freundin, die in derselben Situation war wie ich, hat das dann auch einfach getan – teure Callboys und Verschiedenes ausprobiert. ... Der Gedanke an einen Swingerclub war da erst mal ein weitaus größerer Schritt, ... weil das mit so VIELEN Leuten ist. Bei einem Callboy, der zu mir kommt, sich in MEINEM Feld bewegt, hätte ich auch das Gefühl, mehr Kontrolle zu haben. Das war mir eben von den früheren Kontakten auch vertraut, ... vorausgesetzt natürlich, dass man ihn kennt oder empfohlen bekommt. Sonst ist das echt gefährlich – und auch wegen der Attraktivität. ... Wenn ich den nur auf zehn Meter Entfernung ertragen könnte, ... das geht ja gar nicht! Also am besten vorher angucken. ... Aber der Wunsch war da, so was [einen Swingerclub] auszuprobieren. Mal gucken, ob das was ist. Ich habe es ja noch nicht gemacht. Ich habe ja nur mit dem Gedanken gespielt; im letzten Jahr auch noch viel intensiver, als ich anfing mit Susanne, deiner Kommilitonin, drüber zu sprechen.
„Im Moment bin ich eher wieder so ’n bisschen davon weggekommen“...
  • ...weil ich so einen großen Wunsch nach exklusiver Intimität habe. Aber der Wunsch, es weniger exklusiv zu haben, war sehr stark letztes Jahr – sehr, sehr stark, weil sich da auch wirklich ’was bahnbrach bei mir. ... Im Moment bin ich auch deshalb nicht so heiß auf Swingerclub, weil ich mich beruflich auf extrem unvertrautem Gelände bewege. .... Darum schiebe ich das im Moment so ’n bisschen. ... Ein neuer Kundenauftrag absorbiert gerade tatsächlich auch große Teile meiner Sexualität. ...
„Sex ohne Verpflichtung – kann schon schön sein“
  • Die Möglichkeit, es in so einem Club zu tun, wo man darf, aber nicht muss, und gucken kann, auch aussuchen – und vor allen Dingen weiß, dass da auch gleichgesinnte Leute sind – man da nicht auf so einer hirnlosen Suche ist, nur weil die Hormone gerade mal wieder verrückt spielen, sondern man da Leute hat, wo man sagen kann: „Okay, wir machen hier jetzt mal was!“ – und dann geht man wieder. Das ist ja eher selten, dass man so einen Sexualkontakt auf freier Wildbahn findet. Sex ohne Verpflichtung – kann schon schön sein. ...
Informationsquellen
Regina kundschaftet Adressen aus, unterhält sich mit erfahrenen Leuten, liest Artikel und sieht sich Fernsehsendungen über Swingerclubs an.
  • Von daher sind da schon reale Bilder entstanden. Ich bin auch zu so Treffpunkten gegangen – allerdings mit meinem Lebensgefährten zusammen – eigentlich gar kein richtiger Swingerclub, eher wie so ’ne Kneipe, wo man das [Sex mit anderen Gästen] aber auch machen kann. ...
Lokalitäten zum Schnuppern
  • Wenn man das weiß, und wenn man sich genauer umguckt, sieht man irgendwo zum Beispiel die Kreuze an der Wand, wo auch Handschellen befestigt sind, wo man dann seine SM-Spielchen machen kann, wenn man es mag. Sonst ist das eine ganz normale Kneipe, ... aber solche Szenen sind da ganz öffentlich. Ich habe schon eher die Hoffnung, dass das im Swingerclub etwas anders laufen kann und läuft, und dass man doch die Möglichkeit hat, etwas separierter zu sein, wenn man möchte. Das ist aber nur meine Vorstellung. ... Es gibt da schon die Idee, zusammen einen Club zu besuchen. Wir haben auch schon öfter darüber gesprochen, sind aber über diese Begegnungskneipe nicht hinausgekommen – bisher. ...
Schnuppern mit einer Freundin
Mit einer Freundin geht Regina in zwei weitere Lokale dieser Art. Das eine ist etwas fragwürdig, zu dem anderen will sie auf jeden Fall noch mal alleine hingehen...
  • ...weil ich da kein ungutes Gefühl hatte. Ich hatte das Gefühl, das könnte ich machen, ohne irgendwie belästigt zu werden. ... Bei dem einen habe ich ein Fragezeichen, was Belästigung angeht. ... Die Hälfte des Publikums war eher so Richtung Spanner, die sich aber nicht selber trauen. ... Aber das animiert mich nicht, da selber was zu machen, weil ich da auch immer so eine gewisse Geringschätzung spüre. Die scheinen mir nicht so im Reinen mit sich und ihrer Sexualität, deswegen gucken sie lieber zu, als sich einzubringen. Da ist eine Spannung im Raum, die ich nicht mag. Ich war da drei, vier Stunden mit einer Freundin. ... Da ergab sich dann zwischen einem Paar ’was, die haben dann so in die Sadomaso-Richtung ’was gemacht – war aber alles überhaupt nicht mein Fall. Da bin ich nach meinem Cocktail entspannt wieder gegangen. Mehr war es nicht. ...

SWINGERCLUB: Erwartungen – Vorstellungen – Befürchtungen – Ambivalenzen


„In so ’nem relativ geschützten Rahmen“
  • Meine Erwartungen, meine Fantasien – ganz frei und unbelastet von dem, was ich schon weiß – wären, dass ich da [in einem Swingerclub] Ruhe und Muße habe, zu gucken, ob ich da jemand attraktiv finde, den ich auch an mich ranlassen würde. Und dann mal zu schauen, wie weit würde ich mit dem eigentlich gehen wollen. Und das eben in so ’nem relativ geschützten Rahmen.
„Eine sinnliche, schöne Atmosphäre“
  • Ich stelle mir da eigentlich eine sinnliche, schöne Atmosphäre vor. Schöne Räume eigentlich, was natürlich sehr relativ ist. Vielleicht kommt’s auch darauf nicht so an. Mir ist wichtig, dass so ein Club auch gepflegt ist. Ich bin niemand, der so Fetischismen für Schmuddelecken hat. (lacht) ...
„Erst mal irgendwo sitzen und warm werden“
  • Dass man vielleicht auch die Möglichkeit hat, so wie es eigentlich auch in diesen Kneipen war – interessanterweise – dass man erst mal irgendwo sitzen und ein bisschen warm werden kann – atmosphärisch – was trinken und schauen, ob sich da was ergibt oder nicht. Und wenn nicht, dann geht man halt wieder.
„Ich habe zwei Ideen: Eine positive und eine negative“...
  • ...Die Positive gefällt mir ganz gut: Ich treffe da auf einen, den ich attraktiv finde, der mich auch attraktiv findet. Ich stelle mir einen schönen, sinnlichen Abend vor – ruhig auch sexuell, wobei ich eine Vereinigung nicht wollte – aber erotisch, sinnlich, sich begegnend, auch gerne mit Körperkontakt und allem, aber nicht bis zum Geschlechtsakt! ... Die andere [Idee] ist, dass ich einfach niemand finde, den ich attraktiv finde, und dass mich das Ganze eher ein bisschen abstößt. ... Aus diesem Grund bin ich wohl bisher auch nicht dahin gegangen.
„Die sollen mir nicht zu sehr nahe kommen, bitte“
  • Ich habe das schon in der einen Kneipe gemerkt, dass ich da manche Arten von Sexualität – ich bewerte die nicht, aber ich möchte die nicht nahe an mir dran haben. Also ich finde es in Ordnung, wenn jemand Lust hat, SM-Spiele zu machen oder zuzugucken, aber ich möchte mich da selber nicht offenbaren, selber keine Grenzen überschreiten, in der Konstellation. Dann möchte ich meinen sicheren Platz haben, von dem aus ich gucken kann. Aber die sollen mir nicht zu sehr nahe kommen, bitte!
„Nur mit Niveau und Wertschätzung“
  • Da [im Club] sind sicherlich auch Leute, die gern gucken und die das animiert. Das kommt da auch auf das Niveau an – das klingt jetzt vielleicht ein bisschen arrogant – wo ich mich dann auch wohl fühle. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich es sehr attraktiv finden würde, wenn mir Leute zugucken, wenn ich was mache – aber nur mit Niveau und Wertschätzung! Wenn mir Leute zugucken und das, was sie sehen, nicht wertschätzen und das dann wiederum erregend finden, würde ich mich ungern zur Verfügung stellen. ...
Lustvoll oder erniedrigend?
  • Das ist ja ein Teil der Schwierigkeit, warum ich mich da ungern hinbewege; weil ich ziemlich fühlig bin für das, was um mich herum geschieht, auch für Atmosphären und so was. Und Sexualität ist etwas für mich, das ganz viel mit Freude zusammenhängt. Wenn Schmerz, dann vielleicht ein lustvoller Schmerz – mit Missachtung oder so, in der Sexualität, da bin ich sehr vorsichtig. Das ist nicht meine Welt. ... Aber wenn die Atmosphäre in Ordnung ist und jemand da zugucken will, ist das wohl möglich.
