IX - Berufliche Wege und Stationen 90-93

Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII, Teil VIII

Also beschloss ich, mich nicht weiter abzumühen. Desillusioniert und deprimiert, galt ich doch zuvor als Säule in der Arbeit mit behinderten Menschen, zog ich mich nun ganz zurück, nachdem ich seit 1980 sogar während akuter Schübe gearbeitet hatte. Ich reflektierte mein Verhalten in der Vergangenheit, genauer mein Überengagement, und musste realisieren, dass ich wohl ziemlich übertrieben hatte.

Da ich mich nicht als einzige an diesem Syndrom Leidende in leitender Funktion erkannte, kam mir die Struktur der ganzen Institution auf einmal einigermaßen ungesund vor. - Lauter Leidende in leitender Stellung, quasi ; ) Trotz Enttäuschung und Sorge um meine Zukunft, fühlte ich mich geradezu erleichtert, mich einmal von allem lösen zu können. Ich beschloss aber, Sie ahnen es vielleicht schon, meinen Krankenstand lernend auszufüllen.

Weil ich, trotz allem, meiner Neigung, mit Menschen zu arbeiten und sie zu begleiten, gerecht werden wollte und hinsichtlich einer möglichen selbstständigen Tätigkeit, begann ich an dieser Tagesschule eine fundierte 2 1/2-jährige Ausbildung zur Heilpraktikerin. Zudem hielt ich den Zugang zu alternativen Heilmethoden auch für mich persönlich nicht verkehrt.

Wir waren gerade mal acht Schüler und genossen einen sehr lebendigen und spannenden Unterricht. Ich fühlte mich absolut am richtigen Ort. Neben Anatomie, Physiologie und Diagnostik waren meine liebsten Fächer Phytotherapie und das elegante System der Homöopathie, dem ich mich auch heute noch verbunden fühle, obwohl die Wirkungsweise wissenschaftlich (noch) nicht erklärbar ist.

Mit traditionell chinesischer Medizin, vor allem Akupunktur, konnte ich dagegen nicht so viel anfangen. Vielleicht hat mir das Professor Li ein bisschen versaut, der ein paar Wochen an der Schule unterrichtete und nebenbei auch praktizierte.

pieks

Selbstverständlich wollte ich mich von so einer Koryphäe behandeln lassen. Komisch fand ich nur, dass ich vorher so viel ausziehen sollte, und dass nach dem Setzen der Nadeln auch noch ganz ausgiebig mein Busen von Hand bearbeitet werden musste. Ich war äußerst irritiert, aber einem Professor mit ernster und wichtiger Miene widerspricht man ja nicht so einfach. Doch das Verhalten erinnerte mich schon sehr an einen anderen übergriffigen Arzt aus meiner Jugend. Für die nächste Behandlung sorgte ich vor. Ich vereinbarte mit einem Mitschüler, dem ich mich anvertraute, dass er einfach mal ins Behandlungszimmer reinplatzen sollte, um zu sehen was dann passiert. Und siehe da, sofort hielt der Lustmolch inne. Alle weiteren vereinbarten Termine habe ich vom Schulleiter absagen lassen. Keine Ahnung, ob er jemals wieder eingeladen wurde.

Nachtrag
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4rx (Gast) - 2017/04/10 15:13
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Einfach nur mal so....
Schön, dass es diesen Blog immer noch gibt.
Lo - 2015/12/04 09:15

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