15 Meine Gesprächspartnerinnen

23
Sep
2006

Meine Gesprächspartnerinnen

Tab3

Tine
Anna
mit Verdichtungsprotokoll
Lilly
Cora mit Verdichtungsprotokoll
Iris mit Verdichtungsprotokoll
Regina mit Verdichtungsprotokoll
Sandy
Natalia


Weiter geht es mit der kurzen Vorstellung meiner ersten Gesprächspartnerin Tine.
(Es werden hier insgesamt nur vier verdichtete Gespräche veröffentlicht. Im Hauptteil sind aber alle Gesprächspartnerinnen vertreten)

Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit
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22
Sep
2006

Meine achte Gesprächspartnerin Natalia

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Natalia vor, die ich so gefunden habe.

Das achte Gespräch führte ich mit Natalia, einer aktiven und tüchtigen Laborleiterin Ende vierzig. Natalia lebt – nach ihrer Scheidung – seit fünf Jahren mit ihrem jugendlichen Sohn allein. Seit einem Jahr geht sie regelmäßig mindestens einmal die Woche in ihren Stammclub. Ich habe Natalia über die Freundin einer Freundin kennen gelernt, der sie auf dem Weg zum Swing*n freimütig den Grund ihrer guten Laune gestand. Außer im Labor arbeitet sie seit vielen Jahren zusätzlich für eine große Praxis und ist dadurch beruflich so eingespannt, dass sie ihre Karriere als Leistungssportlerin und inzwischen auch ihre Pferde aufgeben musste. Dass sie sich trotzdem als Gesprächspartnerin zur Verfügung gestellt hat, hat mich natürlich sehr gefreut.

Weiter geht's erst einmal mit der Inhaltsübersicht des Auswertungs- und Ergebnisteils.


Worum geht's hier eigentlich?


Für neue Leser:
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Meine sechste Gesprächspartnerin Regina

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Regina vor, die ich so gefunden habe.

Das sechste Gespräch führte ich mit Regina, einer temperamentvollen und sinnlichen, aber auch sehr feinsinnigen und nachdenklichen freiberuflichen Textildesignerin Ende dreißig. Eine Kommilitonin hat freundlicherweise den Kontakt zwischen uns hergestellt. Regina lebt seit vielen Jahren in einer festen Partnerschaft mit einem wesentlich älteren Mann. Seit sie vor einigen Jahren nach Hamburg gezogen sind, leben sie auch zusammen. In dieser nicht immer ganz einfachen Liebesbeziehung gibt es mehr Höhen als Tiefen. Trotzdem spielt Regina seit Monaten mit dem Gedanken, einmal allein einen Swing*rclub aufzusuchen. Würde ihr Terminkalender nicht so überquellen, hätte sie ihr Vorhaben vielleicht schon in die Tat umgesetzt. Vorher haben jedoch andere Freizeitbeschäftigungen und vor allem ihre Partnerschaft Vorrang. Wenn es ihre Zeit erlaubt, spielt sie unregelmäßig Tennis und besucht Konzerte. Im Urlaub kümmert sie sich regelmäßig um ihr persönliches Wachstum und besucht entsprechende Seminare. Sie betrachtete das Gespräch auch als Möglichkeit zur Klärung ihrer Bedürfnisse und zur Entlarvung ihrer Vorbehalte. Unsere Begrüßung war freundlich zurückhaltend und von einer vorsichtigen Neugier aufeinander geprägt. Das Eis war aber schnell gebrochen, und es entwickelte sich ein sehr offenes Gespräch, für das auch Regina im Anschluss ganz dankbar war.


Das verdichtete Gespräch mit Regina


Kurze Vorgeschichte

Vor etwa zwei Jahren befasst sich Regina zunehmend mit dem Gedanken, sich von ihrem Lebensgefährten sexuell abzunabeln und eigene Wege zu gehen. Sie will nicht mehr unter seinem Desinteresse an der gemeinsamen körperlichen Liebe leiden und auch nicht mehr sehnsüchtig darauf hoffen, dass das Sexualleben mit ihm wieder aufleben wird.

„Das ist eine relativ lange, unklare Geschichte“...
  • ...Ich habe mich einfach ziemlich viel immer schon mit Sexualität auseinander gesetzt und habe dann auch dadurch, dass das in meiner Beziehung eine ganze Zeit lang auf Eis gelegt war, wir nicht so recht weiter kamen miteinander – Liebe groß, aber die Sexualität wurde immer stiller – da haben wir zusammen dann auch nach neuen Möglichkeiten gesucht. ...
„Ich möchte mal unbelastet und fremd los gehen“
  • Ich hatte auch eine Phase, da hatte ich das Gefühl, ich will jetzt auch allein los! Will mich da mal freimachen im Kopf. Ich möchte mal unbelastet und fremd losgehen, ohne Beziehungen anfangen zu müssen, engere Beziehungen, wo man dann nur durcheinander gerät und seine eigene Beziehung und Liebe infrage stellen muss. ...
Der Gedanke an einen Swing*rclub taucht auf
  • Geschreckt hat mich so ’n Gedanke schon länger nicht. Ich habe ja einige Jahre auch tantrische Selbsterfahrung gemacht. Und der Gedanke, irgendwo hinzugehen und zuzugucken, wenn andere Leute Sex haben, schreckt mich nicht mehr, ist auch gewachsen im Laufe der Zeit. ... Aber Ähnlichkeit zum Swing*rclub ist da [in einer Tantra-Gruppe] keine. Das ist ein ganz anderes Niveau. ...