„Dass da für viele Spielarten Raum ist“...
  • ...Das ist so meine Idee, und dass man dann gucken kann, was man möchte. Möchte man sich separieren, oder möchte man gerne ein bisschen öffentlich, oder möchte man vielleicht sogar, dass noch jemand dazu kommt? ... Immer unter der Prämisse, dass ich die Leute selber attraktiv finde. Wahllosigkeit ist nicht so mein Ding. Wenn dann jeder dazu kommt und man nicht mehr die Wahl hätte, fände ich das gar nicht attraktiv. Ich würde mir das SEHR genau angucken. Wenn ich in so einen Club gehe, würde ich, glaube ich, ein- bis zweimal hingehen, ohne aktiv zu werden. ...
Befürchtung „Ich müsste dann da auch zur Sache kommen“
  • Ich habe immer noch die Vorstellung, ich müsste dann da auch zur Sache kommen, wenn ich da bin. Und da bin ich noch am Schwanken. ... So ein Club ist ja schon ein bisschen verbindlicher – in meiner Vorstellung zumindest. Nicht so, dass man da wie in einer Kneipe – ganz easy – ... ich glaube, dass ich mich da vielleicht sogar etwas unter Druck setzen würde, dass ich es dann auch nutze. ... Irgendwo schlummert dieser Gedanke noch, obwohl ich weiß, dass ich es [zur Sache kommen] nicht tun würde, wenn ich keine Lust hätte, und inzwischen aus Erfahrung weiß, dass ich da auch straight bin, weiß, wo meine Grenzen sind. ...
Weitere Befürchtungen
  • Beim Allein-Hingehen sind andere Befürchtungen als beim Zu-Zweit-Hingehen. Beim Allein-Hingehen ist es eher, dass manche, die dahin gehen, sich nicht im Griff haben und die Sachen nicht im Club lassen, darüber reden, einem außerhalb des Clubs nachstellen oder nicht koscher und achtsam sind mit anderen Leuten. Vor Gewalt habe ich eher keine Angst, ich glaube, da gibt es einen ziemlich klaren Kodex in solchen Clubs, sonst könnten die nicht existieren. Ich hätte ein bisschen Sorgen bei extremem Männerüberschuss, weil da manchmal dann die Stimmung so komisch wird. Habe das schon unter fremden Leuten erlebt. ... Oder dass der eine oder andere nicht so wirklich auf Hygiene und Gesundheit achtet, fände ich auch eher abstoßend, aber schwer zu überprüfen. ...
Keine Vereinigung im Swingerclub!
  • Vereinigung ist der Punkt, wo eben Vereinigung stattfindet – in ihrer intimsten Form für mich, inzwischen. Ich habe das mal anders gesehen, hab’ dafür keine Wahrnehmung gehabt. Aber heute will ich den anderen erst kennen lernen, wissen, wen ich da in mir habe. nicht mehr nur ein bisschen rumficken. ...
Wenn Sex ohne emotionale Beteiligung schwierig wird
  • Es hängt sehr vom Öffnungsgrad des Gegenübers ab. Wenn beide offen sind, ist die Begegnung da. Und wenn dazu Attraktion kommt, also gegenseitiges Gefallen und eine übereinstimmende Sprache in der Sexualität – also das ist wundervoll! Dann fließt es geradezu so ineinander. Und ich finde dann schon Küssen derartig verschmelzend und intim, dass es da eigentlich schon beginnt.
„Wie emotional wird das da?“
