5
Jan
2010

Adler gegen Klapperschlangen

Es ist mal wieder an der Zeit ein klassisches psychologisches Experiment im Zusammenhang mit sozialen Gruppen vorzustellen:
  • Mit dem Ferienlagerexperiment, das in den 50er Jahren von dem Sozialpsychologen Muzafer Sherif durchgeführt wurde, konnte gezeigt werden, was notwendig ist, um Stereotype abzubauen, und dass es nicht ausreicht, einfach genügend Kontakt zwischen rivalisierenden Gruppen herzustellen. Es stellt einen Meilenstein in der Konfliktforschung dar.

    Bildquelle: brainz
  • Auch sehr spannend in diesem Zusammenhang sind die Minimalgruppen-Experimente des Sozialpsychologen Henri Tajfel. Sein Kandinsky/Klee-Experiment (1971), bei dem Versuchspersonen völlig willkürlich in zwei Gruppen eingeteilt wurden, zeigte, dass die bloße Gruppenzugehörigkeit als Ursache für Diskriminierung ausreichen kann.
4483 x aufgerufen - abgelegt unter Aus Psychologie und Soziologie

Trackback URL:
http://eugenefaust.twoday.net/stories/adler-gegen-klapperschlangen/modTrackback

schreiben wie atmen - 2010/01/05 18:28

Oh, beste Madame Öschenie,

sobald es meine Zeit erlaubt werde ich mir ganz bestimmt diese Ausführungen reinpfeifen und abends brüllstolz im Bett liegen, weil ich mal wieder was gelernt habe. Bis dahin hier kurz ein kleiner Einblick in Selbsterfahrenes:

Nachbarin: Ha die Schnall, die hat doch scho do gwohnt, do wahret Sie no ned do.

Ich: Seit mehr als zwanzig Jahren also?

Nachbarin: Ha, des misse scho so an die verzich Johr sei.

Ich: Das ist ja aber schon ganz schön lange.

Nachbarin: Ha was hoißt lang, e paar Johr halt... (erbost) awwer jetzt en Verheierte vun do heire.

Ich: Aber der Herr X. ist doch seit Jahren Witwer.

Nachbarin: Wer woiß was dem sei Fraa unner 'd Erd brocht hat.

Ich: Na, aber das ist ja nun ein bißchen weit her geholt, finden Sie nicht?

Nachbarin: Awwa! Do kenne Sie sowwiso ned mitschwätze, Sie sen jo ned vun do.

Soviel zum Thema Ausgrenzung wegen Zugehörigkeit zu einer kleinen Gruppe. Und wenn ich 100 Jahre alt würde, ich wäre nie "vun do".

Eugene Faust - 2010/01/05 18:56

Ich höre sie förmlich, Frau SWA und kann Sie gut verstehen (sie übrigens auch. ;))
schneck08 - 2010/01/06 01:38

ha! ich selbst wurde noch im alter von fünfzehn jahren nach dem gewinn eines pokals beim örtlichen boule-wettbewerbe auf der neugestalteten erlebniswiese (thema: steuergeschenke, wegen eingemeindung) des neuanbaus des evangelischen gemeindehauses als origine-nativ-aufgewachsener im heimischen dorfe als: "reingeschmeckt"! bezeichnet, vom höchstselbst ortsvorsteher (Deutschle sein name!). der selbiges war, wohlgemerkt!

aber ich glaube ja, sie meinen was ganz anderes, was? vielleicht dieses eine blog, was immer mehr seine FRATZE zeigt, auch wenn so einfach ja das alles nicht ist?

am end' war der Muzafer Sherif ein allahgläubiger?! jessas!

/so was wünsch ich mir ja wieder mehr. wie neulich, als ich für eine bekannte in der schweiz einen wecker im arab-laden gekauft habe (eine moschee, die, wenns dann soweit ist mit dem wecken, nicht "piep-piep" macht, sondern "allaaaahhhh..." ruft, wie der muezzin). der verkäufer sowie sein ebenfalls anwesender greiser vater meinten nur, "ach, in die schweiz? es gibt doch nur einen gott, oder? ganz egal! wenn du in die schule gehst, dann sollst du lernen. und wenn du beten willst, dann gehst du in die moschee. so einfach." (usw.)

die batterien wurden mir für umsonst dazugeschenkt, wahrscheinlich wegen völkerverständigung. oder, weil ich das thema überhaupt ansprach. und sicherlich wegen gastfreundschaft. es gibt sie, diese bemühungen ums verstehen, nach denen ich da suche, auch auf der anderen seite. so eine art "titten auf den tisch!" im zivilen luftverkehr.

na, jetzt wars aber ein langer kommentar. ist ja auch ein langes thema und ein mächtig weites feld... ;-)
Eugene Faust - 2010/01/06 01:56

Den Wecker kenne ich :D



Manchmal denke ich entnervt, ohne diese ganze Beterei, egal zu welchem Gott, wäre vielleicht alles entspannter. Aber ach, der Mensch findet immer wieder etwas, um sich auf- und den anderen abzuwerten. :(

Danke für den schön langen Kommentar, lieber Schneck.
hans1962 - 2010/01/07 18:59

Ganz schlimm ist es,

wenn dieses Auf-/Abwertungsspiel im engsten Familienkreis zelebriert wird. Jeder gegen jeden.
Oder einer gegen alle.
Um dem Spiel noch ein wenig 'Pepp' zu verleihen, kann es noch mit einer Erweiterung garniert werden:
Schweigen.
Eugene Faust - 2010/01/07 19:46

Oh ja! v.a. Letzteres.
creature - 2010/01/13 14:39

es könnt so einfach sein; wir sind menschen, haben als baby gelacht und geweint, egal welcher hautfarbe, ob aborigines oder deutscher, diese sprache war international.
später dann wurden grenzen gezogen,
abgrenzung,
ich und du,
mein gott, dein gott,
mein land, dein land,
ich bin besser, ihr seid anders...
solange sich das nicht ändert wird es arm und reich geben, kampf,
krieg, leid, und schmerz.

Eugene Faust - 2010/01/13 15:18

Das liegt in der Natur des Menschen.

Man muss sich bewusst darüber hinwegsetzen.

Wahrscheinlich hatte Sartre recht, als er meinte, wir seien alle Rassisten. Es gäbe nur den Unterschied zwischen denen, die das erkennen und dagegen ankämpfen, und denen, die dem nachgeben.
logo

Eugenie Faust

Empfang

Herzlich willkommen

Gruppenraum

Im glad I now registered
Really....such a important site.
4rx (Gast) - 2017/04/10 15:13
ja.
ja.
dus - 2015/12/09 10:19
Einfach nur mal so....
Schön, dass es diesen Blog immer noch gibt.
Lo - 2015/12/04 09:15

Postfach

Dies ist ein nichtkommerzielles Privatprojekt. Daher besteht auch keine presserechtliche Relevanz. Kontaktdaten können bei wichtigen Anliegen unter meiner Mail-Adresse erfragt werden.

In Eugenes Akten stöbern

 


Status

Online seit 4071 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 2017/04/10 15:13

A - Flashmob
About
Alle Jahre wieder
Älter werden
Amüsantes
Aufgeschnappt
Aus der geschätzten Nachbarschaft
Aus Psychologie und Soziologie
Basteleien
Bauen
Berufliche Wege und Stationen
Bewegte Bilder
Bewegte Bilder A
Bewegte Bilder B
Bewegte Bilder M
Bewegte Bilder W
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren