2
Aug
2007

Beziehungswelten und Beziehungsmärkte*

Spätmoderne Beziehungswelten

Unsere Beziehungswelten haben sich in wenigen Jahrzehnten enorm verändert. Heute wird seltener geheiratet, und wenn, dann erst später. Das Erstheiratsalter ist stark angestiegen. Unter den 25- bis 44-jährigen frisch Verheirateten stieg das Durchschnittsalter auf 33,7 Jahre bei den Männern und auf 32,7 Jahre bei den Frauen. (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2005, S.19) Neben der Ehe etablieren sich verschiedene Formen nichtehelicher Beziehungen. Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung bei den Lebensgemeinschaften: Von 1996 bis 2004 hat sich ihre Zahl um 34% erhöht. Trotzdem ist ihr Anteil an allen Paaren in Deutschland laut Mikrozensus 2004 noch nicht hoch. Nur jedes zehnte Paar lebt in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft. Der Anteil an gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ist ebenfalls gestiegen, dennoch verhältnismäßig wenig verbreitet. Besonders deutlich waren die Rückgänge an Eheschließungen unter den 25- bis 44-Jährigen. In dieser Altersgruppe ging der Anteil seit 1991 bei Männern um weitere 13% auf 50% zurück, bei Frauen um 12% auf 60%. (S.18) Scheidungen sind noch häufiger geworden und finden immer früher statt. Trennungen führen auch dazu, dass immer mehr Kinder bei nur einem Elternteil, im Verhältnis 6:1 bei der Mutter aufwachsen. 2004 waren bereits 20% aller Eltern-Kind-Gemeinschaften alleinerziehend. (S.22) Die Institution Ehe hat ihr Monopol verloren, Beziehungen und Familien zu definieren und Sexualität zu legitimieren. (SCHMIDT, 2004, S.27)

Dieser Wandel von Beziehungen und Familien verändert, wie bereits erwähnt, die Gesellschaft einschneidender als die sexuelle Revolution der 68er, in der vor allem die verstaubte Sexualmoral hinweggefegt wurde und einschneidender als die Revolution der 80er, die durch die Frauenbewegung eingeleitet, selbstbestimmte, friedliche und herrschaftsfreie Sexualität thematisierte. SCHMIDT spricht nun von der dritten Phase der sexuellen Revolution: Freigesetzt von wirtschaftlichen Zwängen, traditionellen Geschlechterrollen und Arbeitsteilung ist Intimität und Emotionalität noch wichtiger geworden.

Beziehung pur
„Die reine Beziehung“ (nach ANTONY GIDDENS, 1994) zwischen gleichberechtigten Partnern in Freiheit und ohne gegenseitige Abhängigkeiten im Sinne von „Beziehung pur“ wird zur neuen, nur um ihrer selbst willen eingegangenen Beziehungsform mit hoher emotionaler Qualität. Sie besteht nur so lange, wie beide Partner sich darin wohl fühlen. Das macht Beziehungen natürlich instabil, denn die Ansprüche sind hoch. Beide müssen vielfältige Talente entwickeln, um die ständige “aktive und reziproke emotionale und kommunikative ‚Arbeit’“ in einer „durch und durch“ psychologisierten intensiven Beziehung zu leisten. (SCHMIDT, 2004, S.29) BECK spricht 1990 schon von der „Beziehungsarbeit im Dauerdialog“ und der „Tyrannei der Authentizität“. (S.123) Diese komplexe und nicht von Rollen gesteuerte Beziehungsform fällt Männern bekanntlich schwerer als Frauen, und es ist daher nicht verwunderlich, dass Frauen häufiger die Initiative zur Trennung ergreifen. Die Folge sind serielle Beziehungen, die mit seriellen Singlephasen abwechseln.