  • Da bin ich auch noch etwas unklar. Ich weiß ja nicht, was auf mich zukommt: Wie emotional wird das da – wie nicht-emotional? Kann ich das ab, in geballter Form Sex zu haben, oder ist es etwas, was ich nur in kleinen Portionen vertragen kann? Keine Ahnung! Im Moment vertrage ich es wunderbar in kleinen Portionen. (lacht) Sehr kleine Portionen sind das! ... Ich kann gar nicht so recht ohne [emotionale Beteiligung]! ... Aber es gibt auch immer so eine Ebene, wo ich auch trennen und dann transformieren, wo ich umsetzen muss. Ich weiß, wenn ich bestimmte Sachen mache, dann ist die Emotionalität sofort da. Dann kommt da auch auf eine Art Liebe oder eine Verliebtheit. ...
Andere studieren, wie sie sich beim Sex verhalten
  • Was mich immer interessiert, ist, wie andere Menschen miteinander umgehen. Ich will mich nicht an deren Sexualität aufgeilen, aber es interessiert mich, wie andere Menschen sich verhalten. Ich schleppe da noch so ein kleines Defizit von früher mit mir rum. Ich bin unheimlich neugierig auf deren Handeln. Können sie sich zeigen? Können sie authentisch ihre Lust leben? Spielen sie Maskerade? Und wenn sie Maskerade spielen, ist die lustvoll, oder tut es ihnen weh? Vielleicht ein bisschen sehr psychologisch, aber mich interessiert das. ...
„Neues über mich selber herausfinden zu können“...
  • ...interessiert mich, weil ich in eine Situation gerate, in einer Situation bin, der ich nie ausgesetzt war, neu reflektieren kann. Und vielleicht entsteht etwas, das ich noch nicht kenne. ...
Vorstellungen von Sexspielen zu Dritt – mit Mann oder Frau
  • Schön fände ich, mit meinem Partner und einem anderen Mann oder mit zwei anderen Männern, die mir gefallen, es zu leben, zum Beispiel. Ich finde ja Frauen auch attraktiv, von daher wäre ich durchaus auch mal daran interessiert, da noch weitere Erfahrungen zu sammeln. ... Es wäre einfacher, Erlebnisse mit einer Frau in die Beziehung zu integrieren. Rivalität zwischen Männern ist doch schneller da. ... Es wäre leichter für ihn. Und das würde auch eher rechtfertigen, dass ich allein in einen Club gehe. ... Das muss man irgendwie aushandeln. ... Ich handle [engl.] das auf jeden Fall mit meinem Partner aus! Was kann er wuppen, was nicht? Ich sage zwar, dass ich meine Sexualität nicht domestizieren will – das heißt aber nicht, dass ich über Leichen gehe. Vielleicht würde ich sogar mit so etwas [Sex zu dritt] anfangen.
„Ein unangenehmes Erlebnis ... noch mal anschauen“
  • Eine Sache, an der ich noch so ’n bisschen herumkaue, ist ein Erlebnis von früher – als ich mit neunzehn ein etwas unangenehmes Erlebnis mit meinem [damaligen] Partner hatte, der meine beste Freundin mit ins Bett geholt hatte. Ich hatte damals nicht die Wahl, konnte mich nicht wirklich wehren, war da noch nicht selbstbewusst genug. ... Das würde ich mir gern noch mal anschauen. Wobei da, glaube ich, der Swingerclub nicht das Richtige ist. Aber was ich weiß, dass ich mich da mit Partnerkonstellationen auseinandersetzen werde. Das kommt definitiv in meinem Kopf vor. Und das finde ich spannend, das noch mal anders zu beleuchten. Habe es zwar schon recht gut zu fassen gehabt – das Thema. Es hat keine wirklichen Spitzen mehr, aber ich finde das ganz spannend, da immer mal wieder hin zu gucken. Ansonsten halte ich es möglicherweise für animierend, im positivsten Falle – animierend und freisetzend vielleicht. Oder ich merke, ich kann das loslassen, es ist überhaupt nicht meine Welt. ...