Biografisches


Tabuthema Sex – Schlüsselerlebnis – Tantra-Seminare
Aufgewachsen in einem Haus, in dem Sexualität nie Thema sein darf, und „weggeschwiegen“ wird, sieht Regina ihre Eltern nicht einmal beim Küssen. Seit ihrer Pubertät ist sie aber sehr an Sexualität interessiert, auch recht kontaktfreudig und aufgeschlossen. Mit sechzehn wird sie von ihrem damaligen Freund entjungfert. Sie bleiben längere Zeit zusammen. Sex bildet jedoch nicht den Schwerpunkt; er ist eher unbefriedigend. Anfang zwanzig sieht sie sich in Gesellschaft zum Teil fremder und älterer Menschen ein Video mit authentischen Sexszenen und echten Orgasmen an und stellt fest, dass sie innerlich verkrampft und stocksteif wird, obwohl dort aus ihrer heutigen Sicht nichts Abwegiges zu sehen ist. Das animiert Regina dazu, ihre Hemmungen aufzuspüren. Sie besucht seither regelmäßig Seminare in den Bereichen Selbsterfahrung und Tantra.
  • Das hat mich einfach magisch angezogen. ... Ich musste da hin! Intuitiv wusste ich, dass da für mich ein ganz wesentlicher Aspekt, ja Lebensqualität dahinter steht – Sexualität zu leben, und natürlich zu leben, und mich darüber kennen zu lernen, über diese ganze Energie, diese urige Kraft, die da in einem steckt und schlummert. Die darf nicht so versteckt sein. ... Das war mir damals noch gar nicht so bewusst. Es war nur so ein Sog. ... Da war ich noch nicht mit meinem jetzigen Partner zusammen. Da war ich solo. ... Da ist mir aufgefallen, was ich da für einen Knoten sitzen hatte. ... Das hat sich dann gegeben und normalisiert und ist lebendig geworden in mir. ...
„Mit der sexuellen Energie gearbeitet und Blockaden abgebaut“
  • Auch wenn da kein Sex gemacht wurde in diesen Gruppen, hat man ja mit der sexuellen Energie gearbeitet und Blockaden abgebaut. Man wird mit seinen Urteilen und Vorurteilen und seinen Ängsten konfrontiert, weil die sich ja auch im Körper manifestieren. Bei den Übungen kommt das dann raus, lässt sich nicht verhindern – wie in einer Liebesbeziehung, dass man da auch auf verschiedene Ebenen gelangt miteinander, verschiedene Tiefen und Grade von Vertrautheit erreicht. ...
Der „Hunger nach Erfüllung“ als Entwicklungsantrieb
  • Ich habe vorher auch schon wechselnde Partner gehabt, aber auch immer schon den Hunger nach Erfüllung. ... Das sind natürlich Aspekte, die mich weiter gebracht haben, wo ich Neues gelernt habe, wo ich auch Grenzen gezogen habe und selbstbewusster geworden bin – überhaupt erst mal zu erfahren, was eigentlich möglich ist, Stück für Stück und immer mehr. Das ist so ein Wachsen – mal eine neue Erfahrung zu machen: Mensch, das geht auch? Wenn ich das gewusst hätte! Das war teilweise durch Partner oder diese Übungen, die ich da machte. ...
Der Callboy
Regina macht schon in jungen Jahren Erfahrungen mit einem Callboy.
  • Ich war damals erlebnishungrig und einsam, ... nicht permanent einsam, aber ich hatte Phasen, wo ich mich einsam gefühlt habe. ... Ich habe damals nicht lange ohne Partner sein können. ... Und da hab’ ich mal drüber nachgedacht, weil meine Freundin das [einen Callboy engagiert] ganz locker mal gemacht hat. Da bin ich überhaupt so auf die Idee gekommen, dass das gar nicht so abwegig ist. ... Dazu kam dann, dass ich – bei einem meiner Streifzüge im Milieu halt – jemanden kennen gelernt habe, der lange Zeit Callboy war. ... Bei uns hat das auch SO angefangen. ... Danach ging das dann aber eher NICHT um Bezahlung, weil da eine Liaison draus geworden ist. ... Aber am Anfang habe ich ihn gerufen und bezahlt. ... Ich fand das ganz cool (lacht). ... Ich fand das super entspannend, weil so ’n Leistungsdruck meinerseits einfach wegblieb, weil mir ganz klar war: Ich bezahl’ dafür, dass DER macht und nicht ICH mach! Das war irgendwie ganz entspannend. ... Ich wollte nicht vollständig passiv bleiben, aber ich hatte vorher einige Zeit damit zugebracht, mich darüber zu definieren, es meinem Partner gut zu besorgen (lacht). ... Aber dadurch, dass das nachher eine Liaison wurde, hat sich das dann aber doch wieder umgekehrt – fatalerweise. Ich war nachher wieder in der Situation, dass ICH leisten musste. Es wurde auch tatsächlich verbal der Anspruch an mich gestellt. ... Er hatte ein Problem damit, zum Höhepunkt zu kommen. ... Das war dann echt Ackerei! Und da bin ich wieder in die Rolle geschlüpft, aus der ich raus wollte, und weswegen ich ihn eigentlich gerufen hatte. ...