Neue Studienergebnisse

Das zeigt die letzte große Studie des Instituts für Sexualforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. (SCHMIDT et al., 2003) Für ‚Beziehungsbiografien im sozialen Wandel’ wurden im Jahr 2002 776 Männer und Frauen aus Hamburg und Leipzig, die der Generation der 30-Jährigen, 45-Jährigen und 60-Jährigen angehören, ausführlich interviewt. Es ging dabei nicht um Ergebnisse, die repräsentativ für die gesamte Bundesrepublik sind. Die Untersucher unter der Leitung von GUNTER SCHMIDT konzentrierten sich auf die urbane Bevölkerung, da diese als Trendsetter gilt und langfristig Rückschlüsse auf Entwicklungen auch in ländlichen Gebieten zulässt. Die Städte Hamburg und Leipzig wurden ausgewählt, um einen Ost-West-Vergleich zu ermöglichen.

Serielle Monogamie und hohe Ideale

Die Leipziger wandten sich laut Studie erst später und nicht so drastisch von der Ehe ab. Und in Hamburg gibt es mehr 30-jährige Singles als in Leipzig. 30-Jährige haben mehr und kürzere Beziehungen und leben zwischendurch immer wieder als Single. Sie können jetzt schon auf mehr Beziehungen zurückblicken als die 60-Jährigen, das heißt sie haben mehr und kürzere feste Beziehungen, leben also in besagter "serieller Monogamie". Trotzdem ist der Wunsch, dauerhaft mit einem Partner zusammen bleiben zu wollen, auch bei den Jüngeren ungebrochen. Doch mit dem Wunsch nach Beständigkeit konkurrieren die erwähnten Ansprüche an eine Beziehung.

Hedonistische Individualisten oder „Nebenprodukte“ der seriellen Monogamie?
Der Anteil dauerhaft „Beziehungsferner“, die lange Phasen als Single leben, für die das Single-Dasein eine Art Lebensstil und nicht eine reine Übergangsphase darstellt, ist über die drei untersuchten Generationen nicht angestiegen. (DEKKER & MATTHIESEN, 2004, S.50) Dagegen prognostizierte ULRICH BECK (1991), der den Individualisierungsbegriff in den 80er Jahren in die Debatte um gesellschaftliche Modernisierungsprozesse einführte, einen Anstieg der Einpersonenhaushalte in Großstädten auf 70%, als Ausdruck der weiter zunehmenden Individualisierung. Heute stagnieren die Zahlen eher. In den „single-reichen“ Metropolen Berlin und Hamburg liegt der Anteil bei 50%. (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2005) Individualisierung reformiert auch Beziehungen und Beziehungsformen, und nur wenige hedonistische und selbstverwirklichungsorientierte Singles leben ganz bewusst ohne Partner. „Die Zunahme von Singles ist also tatsächlich nicht als Durchsetzung eines eigenen, beziehungsfernen Lebensstils zu werten, sondern als Ergebnis der großen Beziehungsfluktuation.“ (DEKKER & MATTHIESEN, ebd.)

Trennungen und Singlephasen

Die 776 Männer und Frauen berichteten über 2585 Beziehungen und 1422 Singlephasen im Laufe ihres Lebens. Das Kriterium für eine Beziehung war das Selbstverständnis der Partner, nicht das Zusammenleben, wie es beim Statistischen Bundesamt definiert ist. Nur 23% aller festen Beziehungen waren ehelich. Sie dauerten zwischen wenigen Monaten und 45 Jahren. Etwa 30% der knapp 2000 erlebten Trennungen führten übergangslos in eine neue feste Beziehung, 70% in eine kürzere oder längere Singlephase. Die Singlephasen variierten zwischen wenigen Monaten und 25 Jahren. Ein übergangsloser Neubeginn ist bei den 30-Jährigen etwas seltener als bei den 60-Jährigen und bei den Hamburgern etwas seltener als bei den Leipzigern. Da das moderne Muster der „seriellen Beziehungen“ bei den Hamburgern und den Jüngeren besonders verbreitet ist, schließen die Untersucher, dass dieses Muster die Bereitschaft erhöht, sich auch dann zu trennen, wenn nicht gleich wieder in einer neuen Beziehung Sicherheit gefunden wird. In allen Altersgruppen ergreifen Frauen häufiger die Initiative sich zu trennen: ca. 50% zu 33%. Bei 17% aller Trennungen ging die Initiative von beiden aus. (SCHMIDT et al., 2003, S.24)


