Rollenverhalten
„Da entscheiden sich zwei Artisten, miteinander eine Nummer zu erarbeiten und damit zu reisen. Sie entscheiden sich nicht aus Zwang, sondern freiwillig. Dann klären sie, wer nach Anlage oder Neigung mehr der Untermann ist, und wer durch die Luft fliegt. Ist diese Entscheidung gefallen, muss der eine Muskeln aufbauen, darf der andere nicht zunehmen. Wenn einer der beiden sich nicht rollengerecht verhält, nutzt er zwar seine Freiheit. Nur, die Nummer gibt es halt nicht mehr.“ (Werner Schneyder, 2008, Krebs, S.36)
Eugene Faust - 2009/09/20 12:43
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HARFIM - 2009/09/20 13:09
Erstaunliche Weltsicht,
das erklärt vielleicht auch, warum der Mann so erfolgreich war und ist. Die Welt ist eine Manege. Wir sind ja nur die Zuschauer und er der Akrobat. Leider habe ich in den Vorstellungen von seinem Untermann (besser Unterfrau) nie etwas bemerkt.
Das scheint ja fast so, als ob er durch die Schilderung ihres Leidens bis zum Tode, sie nun endlich auch ins Rampenlicht bringen möchte.
Na ja.
lieben Gruß in den Sonntag
Harfim
Das scheint ja fast so, als ob er durch die Schilderung ihres Leidens bis zum Tode, sie nun endlich auch ins Rampenlicht bringen möchte.
Na ja.
lieben Gruß in den Sonntag
Harfim
Eugene Faust - 2009/09/21 10:56
und es erklärt vielleicht auch,
warum er sich mit dem Lebenspraktischen so schwer tut.
Lieben Gruß in die Woche
antworten
Lieben Gruß in die Woche
Whoopi (Gast) - 2009/09/21 14:25
JA, so ist es
"Wenn einer der beiden sich nicht rollen gerecht verhält, nutzt er zwar seine Freiheit. Nur, die Nummer gibt es halt nicht mehr.“
antworten
Eugene Faust - 2009/09/21 15:41
Hallo Whoopi,
ich vermute mal, Ihr Kommentar richtet sich an HARFIM.
antworten
nömix - 2009/09/20 16:43
Den Vergleich finde ich überhaupt nicht gut gelungen. Erstens ist eine Partnerschaft a priori keine Zirkusnummer, und zweitens wäre z.B. der Vergleich mit einem Pferdegespann, das den Karren gemeinsam durch die Furt zieht, viel zutreffender. Herrn Schneyders Nummer ist ein Fuffzigerjahre-Klischee, ein Helmut & eine Hannelore Kohl sind mit der schon aufgetreten. Gruselig.
Eugene Faust - 2009/09/21 11:05
Also gruselig
fand ich's jetzt nicht gerade, aber in heutiger Zeit natürlich recht untauglich. Ich schätze Werner Schneyder sehr und glaube nach der Lektüre schon, dass das Bild für diese Ehe stimmig ist - mit dem üblichen Vergleichs-Hinken. Haben Sie das Buch gelesen?
antworten
Paula neu (Gast) - 2009/09/21 17:05
Tucholsky sah das so
Die arme Frau
Mein Mann? mein dicker Mann, der Dichter?
Du lieber Gott, da seid mir still!
Ein Don Juan? Ein braver, schlichter
Bourgeois – wie Gott ihn haben will.
Da steht in seinen schmalen Büchern,
wieviele Frauen er geküßt;
von seidenen Haaren, seidenen Tüchern,
Begehren, Kitzel, Brunst, Gelüst ...
Liebwerte Schwestern, laßt die Briefe,
den anonymen Veilchenstrauß!
Es könnt ihn stören, wenn er schliefe.
Denn meist ruht sich der Dicke aus.
Und faul und fett und so gefräßig
ist er und immer indigniert.
Und dabei gluckert er unmäßig
vom Rotwein, den er temperiert.
Ich sah euch wilder und erpichter
von Tag zu Tag – ach! laßt das sein!
Mein Mann? mein dicker Mann, der Dichter?
In Büchern: ja.
Im Leben: nein.
Mein Mann? mein dicker Mann, der Dichter?
Du lieber Gott, da seid mir still!
Ein Don Juan? Ein braver, schlichter
Bourgeois – wie Gott ihn haben will.
Da steht in seinen schmalen Büchern,
wieviele Frauen er geküßt;
von seidenen Haaren, seidenen Tüchern,
Begehren, Kitzel, Brunst, Gelüst ...
Liebwerte Schwestern, laßt die Briefe,
den anonymen Veilchenstrauß!
Es könnt ihn stören, wenn er schliefe.
Denn meist ruht sich der Dicke aus.
Und faul und fett und so gefräßig
ist er und immer indigniert.
Und dabei gluckert er unmäßig
vom Rotwein, den er temperiert.
Ich sah euch wilder und erpichter
von Tag zu Tag – ach! laßt das sein!
Mein Mann? mein dicker Mann, der Dichter?
In Büchern: ja.
Im Leben: nein.
schreiben wie atmen - 2009/09/21 17:37
Daraus gelernt:
ich mache meine eigene Nummer und freue mich immer, wenn sie zufällig mit der Nummer des Nebenmenschen gut zusammenpasst.
In einigen Fällen klappt das schon viele Jahrzehnte lang ganz hervorragend. Dankbar wird man da für's Können und für's nicht Müssen.
Nebenbei @herrn nömix: was wäre eine bessere Zirkusnummer als eine gelungene Beziehung: Equilibristik vom Feinsten, perfekte Raubtierdressur und zwischendurch immer wieder ein gelungener Clownauftritt - mal ist's der dumme August und mal der traurige Pierrot.
In einigen Fällen klappt das schon viele Jahrzehnte lang ganz hervorragend. Dankbar wird man da für's Können und für's nicht Müssen.
Nebenbei @herrn nömix: was wäre eine bessere Zirkusnummer als eine gelungene Beziehung: Equilibristik vom Feinsten, perfekte Raubtierdressur und zwischendurch immer wieder ein gelungener Clownauftritt - mal ist's der dumme August und mal der traurige Pierrot.


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