Zwischenlösung

„Ich habe im Moment eine relativ bequeme Lösung“...
  • ...für dieses ganze Drüber-Nachdenken. Ich habe nämlich einen sehr interessanten Kontakt zu einem Mann aufgetan, der das ähnlich locker sieht, und wo völlig klar ist – ganz merkwürdigerweise auch die Emotionalität nahezu raus ist – ist alles sehr sachlich.
„Eine Telefonsex-Beziehung“
  • Ich habe es so gelenkt, dass daraus eine Telefonsex-Beziehung geworden ist – ohne Treffen. Das wollte ich nicht mehr, im Moment jedenfalls nicht. Und das ist genau das, was mir im Moment gut passt. ... Ich bin damals sehr aktiv auf ihn zugegangen. Das war in der Zeit, wo ich wirklich gern in so einen Club gegangen wäre, mich aber nicht ’ran getraut hab, oder es passte nicht.
„Ich war im Notstand“
  • Da habe ich in einer Disco einfach mal geschaut, gescannt – eisenhart. Wie sieht er denn aus? Gut aussehend, gepflegt, sportlich – das waren so die Kriterien. War doch ein knallhartes Geschäft in dem Moment. (lacht) Dann bin ich auf einen zugegangen und hab’ ihn dann gefragt, ob er mit seiner Freundin da ist. Nee, er wäre’ alleine. Und dann habe ich ihn geküsst. Und dann bin ich wieder gegangen. (lacht) Ich war irgendwie ein bisschen im Notstand, muss ich sagen. Das haben ja nicht nur Männer, auch Frauen scheinbar. Auch eine neue Erfahrung. ... Dabei ist es dann aber nicht geblieben. Wir hatten noch am selben Abend sexuellen Kontakt. ...
„Genau die Ebene, die ich wollte“
  • Es war aber so, dass es mir auch gefallen hat, mit Sicherheitsstufe und allem drum und dran, schön mit Kondom. Es hat mir gut gefallen. Es war nichts, wo ich irgendwie kämpfen musste. Es war total entspannt, und auch aufregend und schön – und vor allen Dingen auf einem unemotionalen Niveau. Früher wäre ich schreiend weggerannt und hätte gesagt, das ist nichts für mich. Aber meine Emotionalität ist ja abgedeckt, ich habe ja eine Beziehung. Von daher war es einfach genau die Ebene, die ich wollte – keine Schwierigkeiten! Ich wollte dann auch gleich gehen und meine Ruhe haben. So, wie Männer – sagt man ja – eigentlich sonst sind. ...
„Da geht es dann mehr nur um meine Sexualität“
  • Ich habe aber gemerkt, dass die Beziehung zu meinem Partner in sehr intensive Phasen gekommen ist; dass wir uns so nah waren, dass ich nichts machen konnte, ohne dass mein Partner es irgendwie gespürt hat, ohne dass ich drüber sprach. Ich habe dann den direkten Kontakt zu dem Mann nicht mehr haben wollen. Telefonisch ist es in Ordnung. Da passt es dann schon. Das bin dann ICH. Da geht es dann mehr nur um MEINE Sexualität, weniger so Verschmelzung. Da kommt kein neues Wesen mit rein – nicht so wirklich. ... Ich möchte keine Verstrickungen, weil ich zurzeit eine wundervolle Entwicklung in meiner Beziehung sehe. ...
„Ich hatte vor zwei Jahren auch schon mal so was“...
  • ...Ich war da ganz sicher, dass ich mit keinem sexuellen Kontakt will, weil ich meinem Partner treu sein wollte. Das hat sich dann aber immer mehr zugezogen, und da hat sich eine unglaubliche Spannung gebildet. Ich habe dann jemanden kennen gelernt, der wollte sehr viel von mir, und ich habe ganz stark darauf reagiert. ... Ein Typ Mann, dem es leicht fällt, sexuellen Kontakt herzustellen, der sich aber vor Emotionalität fürchtet, die er aber bei mir ganz stark gefunden hat. Also im Grunde passte das vom Typus und von der Bedürftigkeit her extrem gut zusammen. Ich wollte die Sexualität, und er wollte die Emotionalität. Wir haben aber, da er auch verheiratet ist und ein Kind hat – ich habe da klare Grenzen gezogen und er auch. Ich habe da zwar kurz ’ne Phase gehabt, wo ich das doch leben wollte, habe es auch kommuniziert, aber da war er dann der, der geblockt hat. ... Gott sei Dank hat sich das dann auch erledigt. Das wäre uns sonst um die Ohren geflogen. Das war aber eine sehr starke Anziehung, sehr starke Energie. Wir haben das aber so im Kontakt, im Gespräch, im Austausch gelebt, haben das dann aber auch auslaufen lassen. ...