Sexualität in spätmodernen Beziehungswelten


In festen Beziehungen bleibt sexuelle Untreue sporadisch. Nur jeder hundertste Geschlechtsverkehr findet außerhalb einer Beziehung statt. Auch Jüngere haben vor allem innerhalb der eigenen Beziehung Sex. Eine Ausnahme bilden homosexuelle Männer, die Sex auch häufiger außerhalb einer festen Bindung erleben. Insgesamt, sagt SCHMIDT, ist die Sexualität "im Griff fester Beziehungen", und das muss nicht unbedingt besonders viel Sex sein. Mehr als ein Drittel der 30-Jährigen in Zweierbeziehungen hat nur ein- bis dreimal im Monat oder nicht einmal monatlich Sex mit dem Partner. Laut Studie fanden nur 5% „aller Geschlechtsverkehre“ bei Singles satt, obwohl diese 25% der Befragten ausmachten. (2004, S.32)

Das Märchen vom wilden Sexualleben der Singles

Das viel zitierte lockere Singleleben mit zahlreichen Liebesabenteuern und Sex nach Lust und Laune entpuppt sich offensichtlich als Mythos. Singles aller Alterstufen führen laut SCHMIDT ein eher „karges Sexualleben“. (2004, S.31) Für die meisten Jüngeren ist die Zeit als Single nur eine Zwischenphase bis zur nächsten Beziehung. Hedonistische Singles mit vielen wechselnden Sexualpartnern sind vergleichsweise eine Minderheit. Wenn man einen Single, der im letzten Jahr fünf und mehr Sexpartner hatte und mindestens einen Geschlechtsverkehr in den letzten vier Wochen, als hedonistisch bezeichnet, gehören 4% aller Singles in diese Kategorie. Die meisten finden sich bei den 30-Jährigen; bei Frauen und Männern gleich häufig. (SCHMIDT et al., 2003, S.28)

Sexualpraktiken
Nach Sexualpraktiken wurde ebenfalls gefragt. Oralsex bei den 30-Jährigen gehört zum üblichen Repertoire, und Selbstbefriedigung wird vor allem von den Jüngeren zunehmend als eigenständige Form der Sexualität verstanden, die neben der Partnersexualität "in friedlicher Koexistenz" praktiziert wird. Sexualität hat sich laut SCHMIDT (2004) entdramatisiert. Sie wandelte sich vom mythenbeladenen, wilden Zusammenprall der Triebe zu einer nutzbaren "Ressource". Was die Partner sexuell miteinander tun, wird jetzt "ausgehandelt". (S.10) Bei den etwas ausgefalleneren Sexualpraktiken widersprechen die gefundenen Daten dem Bild, das die Medien gerne verbreiten. „Sex mit Mehreren oder im Swingerclub, Partnertausch, SM, Leder oder die Kleidung des anderen Geschlechts beim Sex tragen, werden nur von einer winzigen Minderheit (1% bis 3%) gelegentlich praktiziert.“ (SCHMIDT et al., 2003, S.19) Deutlich häufiger ist dagegen das Experimentieren mit Reizwäsche, Sex in der Öffentlichkeit, gemeinsamem Pornofilmkonsum, einem Dildo oder Kunstpenis oder harmlosen Fesselspielen. 30-Jährige sind experimentierfreudiger, vor allem als die 60-Jährigen. Männer und Frauen berichten etwa gleich häufig über diese Erfahrungen. Wenn man einmal davon absieht, dass die Leipziger eine größere Vorliebe für Reizwäsche haben, unterscheiden sich Ost und West nur geringfügig

Nachfolgende Tabellen zeigen die sexuellen Praktiken (in Prozent der Befragten), die a) jemals und b) im vergangenen Jahr zum Einsatz kamen. (aus SCHMIDT et al., 2003)

Tab2


Beziehungsmärkte

Obwohl sich die ‚romantischen Liebe’, als Prinzip der Partnerfindung gegenüber ökonomischen Erwägungen in der Moderne weitgehend durchgesetzt hat, ist es auch heute noch eine Frage von Angebot und Nachfrage, ob man einen Partner findet. (HRADIL, 1995, S.80)