PARTNERSCHAFT: Liebe und Sexualität – Krise und Perspektive

Die Liebe trägt noch nicht
Danach lernt Regina ihren jetzigen Partner kennen, doch bald nach der ersten Verliebtheit kommt es zur Trennung.
  • Er hatte jemanden kennen gelernt – das ziemliche Gegenteil von mir damals – eine ganz taffe Karrierefrau. Und ich war damals noch ein sehr verträumtes junges Mädchen, kreativ, friedlich und auch nicht so wirklich selbstbewusst, immer am zweifeln. Da hat er, bei aller Liebe, sich nicht so recht entscheiden können, auch nicht so recht für die Beziehung; hat sich immer so emotional raus gehalten. Und ich habe das auch geschehen lassen, habe mich nicht gewehrt, ihn nicht herausfordern können. Da war ich zu jung zu. ...
„Das war das Allerschlimmste, was passieren konnte für mich, ’ne Trennung“...
  • ...Da konnte nicht mehr viel passieren, eigentlich. Und da ist schon mal so richtig was aufgegangen in mir. Dass der Schmerz eigentlich ganz viel geöffnet hat – Mut, zu sich selber zu stehen, sich einzulassen. Das war ’ne irre gute Zeit, heftig, aber irre gut. Und in dem Jahr habe ich auch ganz viel über mich gelernt. Ich war kein Kind von Traurigkeit – wir waren über ein Jahr getrennt – aber ich war auch nicht frei für diese neuen Partner. ... Da waren tolle Männer dabei, und das sage ich nach wie vor. Ich hatte drei Männer in der Zeit als Gefährten, die wären alle mögliche Partner, hatten schon eine hohe Qualität, muss ich sagen. Aber ich war nicht frei, nicht wirklich frei. ...
Der zweite Anlauf „auf einer neuen Ebene“
Nach der einjährigen Trennung kommt es zu einer Wiederannäherung.
  • Da ist das dann zerbrochen mit der neuen Frau. ... Ich bin dann wieder mit meinem Freund zusammen gekommen, auf einer neuen Ebene, ein ganzes Stück weiter. Daran sind wir erst gewachsen, das gab einen richtigen Schwung. ... Wir haben von da an kein Blatt mehr vor den Mund genommen, so weit wir es konnten. Wir hatten viel Reibungspotential. Das haben wir auch gelebt. Wir haben uns auch gesund gestritten und sind für uns eingestanden. Das war vorher nicht. Das war natürlich ein Riesenschritt – aufeinander zu.
„Dann haben wir uns auch wirklich emotional aufeinander eingelassen“...
  • ...Da haben wir in den ersten Jahren auch ganz viel Heile-Heile-Segen gemacht. Bei allem Reiben und Streiten und Ausloten und Gucken haben wir – als wären wir jahrelang ausgehungert gewesen, in der Wüste unterwegs – haben wir einen Frieden entwickelt. Da ging es zwar auch um Sexualität, haben sie auch gelebt, aber das Wichtigste war da: Herz! Und das hat sich immer mehr entwickelt. Es gab Zeiten, da hatten wir ewig lange überhaupt gar keinen Sex, aber ganz viel Intimität. Es war eigentlich schön. Da hat uns eigentlich auch nichts gefehlt, also nicht wirklich, nicht bewusst. Und dann fing das aber an, irgendwann zu fehlen. Da wurde es dann so, dass man sich wieder ein bisschen mehr nach außen orientierte, und dann kamen andere Kontakte und das Infragestellen.
„Je mehr die Liebe wuchs, desto schwieriger wurde es“
  • Die Sexualität war immer ein bisschen schwieriger zwischen uns. In der Anfangsphase hatten wir Zeiten, wo es toll war. Aber je mehr die Liebe wuchs, desto schwieriger wurde es – interessanterweise. Wir haben jetzt auch schon sehr lange dran gearbeitet und haben inzwischen auch zusammen tantrische Seminare besucht, aber da noch keine richtigen Lösungen gefunden. ...
„Für manchen Mann ist es schwer, in der Frau, die sie lieben, die Hure zu sehen“
  • Da gehört scheinbar doch recht viel Mut dazu, in einer Liebesbeziehung, wenn man sich SEHR liebt, auch die andere Seite zuzutrauen. Ich glaube auch, für manchen Mann ist es sehr schwer, in der Frau, die sie lieben, die Hure zu sehen. Den Schritt haben wir in der Beziehung ganz, ganz schwer hinbekommen. Die Hure ist ein wesentlicher Bestandteil der Sexualität für mich. Ich würde sie nicht missen wollen. Immer nur heilig – ist nur halb. (lacht) ...
„Sexualität ... die letzte Bastion, wo man alles gibt“
  • In einer Beziehung mit so viel Herzensnähe habe ich das Gefühl, die Sexualität ist so die letzte Bastion, wo man alles gibt. Das nehme ich im Moment wahr. Das ist eigentlich der intimste Akt. Wir haben häufig gelacht und haben gesagt: „Wir sind uns schon so nahe – da schlafen wahrscheinlich manche Paare nächtelang miteinander, um diesen Zustand zu erreichen!“ Bei uns ist es eben anders herum – faszinierend eigentlich. ...
„Mit dem Schwert durch diesen gordischen Knoten“
Nach vielen zeitweilig frustrierenden Versuchen, die gemeinsame Sexualität zu beleben, will sich Regina nun endlich wieder von einem Mann begehrt fühlen, raus aus dieser lähmenden Hoffnungslosigkeit. Sie riskiert viel, als sie sich im vergangenen Jahr auf ein heftiges erotisches Liebesabenteuer einlässt. Zuerst verheimlicht sie ihren Lösungsversuch, konfrontiert ihren Partner dann aber doch, denn ihr Herz wurde mehr als beabsichtigt berührt.
  • Wir haben uns damit auseinandergesetzt, weil wir diese Schwierigkeiten haben, und weil uns was fehlte, was aber mit der Liebe nichts zu tun hatte. Und wir MUSSTEN uns damit heftig auseinandersetzen. Es ist überhaupt nicht leicht, einen Partner gehen zu lassen, den man liebt. ... Die Liebe war ja nicht kleiner. Aber ich hatte das Gefühl, wir müssen mit dem Schwert durch diesen gordischen Knoten. Ich hatte richtig den Wunsch nachher, dass auch ER woanders hingeht. ... Ich wollt ’s dann einfach auch wissen! Ich hab’s mir einfach gewünscht, dass sich das klärt. Und ich hab’ mir auch für mich gewünscht, dass ich rausgehe. Und mit diesem Wunsch fing es [die Idee mit dem Swing*rclub] eigentlich auch erst an. ...