Alternativen zum Swingerclub


Tantrische Beziehungen
  • Seit ich mich mit dem Swingerclub-Thema auseinandersetze, kommen mir ständig Ideen, wie es vielleicht noch besser sein könnte. Es gab eine Zeit, wo wir sagten: „Wenn wir uns nun gegenseitig wirklich nicht genügen, und wir außerhalb der Partnerschaft Sexualität leben, dann aber bitte nicht im Freundeskreis!“ Ich finde ja beinahe, dass das, wenn man es klar hat, aber gar nicht so schlimm wäre – im Gegenteil! Aber mit der Meinung stehe ich noch ein bisschen alleine da, bei meinem Partner. Das kommt vielleicht auch durch die Beschäftigung mit Tantra, und dass ich auch Freunde in dem Bereich habe. ... Diesen eigentlichen Geschlechtsakt kann man machen, muss man aber nicht. Das andere ist eigentlich das Wesentliche – und das kann ich mir wundervoll vorstellen – auch außerhalb des Seminarkontextes Gelegenheiten wahrzunehmen und es einfach zu machen. Ich habe da das eine oder andere auch schon gemacht, aber immer mit Frauen. Das hat aber ein ganz anderes Niveau. Da geht es um ganz andere Dinge. ...
Exkurs über Tantra
  • Tantra arbeitet ja mit Energie. Das kann unheimlich taff und heftig und kriegerisch und animalisch sein – die Energie sucht sich ihren Weg. Da geht es schon auch zur Sache, aber es ist ritualisiert. Es gibt einen klaren Kontext. Man begegnet sich im Bewusstsein von etwas – von Achtung. Man begibt sich miteinander in einen speziellen Ritual-Kontext, und wenn man es dann zu zweit machen will – im ‚Roten Tantra’ – ... dann hat man seinen Schutzrahmen, in dem man sich bewegt, und aus dem man bewusst wieder austritt. Im Alltag macht man das ja eher weniger ritualisiert. ...
„Das, was ich im Moment lebe“
  • Eine Alternative ist wirklich im Moment nur das, was ich gerade lebe. [Das Arrangement mit der Telefonsex-Beziehung] ... Es hat angefangen als Spielart und ist jetzt eine Alternative zum Swingerclub. Ich war ja schon auf sexuellen Kontakt aus. Und das stieß ja auf gegenseitige Bereitschaft. Dadurch war es auch von Anfang an klar und entspannt. Und im Grunde genommen war der Kontakt schon WIE in einem, aber eben nicht IN einem Club. Mir wurde ja schon freundlich angetragen, ob ich seinen Freund nicht auch ganz nett finde. Ich habe das dann aber abgelehnt, weil es mir doch zu heftig war. Also, ich hätte die Chance gehabt! (lacht) ... Aber ich mochte den auch nicht so sehr. Die Chance war aber definitiv da. ...