Einpersonenhaushalte
17% der Gesamtbevölkerung gelten laut Mikrozensus 2004 in Deutschland als allein lebend. Dabei ist für die Statistik das entscheidende Kriterium, ob eine Person für sich allein wirtschaftet. Diese Zahl sagt also nichts darüber aus, wie viele Personen in Einpersonenhaushalten auch tatsächlich ohne Partner oder Kinder sind. Zu den Einpersonenhaushalten zählen beispielsweise auch Paare mit getrennten Wohnungen ("Living apart together"); unverheiratet zusammenlebende Paare, die getrennt wirtschaften; Verheiratete, die aus beruflichen Gründen einen Zweitwohnsitz unterhalten (Commuter Ehe); Alleinerziehende, deren Kinder nur zeitweise im eigenen Haushalt leben; und alle Bewohner von Wohngemeinschaften, die voneinander unabhängig wirtschaften.

Geschlechterverhältnisse
Frauen zwischen 25 bis 54 Jahren lebten wesentlich seltener allein, als Männer in vergleichbarem Alter. (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2005, S.24) Männer und Frauen, die sich im frühen oder mittleren Erwachsenenalter trennen, unterscheiden sich nicht in der Dauer, die sie allein bleiben. Frauen, die sich nach dem 45. Lebensjahr trennen, nehmen laut der Hamburger Beziehungsstudie allerdings eine ausgeprägte Sonderrolle ein. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt auch fünf Jahre nach der Trennung noch allein. Entweder ist ihre Bereitschaft besonders gering, sich wieder zu binden, oder es ist für sie besonders schwierig, einen geeigneten Partner zu finden. Bei den 60-Jährigen leben in beiden Städten doppelt so viele Frauen wie Männer alleine (29%:14%). (SCHMIDT et al., 2003, S.24) Bundesweit ist das Verhältnis ähnlich, beziehungsweise steigt der Anteil allein lebender Frauen mit zunehmendem Alter rasch und stark an.

Abb2

Dies hat mehrere Gründe: Die Frauen sind häufiger verwitwet, da sie eher ältere Partner mit geringerer Lebenserwartung haben. Männer haben es offenbar leichter, nach Verwitwung oder Trennung eine neue Partnerin zu finden, da höhere Altergruppen ihres Geschlechts auf dem Beziehungsmarkt knapp sind und sie zudem häufiger jüngere Partnerinnen wählen, beziehungsweise wählen können. Außerdem können Frauen dieser Altersgruppe ohne Beziehung besser zurechtkommen als Männer, und das Singledasein stellt für sie in diesem Alter häufiger eine akzeptable Alternative zu Beziehung und Ehe dar. (SCHMIDT et al., 2003, S.24-25)

Generell wächst für Frauen durch Bildung und Erwerbsleben die Unabhängigkeit von einem potenziellen Ehemann. Vor allem großstädtische Milieus mit ihrer geringeren sozialen Kontrolle werden überproportional von Singles besiedelt. Dort wachsen wiederum die Einflüsse, die immer mehr Menschen dazu bewegen, alleine zu leben. (HRADIL, 1995, S.79)

Obwohl das Verhältnis von Singlefrauen zu Singlemännern im heiratsfähigen Alter deutlich zugunsten der Frauen ausfällt, wird das Singledasein gerade von Frauen stark thematisiert und problematisiert. 1992 kamen, zusätzlich bedingt durch ungleiche Geschlechterproportionen der Jahrgänge, auf 100 ledige Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr sogar 185 ledige Männer. (STATISTISCHES BUNDESAMT zitiert nach HRADIL, 1995, S.75) Das spricht auf den ersten Blick für ein relativ großes Angebot, aber vielleicht auch von ganz unterschiedlichen Ansprüchen und einer Kluft zwischen den Geschlechtern. Auch die Beliebtheit von alleinstehenden Filmheldinnen wie ‚Bridget Jones’* und den Protagonistinnen der Fernsehserien ‚Ally McBeal’* und ‚Sex and the City’*, bilden das starke Interesse an dem Thema ‚weibliche Singles’ ab.