„Die Beziehung beibehalten ... aber ... Sexualität nicht domestizieren“
  • Für mich war aber klar, dass ich die Beziehung beibehalten will. ... Wir sind da weiterhin in Auseinandersetzung. Es fällt uns nicht leicht, ihm schon gar nicht. Aber ich habe ganz klar für mich entschieden, dass ich meine Sexualität nicht domestizieren will. Ich bin nicht auf der Suche nach permanenten Kontakten zu anderen. Ich merke auch, dass ich sehr, sehr wählerisch geworden bin, extrem wählerisch. Ich habe keine Lust, wild in der Gegend herum zu vögeln. Das tut mir nicht gut! Ich habe es letztes Jahr das eine oder andere Mal zugelassen. ... Aber ich merke, dass ich einfach empfindlich geworden bin, was die Leute „mir ins Haus tragen“. Ich gucke sehr genau! Aber der Wunsch, es nicht abhängig zu machen von einem Partner, wo vielleicht auch Schwierigkeiten sind, die wir vielleicht nicht lösen können – für immer meine Sexualität von EINEM Menschen abhängig zu machen, bin ich nicht mehr bereit. ...
Mehr als ein Abenteuer
  • Abenteuer haben wir aber beide gehabt. Ich habe aber einen sehr hohen Öffnungsgrad [in dieser Affäre] gehabt, gerade im sexuellen Bereich, und das geht dann immer gleich in eine ganz andere Intensität rein. Zu der Verliebtheit explodierte die ganze Sexualität, die so aufgestaut war, richtig in mir.
„Das hat natürlich zu einer schweren Beziehungskrise geführt“...
  • ...ganz klar, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass ich meinen Partner nicht verlassen will. Aber es gab auch Zeiten, wo es sehr auf der Kippe stand. Ich bin im Nachhinein für diese Begegnung sehr dankbar, weil die mich wachgerüttelt hat und mir klar gemacht hat, dass die Liebe zu meinem Partner bleibt. Dass die einfach ein Niveau erreicht hat, wo ich sie eh nicht mehr verneinen kann, und so viel anderes stimmt, und dass es da eine andere Lösung geben muss, als die Beziehung gegen die Wand zu fahren und zu beenden. Und daraus ist der Gedanke entstanden, es anders zu leben – entweder gemeinsam oder mal allein los zu gehen und irgendwas zu machen, dass da Lebendigkeit einziehen kann. ...
Gedankenspiele um libertäre Beziehungsformen
  • Es geht ja immer nur, wenn beide es können. ... Wir haben darüber offen gesprochen, ... wie es wäre, zu dritt zu leben. Da habe ich in dieser Phase auch gemerkt, wenn man mit einem weiteren Menschen wirklich stark emotional engagiert ist, das müssen alle drei können, sonst geht gar nichts. Es fliegt einem sonst um die Ohren. Je intensiver die Emotionalität, desto klarer muss man miteinander sein. Alle müssen aufeinander zugehen können – also, schon ein ganz schönes Kaliber des Miteinanderseins. So schön es sein mag, aber schwer lebbar. Es ist nicht außerhalb meines Vorstellungsvermögens. Wenn ich darüber nachdenke, mit zwei Männern zu leben, muss ich auch logischerweise darüber nachdenken, wie es wäre, wenn mein Partner mit zwei Frauen leben würde. (lacht) Da wüsste ich auch, es wäre SUPER wichtig, dass da gegenseitige Achtung und Wertschätzung und Zuneigung ist, sonst geht gar nichts. Aber es wäre auch nicht gänzlich außerhalb meiner Vorstellung. Das Leben ist bunter, als man so gelernt hat. Und ausprobieren kann man es ja. Und wenn es dann nicht geht – also ich bin jetzt nicht so ’n krankhafter Ausprobierer – aber wenn das Leben solche Schritte wählen sollte, muss man ja sehen, wie man damit klar kommt. ...
„Diese Beziehung zu führen ist eine Entscheidung“
  • Ich glaube manchmal nicht, dass das viele können. Man muss sich ja sehr klar sein, was man will, und eine Beziehung ist eine Entscheidung für mich. Die Liebe ist da, mit oder ohne Beziehung, ob getrennt oder nicht, die wird einfach bleiben, die ist einfach gewachsen. Aber diese Beziehung zu führen, ist eine Entscheidung. Und wenn ich einem anderen begegne, wo die Möglichkeit auf Liebe besteht – man kann Liebe ja auch teilen, wird ja nicht kleiner – aber wenn der andere immer [etwas Sicheres] haben will, und die ganzen Ängste einsetzen, dann verdreht und vermurkselt sich das ganze Ding. Wenn da keine Klarheit in der Entscheidung und der Richtung herrscht, dann darf man sich auf bestimmte Dinge nicht einlassen. ... Wenn ich jemandem ein Gegenüber bin, der sein Herz und seinen Körper für mich öffnet, und wir uns begegnen können und in Frieden auseinander gehen können – ich kann mir das vorstellen – das muss dann nur noch der eigene Lebensgefährte auch abkönnen. Und der wird es mitkriegen, und ich anders herum auch. Da wird’s schwierig. ...
Absprachen und Verbindlichkeit
  • Mein Partner möchte es [Außenbeziehungen etc.] gern wissen. Das sind Absprachen. Da erhebe ich auch selber den Anspruch drauf. Muss man sehen, wie man was am besten handeln [engl.] kann. Also, wenn ich jetzt in einen Swing*rclub gehe, würde ich es meinem Partner sagen. ... An und für sich vorher, weil er sich das wünscht. Aber ich habe so ’n bisschen die Ambition, das eigentlich lieber nachher zu machen. Im Grunde ist es völlig egal, weil ich inzwischen weiß, dass er das mitkriegt. Ich komm’ da nicht drum rum. Das ist einfach so, wenn man sich so lange kennt. Dumm gelaufen! Da ist nichts mehr mit heimlich Losziehen. (lacht) ...
Heimlichkeiten und das Gefühl von Freiheit
  • Hinterher erst was sagen, fühlt sich mehr an wie den Abend frei haben von Verpflichtungen und Verbindlichkeiten und so. ... Es ist so ’n bisschen so ’ne Schabernack-Nische. Man hat ja immer gern etwas, was man heimlich täte – ich jedenfalls, Kleinigkeiten für mich behalten. ... DA [hinsichtlich sexueller Alleingänge“] hätte ich es dann manchmal gern. Da trage ich aber der Realität Rechnung und mache es anders, als ich es vielleicht gern hätte. ...