Die innere Hure...
Bei dem Bild der Hure geht es Regina um einen wichtigen Aspekt ihrer Sexualität.

...in der Partnerschaft – der Partner als Sexualobjekt
  • [Bei diesem Bild] da geht es um so eine Art Verfügbarkeit. Man ist es gewohnt, in einer Beziehung – „Ach, heute nicht, ich hab’ Kopfschmerzen“ – dass dann aber ein kurzer Fick klasse gegen Kopfschmerzen ist, ... das fällt dann so unter den Tisch. ... Den Partner in einer Beziehung als Sexualobjekt zu benutzen, wo eigentlich viel Liebe und Wertschätzung ist, das ist ja eher eigentlich nicht der Fall! Sondern das ist ja eher so, dass man sich Rituale machen muss, damit man sich wieder auf die Sexualität einstellt. ... Dass es einen gleich in die Hose schießt, wie am Anfang, das ist nachher ja eher selten der Fall. Und den anderen einfach so als Objekt zu betrachten, und auch mal ohne stundenlange Zärtlichkeiten auszutauschen – diese ganze Nummer, das packt man doch gar nicht immer im Alltag, oder? (lacht)...
...in der Telefonsex-Beziehung – Schutz vor Emotionalität
  • Aber da ist auch nur das [die Hure]! Wenn ich da raus wollte, hätte ich ein Thema. Da bin ich erst einmal in der Schublade drin. Das ist aber in Ordnung so. Ich genieße das, mache das bewusst, fordere das auch heraus. Da gelingt es mir auch, anders als in der Beziehung. Da weiß ich genau, wie ich auf dem Klavier spielen muss, damit es auch so ist. Ich will auch nur das! Wenn ich anfangen wollte, eine Beziehung daraus zu machen, hätte ich mit Sicherheit ein Thema! ... Aus der Huren-Schublade komme ich bei dem Herrn nicht mehr raus. ... Wenn ich das versuchen würde, würde die sexuelle Spannung weggehen, in diesem speziellen Fall. ... Das ist mit Sicherheit einer, der sich mit Emotionalität schwer tut. Ich habe da eine Menge von [Emotionalität]. Ich würde immer den Kürzeren ziehen. Ich würde immer wieder in der Schublade Nummer Eins landen. Die emotionale Wertschätzung würde in dem Fall nicht so kommen. Es würde sehr, sehr schwer werden auf jeden Fall. ...
...setzt klare Grenzen
  • In der Huren-Schublade bestimme ich ganz klar meine Grenzen. Ich bestimme wie es noch okay ist und wie nicht mehr. Das ist mir auch ganz wichtig, weil es ja heikel ist, als ganzer Mensch in so einer Schublade zu sein. Also sorge ich dafür, dass es auch in Ordnung ist. Es gab Momente, wo ich die Schublade zugemacht habe und sagte: „Ohne mich!“ Das erzeugt natürlich auch eine gewisse Spannung. Das ist ein Spiel, ein ganz interessantes Spiel.
...bisher „nichts Durchführbares“ in der Beziehung
  • Aber so in der Beziehung, in der ich bin, nichts Durchführbares mit meinem Partner. ... Ich probiere mich da [in der Telefonsex-Beziehung] aber aus und sammle Erfahrungen, die ich dann auch in die Beziehung trage. Wo ich auch Selbstbewusstsein sammle, merke, die bin ich aber doch. Auch, wenn mir das mein Partner jahrelang nicht geglaubt hat, weil er es nicht glauben mag. Ich bin es aber DOCH, und ich lerne mich dadurch kennen.
...will integriert werden
  • Ich merke auch, ich kann diese Grenze ziehen, kann damit spielen, kann auf dem Klavier spielen, beobachte das in mir. Und dann kann ich ganz anders in meine Partnerschaft gehen und dann den Zweig, der mir da noch fehlt, anfangen aufzubauen – nur anders. Ich habe das Klavier ja nicht spielen gelernt, habe es früher nicht gekonnt, habe erst jetzt angefangen, es zu lernen. Ich kann es meiner Ansicht nach nur mit einem anderen lernen. Es fällt uns nicht zu, wie soll man da sonst lernen?! Daher könnten Alleingänge in den Swingerclub super gut sein für mich, und auch für die Beziehung.
Diplomarbeit-Regina (pdf, 99 KB)