Die ‚Harvard-Yale-Heiratsstudie’
Mitte der 80er Jahre schockierte in den USA die ‚Harvard-Yale-Heiratsstudie’. Forscher kamen zu dem Schluss, dass viele Frauen, die alles zu haben scheinen, wie gutes Aussehen, gute Jobs, höhere Bildungsabschlüsse und hohes Einkommen, nie einen Mann haben werden. Frauen mit College-Bildung, so hieß es in der ziemlich reißerisch interpretierten Veröffentlichung der Newsweek: ‚Too late for Prince Charming?’ (1986), bleibe mit 35 Jahren nur noch eine fünfprozentige Chance zu heiraten. Und für eine 40jährige unverheiratete Karrierefrau sei die statistische Aussicht, von einem Terroristen erschossen zu werden, größer, als einen Ehemann abzukriegen. (SALHOLZ, 1986, S.55)

Der Artikel geistert heute noch immer wieder einmal durch die Presse. Was ihn und ähnliche Artikel unzeitgemäß macht, ist die Annahme, dass es für das Glück eines Menschen zu einer Heirat kommen muss. Man wertet den Single zwar nicht offen ab, aber der Gedanke, dass das Paar das Eigentliche sei, hält laut EVA JAEGGI (1992) „immer noch in einem Winkel unseres Bewusstseins Wache.“ Auch JEAN-CLAUDE KAUFMANN (2002), auf dessen Studie ich im nächsten Beitrag eingehen werde, umschreibt dieses Phänomen mit dem „erhobenen Zeigefinger“, der diese Norm der Paarbeziehung in Gesten der Umwelt und in den Konflikten aufzeigt, unter denen vor allem Singlefrauen zu leiden haben. (S.44 ff.)

Schwierigkeitsfaktoren
Das mehr oder weniger ungewollte Singleleben hat Gründe. Folgende Faktoren erschweren vor allem das Finden eines geeigneten Kandidaten. Der Altersunterschied zwischen Männern und Frauen in einer Beziehung liegt nach wie vor konstant bei etwa zwei Jahren und steigt noch bei zunehmendem Alter des Mannes an. Das heißt, die Zahl der infrage kommenden Männer ist nach der Realisierung einer Karriere kleiner geworden. Genauso konstant ist der Unterschied im soziokulturellen Niveau. Doch je mehr sich die Singlefrauen auf ihren Beruf einlassen, desto erfolgreicher werden sie. Es wird also immer schwerer einen angemessenen Partner zu finden, denn Singlemänner befinden sich eher unten auf der sozialen Leiter. (HRADIL, 1995, S.30)

Eine Journalistin äußerte sich zur Mediendiskussion um Akademikerinnen, die schwanger werden sollten, damit „die Richtigen“ Nachwuchs bekommen. Sie stellt fest, dass das Problem weniger die Frauen seien, als „Frauen in Kombination mit Männern, kurz: unmodernes Paarungsverhalten. (...) Der qualifizierte deutsche Mann kann zwar eine Partnerin auf gleicher Augenhöhe heiraten – nimmt aber gerne die Sekretärin. (...) Wer Arzt ist, lernt ja so viele Krankenschwestern kennen. Für Ärztinnen aber kommt ein Pfleger gar nicht infrage, es sei denn, sie wollen sich als sexuell bedürftig lächerlich machen. Es gibt für die Akademikerin zu wenige Männer. Solche, die das Leben auf einer Augenhöhe verhandeln.“ (MAYER, DIE ZEIT, 11/2005)

Der nächste Beitrag widmet sich dann der Singlefrau.

*Diese Beitrag wurde schon einmal im Rahmen meiner Diplomarbeit veröffentlicht.
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promisc - 2007/08/02 18:27

Sehr interessant, auch wenn ich nicht zu hundert Prozent mit den Interpretationen zufrieden bin - da sind schon subjektive Tendenzen drin *grins*

Aber was ich sehr bedauere: Es gibt scheinbar keine Zahlen und Erhebungen, die auch Offene Beziehungen mit einbeziehen bzw. aufrufen. Wäre für mich höchst interessant.