SWING*RCLUB: Gedankenspiele – Herantasten – Antesten


„Mal gucken, ob das was ist“
  • In der Zeit, als es auf dem Sektor so trocken wurde, habe ich auch öfter noch mal wieder über einen Callboy nachgedacht. Eine Freundin, die in derselben Situation war wie ich, hat das dann auch einfach getan – teure Callboys und Verschiedenes ausprobiert. ... Der Gedanke an einen Swing*rclub war da erst mal ein weitaus größerer Schritt, ... weil das mit so VIELEN Leuten ist. Bei einem Callboy, der zu mir kommt, sich in MEINEM Feld bewegt, hätte ich auch das Gefühl, mehr Kontrolle zu haben. Das war mir eben von den früheren Kontakten auch vertraut, ... vorausgesetzt natürlich, dass man ihn kennt oder empfohlen bekommt. Sonst ist das echt gefährlich – und auch wegen der Attraktivität. ... Wenn ich den nur auf zehn Meter Entfernung ertragen könnte, ... das geht ja gar nicht! Also am besten vorher angucken. ... Aber der Wunsch war da, so was [einen Swing*rclub] auszuprobieren. Mal gucken, ob das was ist. Ich habe es ja noch nicht gemacht. Ich habe ja nur mit dem Gedanken gespielt; im letzten Jahr auch noch viel intensiver, als ich anfing mit Susanne, deiner Kommilitonin, drüber zu sprechen.
„Im Moment bin ich eher wieder so ’n bisschen davon weggekommen“...
  • ...weil ich so einen großen Wunsch nach exklusiver Intimität habe. Aber der Wunsch, es weniger exklusiv zu haben, war sehr stark letztes Jahr – sehr, sehr stark, weil sich da auch wirklich ’was bahnbrach bei mir. ... Im Moment bin ich auch deshalb nicht so heiß auf Swing*rclub, weil ich mich beruflich auf extrem unvertrautem Gelände bewege. .... Darum schiebe ich das im Moment so ’n bisschen. ... Ein neuer Kundenauftrag absorbiert gerade tatsächlich auch große Teile meiner Sexualität. ...
„Sex ohne Verpflichtung – kann schon schön sein“
  • Die Möglichkeit, es in so einem Club zu tun, wo man darf, aber nicht muss, und gucken kann, auch aussuchen – und vor allen Dingen weiß, dass da auch gleichgesinnte Leute sind – man da nicht auf so einer hirnlosen Suche ist, nur weil die Hormone gerade mal wieder verrückt spielen, sondern man da Leute hat, wo man sagen kann: „Okay, wir machen hier jetzt mal was!“ – und dann geht man wieder. Das ist ja eher selten, dass man so einen Sexualkontakt auf freier Wildbahn findet. Sex ohne Verpflichtung – kann schon schön sein. ...
Informationsquellen
Regina kundschaftet Adressen aus, unterhält sich mit erfahrenen Leuten, liest Artikel und sieht sich Fernsehsendungen über Swing*rclubs an.
  • Von daher sind da schon reale Bilder entstanden. Ich bin auch zu so Treffpunkten gegangen – allerdings mit meinem Lebensgefährten zusammen – eigentlich gar kein richtiger Swing*rclub, eher wie so ’ne Kneipe, wo man das [Sex mit anderen Gästen] aber auch machen kann. ...
Lokalitäten zum Schnuppern
  • Wenn man das weiß, und wenn man sich genauer umguckt, sieht man irgendwo zum Beispiel die Kreuze an der Wand, wo auch Handschellen befestigt sind, wo man dann seine SM-Spielchen machen kann, wenn man es mag. Sonst ist das eine ganz normale Kneipe, ... aber solche Szenen sind da ganz öffentlich. Ich habe schon eher die Hoffnung, dass das im Swing*rclub etwas anders laufen kann und läuft, und dass man doch die Möglichkeit hat, etwas separierter zu sein, wenn man möchte. Das ist aber nur meine Vorstellung. ... Es gibt da schon die Idee, zusammen einen Club zu besuchen. Wir haben auch schon öfter darüber gesprochen, sind aber über diese Begegnungskneipe nicht hinausgekommen – bisher. ...
Schnuppern mit einer Freundin
Mit einer Freundin geht Regina in zwei weitere Lokale dieser Art. Das eine ist etwas fragwürdig, zu dem anderen will sie auf jeden Fall noch mal alleine hingehen...
  • ...weil ich da kein ungutes Gefühl hatte. Ich hatte das Gefühl, das könnte ich machen, ohne irgendwie belästigt zu werden. ... Bei dem einen habe ich ein Fragezeichen, was Belästigung angeht. ... Die Hälfte des Publikums war eher so Richtung Spanner, die sich aber nicht selber trauen. ... Aber das animiert mich nicht, da selber was zu machen, weil ich da auch immer so eine gewisse Geringschätzung spüre. Die scheinen mir nicht so im Reinen mit sich und ihrer Sexualität, deswegen gucken sie lieber zu, als sich einzubringen. Da ist eine Spannung im Raum, die ich nicht mag. Ich war da drei, vier Stunden mit einer Freundin. ... Da ergab sich dann zwischen einem Paar ’was, die haben dann so in die Sadomaso-Richtung ’was gemacht – war aber alles überhaupt nicht mein Fall. Da bin ich nach meinem Cocktail entspannt wieder gegangen. Mehr war es nicht. ...