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Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.
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Mukono - 2007/06/12 15:47

Nun also, Regina

Grins, „im Urlaub kümmert sie sich regelmäßig um ihr persönliches Wachstum“, o Gott, das muss ich lesen, wo ich stündlich daran arbeite, mit meinem Kleinwuchs fertig zu werden.
Nein, im Ernst, die Regina ist eine ganz ehrliche, die eine große Liebe hat, wo sie auch viel mitnimmt. Sie haben ja ein wenig gemogelt, Regina war ja noch gar nicht in einem Swingerclub. Ich vermute mal, sie würde schnell wieder davonlaufen, wenn sich der Club nur annähernd dem ähnelt, den ich einst besuchte. Sie ist so eine Feine, ihr Liebster offenbar auch. ich verstehe nicht, warum die beiden in all ihrer Klugheit nicht Wege finden, sich gegenseitig zu genügen.
Eine Frau kann in den Augen des Mannes, der sie aus vollem Herzen liebt, nicht eine Hure sein. Darüber müsste man mal mit ihr diskutieren, über ihr Hurenbild und das Hurenbild eines Mannes nämlich. Man kann nämlich alle Hemmungen fallen lassen, ohne die Achtung voreinander zu verlieren. Im Gegenteil, danach steigt die Achtung sogar.
Als anonymer Kommentator würde ich ihr zurufen, he, finden Sie einen Weg mit ihrem Liebsten, sein Alter spielt gar keine Rolle, wenn er weiß, wie er damit umgehen kann, körperlich, meine ich...
Ich bezweifle sehr stark, ob ein Swingerclub für Regina eine Lösung sein würde, und es ist ja alles im Konjunktiv

Der alte Tageskommentator

Mukono

Eugene Faust - 2007/06/13 12:49

Wenn überhaupt...

scheint mir ein ganz edler Club mit fantasieanregendem Ambiente und tantrischer Ausrichtung, den sie mit ihrem Partner gemeinsam aufsucht, angemessener zu sein. Ich muss sie mal wieder kontaktieren und einen Blick ins Nähkästchen werfen. :) (wir halten seither nämlich losen Kontakt zueinander)
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Im glad I now registered
Really....such a important site.
4rx (Gast) - 2017/04/10 15:13
ja.
ja.
dus - 2015/12/09 10:19
Einfach nur mal so....
Schön, dass es diesen Blog immer noch gibt.
Lo - 2015/12/04 09:15

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