Eugene Faust - 2007/08/02 22:05

Welche subjektiven Interpretationen

meinst du denn, lieber promisc?
promisc - 2007/08/04 10:28

Ein Beispiel:

»In festen Beziehungen bleibt sexuelle Untreue sporadisch. Nur jeder hundertste Geschlechtsverkehr findet außerhalb einer Beziehung statt.«

Das Wort 'nur' drückt aus, dass aus einem quantitativen Verhältnis eine qualitative Wertung abgeleitet wurde, welche die Bedeutung dieses einen Mals unter hundert ich möchte mal sagen verniedlicht. Denn für die Beteiligten mit ihrem Wertesystem hebt dieses eine Mal im Normalfall die anderen 99 Male locker auf, nihiliert deren Wertigkeit innerhalb eines klassischen Treue-Wertesystems.

Der Gegen-Satz - um es mal zu verdeutlichen - würde lauten:

»In festen Beziehungen kommt sexuelle Untreue regelmäßig vor. Sogar jeder hundertste Geschlechtsverkehr findet außerhalb einer Beziehung statt.«
Eugene Faust - 2007/08/05 16:31

Vorschlag:

»In festen Beziehungen kommt sexuelle Untreue vor. Jeder hundertste Geschlechtsverkehr findet außerhalb einer Beziehung statt.«

Naja - Da muss dann eben der Leser selbst einschätzen, ob 1% ziemlich wenig oder schon viel zu viel ist. ;)
promisc - 2007/08/05 16:41

Genau so ist es nun auch objektiv ausgedrückt, Eugene :-)
Stockfisch - 2007/08/02 23:50

Ahh, jetzt weiß ich wieder warum ich single bin und das Zusammenleben so schwierig ist ;-)

Eugene Faust - 2007/08/03 00:02

Warum?

DrYes - 2007/08/03 02:37

Gute Frage!

Ich fand empirische Daten bisher wenig hilfreich bei dem Versuch, meine persönlichen Befindlichkeiten (z. B. in Bezug auf Phasen des Singletums und Schwierigkeiten beim Zusammenleben) besser verstehen zu lernen. ;-)
testsiegerin - 2007/08/04 13:46

Und für eine 40jährige unverheiratete Karrierefrau sei die statistische Aussicht, von einem Terroristen erschossen zu werden, größer, als einen Ehemann abzukriegen.

Ich vermute ja, dieser Aussage liegt ein Übertragungsfehler zugrunde und es sollte heißen: Und für eine 40jährige unverheiratete Karrierefrau sei die statistische Aussicht, von einem Terroristen erschossen zu werden, größer, als das Bedürfnis, einen Ehemann abzukriegen.

Eugene Faust - 2009/03/28 13:43

Kabarettistisches Zusatzmaterial


diGriz - 2009/03/28 19:50

Nicht schlecht, und - mal abgesehen von einigen Übertreibungen - gar nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt. Womit ich allerdings nicht sagen will, dass ich die alten Zeiten zurück haben will. Frauen sollen das gleiche Recht haben bei der Partnerwahl wie Männer. Nur: sowohl Männer als auch Frauen streben dummerweise das Optimum an, und durch die Berieselung der Medien gehen sie auch kaum ein Yota davon ab. Man will den perfekten Partner, und kleine Macken stören da nur. Und weil die Partnersuche sich als derart schwierig erweist, wird immer fester auf die Perfektion beharrt. Das gilt nicht nur für die Suche der Frauen, sondern auch für die Suche der Männer.
Eugene Faust - 2009/03/28 21:42

Das Konzept

finde ich auch problematisch. Eine Besinnung auf etwas mehr Pragmatismus neben den romantischen Idealen fände ich auch zielführender.
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4rx (Gast) - 2017/04/10 15:13
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dus - 2015/12/09 10:19
Einfach nur mal so....
Schön, dass es diesen Blog immer noch gibt.
Lo - 2015/12/04 09:15

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