SWING*RCLUB: Erwartungen – Vorstellungen – Befürchtungen – Ambivalenzen


„In so ’nem relativ geschützten Rahmen“
  • Meine Erwartungen, meine Fantasien – ganz frei und unbelastet von dem, was ich schon weiß – wären, dass ich da [in einem Swing*rclub] Ruhe und Muße habe, zu gucken, ob ich da jemand attraktiv finde, den ich auch an mich ranlassen würde. Und dann mal zu schauen, wie weit würde ich mit dem eigentlich gehen wollen. Und das eben in so ’nem relativ geschützten Rahmen.
„Eine sinnliche, schöne Atmosphäre“
  • Ich stelle mir da eigentlich eine sinnliche, schöne Atmosphäre vor. Schöne Räume eigentlich, was natürlich sehr relativ ist. Vielleicht kommt’s auch darauf nicht so an. Mir ist wichtig, dass so ein Club auch gepflegt ist. Ich bin niemand, der so Fetischismen für Schmuddelecken hat. (lacht) ...
„Erst mal irgendwo sitzen und warm werden“
  • Dass man vielleicht auch die Möglichkeit hat, so wie es eigentlich auch in diesen Kneipen war – interessanterweise – dass man erst mal irgendwo sitzen und ein bisschen warm werden kann – atmosphärisch – was trinken und schauen, ob sich da was ergibt oder nicht. Und wenn nicht, dann geht man halt wieder.
„Ich habe zwei Ideen: Eine positive und eine negative“...
  • ...Die Positive gefällt mir ganz gut: Ich treffe da auf einen, den ich attraktiv finde, der mich auch attraktiv findet. Ich stelle mir einen schönen, sinnlichen Abend vor – ruhig auch sexuell, wobei ich eine Vereinigung nicht wollte – aber erotisch, sinnlich, sich begegnend, auch gerne mit Körperkontakt und allem, aber nicht bis zum Geschlechtsakt! ... Die andere [Idee] ist, dass ich einfach niemand finde, den ich attraktiv finde, und dass mich das Ganze eher ein bisschen abstößt. ... Aus diesem Grund bin ich wohl bisher auch nicht dahin gegangen.
„Die sollen mir nicht zu sehr nahe kommen, bitte“
  • Ich habe das schon in der einen Kneipe gemerkt, dass ich da manche Arten von Sexualität – ich bewerte die nicht, aber ich möchte die nicht nahe an mir dran haben. Also ich finde es in Ordnung, wenn jemand Lust hat, SM-Spiele zu machen oder zuzugucken, aber ich möchte mich da selber nicht offenbaren, selber keine Grenzen überschreiten, in der Konstellation. Dann möchte ich meinen sicheren Platz haben, von dem aus ich gucken kann. Aber die sollen mir nicht zu sehr nahe kommen, bitte!
„Nur mit Niveau und Wertschätzung“
  • Da [im Club] sind sicherlich auch Leute, die gern gucken und die das animiert. Das kommt da auch auf das Niveau an – das klingt jetzt vielleicht ein bisschen arrogant – wo ich mich dann auch wohl fühle. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich es sehr attraktiv finden würde, wenn mir Leute zugucken, wenn ich was mache – aber nur mit Niveau und Wertschätzung! Wenn mir Leute zugucken und das, was sie sehen, nicht wertschätzen und das dann wiederum erregend finden, würde ich mich ungern zur Verfügung stellen. ...
Lustvoll oder erniedrigend?
  • Das ist ja ein Teil der Schwierigkeit, warum ich mich da ungern hinbewege; weil ich ziemlich fühlig bin für das, was um mich herum geschieht, auch für Atmosphären und so was. Und Sexualität ist etwas für mich, das ganz viel mit Freude zusammenhängt. Wenn Schmerz, dann vielleicht ein lustvoller Schmerz – mit Missachtung oder so, in der Sexualität, da bin ich sehr vorsichtig. Das ist nicht meine Welt. ... Aber wenn die Atmosphäre in Ordnung ist und jemand da zugucken will, ist das wohl möglich.
„Dass da für viele Spielarten Raum ist“...
  • ...Das ist so meine Idee, und dass man dann gucken kann, was man möchte. Möchte man sich separieren, oder möchte man gerne ein bisschen öffentlich, oder möchte man vielleicht sogar, dass noch jemand dazu kommt? ... Immer unter der Prämisse, dass ich die Leute selber attraktiv finde. Wahllosigkeit ist nicht so mein Ding. Wenn dann jeder dazu kommt und man nicht mehr die Wahl hätte, fände ich das gar nicht attraktiv. Ich würde mir das SEHR genau angucken. Wenn ich in so einen Club gehe, würde ich, glaube ich, ein- bis zweimal hingehen, ohne aktiv zu werden. ...
Befürchtung „Ich müsste dann da auch zur Sache kommen“
  • Ich habe immer noch die Vorstellung, ich müsste dann da auch zur Sache kommen, wenn ich da bin. Und da bin ich noch am Schwanken. ... So ein Club ist ja schon ein bisschen verbindlicher – in meiner Vorstellung zumindest. Nicht so, dass man da wie in einer Kneipe – ganz easy – ... ich glaube, dass ich mich da vielleicht sogar etwas unter Druck setzen würde, dass ich es dann auch nutze. ... Irgendwo schlummert dieser Gedanke noch, obwohl ich weiß, dass ich es [zur Sache kommen] nicht tun würde, wenn ich keine Lust hätte, und inzwischen aus Erfahrung weiß, dass ich da auch straight bin, weiß, wo meine Grenzen sind. ...
Weitere Befürchtungen
  • Beim Allein-Hingehen sind andere Befürchtungen als beim Zu-Zweit-Hingehen. Beim Allein-Hingehen ist es eher, dass manche, die dahin gehen, sich nicht im Griff haben und die Sachen nicht im Club lassen, darüber reden, einem außerhalb des Clubs nachstellen oder nicht koscher und achtsam sind mit anderen Leuten. Vor Gewalt habe ich eher keine Angst, ich glaube, da gibt es einen ziemlich klaren Kodex in solchen Clubs, sonst könnten die nicht existieren. Ich hätte ein bisschen Sorgen bei extremem Männerüberschuss, weil da manchmal dann die Stimmung so komisch wird. Habe das schon unter fremden Leuten erlebt. ... Oder dass der eine oder andere nicht so wirklich auf Hygiene und Gesundheit achtet, fände ich auch eher abstoßend, aber schwer zu überprüfen. ...
Keine Vereinigung im Swing*rclub!
  • Vereinigung ist der Punkt, wo eben Vereinigung stattfindet – in ihrer intimsten Form für mich, inzwischen. Ich habe das mal anders gesehen, hab’ dafür keine Wahrnehmung gehabt. Aber heute will ich den anderen erst kennen lernen, wissen, wen ich da in mir habe. nicht mehr nur ein bisschen rumf*cken. ...
Wenn Sex ohne emotionale Beteiligung schwierig wird
  • Es hängt sehr vom Öffnungsgrad des Gegenübers ab. Wenn beide offen sind, ist die Begegnung da. Und wenn dazu Attraktion kommt, also gegenseitiges Gefallen und eine übereinstimmende Sprache in der Sexualität – also das ist wundervoll! Dann fließt es geradezu so ineinander. Und ich finde dann schon Küssen derartig verschmelzend und intim, dass es da eigentlich schon beginnt.
„Wie emotional wird das da?“
  • Da bin ich auch noch etwas unklar. Ich weiß ja nicht, was auf mich zukommt: Wie emotional wird das da – wie nicht-emotional? Kann ich das ab, in geballter Form Sex zu haben, oder ist es etwas, was ich nur in kleinen Portionen vertragen kann? Keine Ahnung! Im Moment vertrage ich es wunderbar in kleinen Portionen. (lacht) Sehr kleine Portionen sind das! ... Ich kann gar nicht so recht ohne [emotionale Beteiligung]! ... Aber es gibt auch immer so eine Ebene, wo ich auch trennen und dann transformieren, wo ich umsetzen muss. Ich weiß, wenn ich bestimmte Sachen mache, dann ist die Emotionalität sofort da. Dann kommt da auch auf eine Art Liebe oder eine Verliebtheit. ...
Andere studieren, wie sie sich beim Sex verhalten
  • Was mich immer interessiert, ist, wie andere Menschen miteinander umgehen. Ich will mich nicht an deren Sexualität aufgeilen, aber es interessiert mich, wie andere Menschen sich verhalten. Ich schleppe da noch so ein kleines Defizit von früher mit mir rum. Ich bin unheimlich neugierig auf deren Handeln. Können sie sich zeigen? Können sie authentisch ihre Lust leben? Spielen sie Maskerade? Und wenn sie Maskerade spielen, ist die lustvoll, oder tut es ihnen weh? Vielleicht ein bisschen sehr psychologisch, aber mich interessiert das. ...
„Neues über mich selber herausfinden zu können“...
  • ...interessiert mich, weil ich in eine Situation gerate, in einer Situation bin, der ich nie ausgesetzt war, neu reflektieren kann. Und vielleicht entsteht etwas, das ich noch nicht kenne. ...
Vorstellungen von Sexspielen zu Dritt – mit Mann oder Frau
  • Schön fände ich, mit meinem Partner und einem anderen Mann oder mit zwei anderen Männern, die mir gefallen, es zu leben, zum Beispiel. Ich finde ja Frauen auch attraktiv, von daher wäre ich durchaus auch mal daran interessiert, da noch weitere Erfahrungen zu sammeln. ... Es wäre einfacher, Erlebnisse mit einer Frau in die Beziehung zu integrieren. Rivalität zwischen Männern ist doch schneller da. ... Es wäre leichter für ihn. Und das würde auch eher rechtfertigen, dass ich allein in einen Club gehe. ... Das muss man irgendwie aushandeln. ... Ich handle [engl.] das auf jeden Fall mit meinem Partner aus! Was kann er wuppen, was nicht? Ich sage zwar, dass ich meine Sexualität nicht domestizieren will – das heißt aber nicht, dass ich über Leichen gehe. Vielleicht würde ich sogar mit so etwas [Sex zu dritt] anfangen.
„Ein unangenehmes Erlebnis ... noch mal anschauen“
  • Eine Sache, an der ich noch so ’n bisschen herumkaue, ist ein Erlebnis von früher – als ich mit neunzehn ein etwas unangenehmes Erlebnis mit meinem [damaligen] Partner hatte, der meine beste Freundin mit ins Bett geholt hatte. Ich hatte damals nicht die Wahl, konnte mich nicht wirklich wehren, war da noch nicht selbstbewusst genug. ... Das würde ich mir gern noch mal anschauen. Wobei da, glaube ich, der Swing*rclub nicht das Richtige ist. Aber was ich weiß, dass ich mich da mit Partnerkonstellationen auseinandersetzen werde. Das kommt definitiv in meinem Kopf vor. Und das finde ich spannend, das noch mal anders zu beleuchten. Habe es zwar schon recht gut zu fassen gehabt – das Thema. Es hat keine wirklichen Spitzen mehr, aber ich finde das ganz spannend, da immer mal wieder hin zu gucken. Ansonsten halte ich es möglicherweise für animierend, im positivsten Falle – animierend und freisetzend vielleicht. Oder ich merke, ich kann das loslassen, es ist überhaupt nicht meine Welt. ...

Zwischenlösung

„Ich habe im Moment eine relativ bequeme Lösung“...
  • ...für dieses ganze Drüber-Nachdenken. Ich habe nämlich einen sehr interessanten Kontakt zu einem Mann aufgetan, der das ähnlich locker sieht, und wo völlig klar ist – ganz merkwürdigerweise auch die Emotionalität nahezu raus ist – ist alles sehr sachlich.
„Eine Telefons*x-Beziehung“
  • Ich habe es so gelenkt, dass daraus eine Telefons*x-Beziehung geworden ist – ohne Treffen. Das wollte ich nicht mehr, im Moment jedenfalls nicht. Und das ist genau das, was mir im Moment gut passt. ... Ich bin damals sehr aktiv auf ihn zugegangen. Das war in der Zeit, wo ich wirklich gern in so einen Club gegangen wäre, mich aber nicht ’ran getraut hab, oder es passte nicht.
„Ich war im Notstand“
  • Da habe ich in einer Disco einfach mal geschaut, gescannt – eisenhart. Wie sieht er denn aus? Gut aussehend, gepflegt, sportlich – das waren so die Kriterien. War doch ein knallhartes Geschäft in dem Moment. (lacht) Dann bin ich auf einen zugegangen und hab’ ihn dann gefragt, ob er mit seiner Freundin da ist. Nee, er wäre’ alleine. Und dann habe ich ihn geküsst. Und dann bin ich wieder gegangen. (lacht) Ich war irgendwie ein bisschen im Notstand, muss ich sagen. Das haben ja nicht nur Männer, auch Frauen scheinbar. Auch eine neue Erfahrung. ... Dabei ist es dann aber nicht geblieben. Wir hatten noch am selben Abend sexuellen Kontakt. ...
„Genau die Ebene, die ich wollte“
  • Es war aber so, dass es mir auch gefallen hat, mit Sicherheitsstufe und allem drum und dran, schön mit Kondom. Es hat mir gut gefallen. Es war nichts, wo ich irgendwie kämpfen musste. Es war total entspannt, und auch aufregend und schön – und vor allen Dingen auf einem unemotionalen Niveau. Früher wäre ich schreiend weggerannt und hätte gesagt, das ist nichts für mich. Aber meine Emotionalität ist ja abgedeckt, ich habe ja eine Beziehung. Von daher war es einfach genau die Ebene, die ich wollte – keine Schwierigkeiten! Ich wollte dann auch gleich gehen und meine Ruhe haben. So, wie Männer – sagt man ja – eigentlich sonst sind. ...
„Da geht es dann mehr nur um meine Sexualität“
  • Ich habe aber gemerkt, dass die Beziehung zu meinem Partner in sehr intensive Phasen gekommen ist; dass wir uns so nah waren, dass ich nichts machen konnte, ohne dass mein Partner es irgendwie gespürt hat, ohne dass ich drüber sprach. Ich habe dann den direkten Kontakt zu dem Mann nicht mehr haben wollen. Telefonisch ist es in Ordnung. Da passt es dann schon. Das bin dann ICH. Da geht es dann mehr nur um MEINE Sexualität, weniger so Verschmelzung. Da kommt kein neues Wesen mit rein – nicht so wirklich. ... Ich möchte keine Verstrickungen, weil ich zurzeit eine wundervolle Entwicklung in meiner Beziehung sehe. ...
„Ich hatte vor zwei Jahren auch schon mal so was“...
  • ...Ich war da ganz sicher, dass ich mit keinem sexuellen Kontakt will, weil ich meinem Partner treu sein wollte. Das hat sich dann aber immer mehr zugezogen, und da hat sich eine unglaubliche Spannung gebildet. Ich habe dann jemanden kennen gelernt, der wollte sehr viel von mir, und ich habe ganz stark darauf reagiert. ... Ein Typ Mann, dem es leicht fällt, sexuellen Kontakt herzustellen, der sich aber vor Emotionalität fürchtet, die er aber bei mir ganz stark gefunden hat. Also im Grunde passte das vom Typus und von der Bedürftigkeit her extrem gut zusammen. Ich wollte die Sexualität, und er wollte die Emotionalität. Wir haben aber, da er auch verheiratet ist und ein Kind hat – ich habe da klare Grenzen gezogen und er auch. Ich habe da zwar kurz ’ne Phase gehabt, wo ich das doch leben wollte, habe es auch kommuniziert, aber da war er dann der, der geblockt hat. ... Gott sei Dank hat sich das dann auch erledigt. Das wäre uns sonst um die Ohren geflogen. Das war aber eine sehr starke Anziehung, sehr starke Energie. Wir haben das aber so im Kontakt, im Gespräch, im Austausch gelebt, haben das dann aber auch auslaufen lassen. ...

Alternativen zum Swing*rclub


Tantrische Beziehungen
  • Seit ich mich mit dem Swing*rclub-Thema auseinandersetze, kommen mir ständig Ideen, wie es vielleicht noch besser sein könnte. Es gab eine Zeit, wo wir sagten: „Wenn wir uns nun gegenseitig wirklich nicht genügen, und wir außerhalb der Partnerschaft Sexualität leben, dann aber bitte nicht im Freundeskreis!“ Ich finde ja beinahe, dass das, wenn man es klar hat, aber gar nicht so schlimm wäre – im Gegenteil! Aber mit der Meinung stehe ich noch ein bisschen alleine da, bei meinem Partner. Das kommt vielleicht auch durch die Beschäftigung mit Tantra, und dass ich auch Freunde in dem Bereich habe. ... Diesen eigentlichen Geschlechtsakt kann man machen, muss man aber nicht. Das andere ist eigentlich das Wesentliche – und das kann ich mir wundervoll vorstellen – auch außerhalb des Seminarkontextes Gelegenheiten wahrzunehmen und es einfach zu machen. Ich habe da das eine oder andere auch schon gemacht, aber immer mit Frauen. Das hat aber ein ganz anderes Niveau. Da geht es um ganz andere Dinge. ...
Exkurs über Tantra
  • Tantra arbeitet ja mit Energie. Das kann unheimlich taff und heftig und kriegerisch und animalisch sein – die Energie sucht sich ihren Weg. Da geht es schon auch zur Sache, aber es ist ritualisiert. Es gibt einen klaren Kontext. Man begegnet sich im Bewusstsein von etwas – von Achtung. Man begibt sich miteinander in einen speziellen Ritual-Kontext, und wenn man es dann zu zweit machen will – im ‚Roten Tantra’ – ... dann hat man seinen Schutzrahmen, in dem man sich bewegt, und aus dem man bewusst wieder austritt. Im Alltag macht man das ja eher weniger ritualisiert. ...
„Das, was ich im Moment lebe“
  • Eine Alternative ist wirklich im Moment nur das, was ich gerade lebe. [Das Arrangement mit der Telefons*x-Beziehung] ... Es hat angefangen als Spielart und ist jetzt eine Alternative zum Swing*rclub. Ich war ja schon auf sexuellen Kontakt aus. Und das stieß ja auf gegenseitige Bereitschaft. Dadurch war es auch von Anfang an klar und entspannt. Und im Grunde genommen war der Kontakt schon WIE in einem, aber eben nicht IN einem Club. Mir wurde ja schon freundlich angetragen, ob ich seinen Freund nicht auch ganz nett finde. Ich habe das dann aber abgelehnt, weil es mir doch zu heftig war. Also, ich hätte die Chance gehabt! (lacht) ... Aber ich mochte den auch nicht so sehr. Die Chance war aber definitiv da. ...

Die innere Hure...
Bei dem Bild der Hure geht es Regina um einen wichtigen Aspekt ihrer Sexualität.

...in der Partnerschaft – der Partner als Sexualobjekt
  • [Bei diesem Bild] da geht es um so eine Art Verfügbarkeit. Man ist es gewohnt, in einer Beziehung – „Ach, heute nicht, ich hab’ Kopfschmerzen“ – dass dann aber ein kurzer F*ck klasse gegen Kopfschmerzen ist, ... das fällt dann so unter den Tisch. ... Den Partner in einer Beziehung als Sexualobjekt zu benutzen, wo eigentlich viel Liebe und Wertschätzung ist, das ist ja eher eigentlich nicht der Fall! Sondern das ist ja eher so, dass man sich Rituale machen muss, damit man sich wieder auf die Sexualität einstellt. ... Dass es einen gleich in die Hose schießt, wie am Anfang, das ist nachher ja eher selten der Fall. Und den anderen einfach so als Objekt zu betrachten, und auch mal ohne stundenlange Zärtlichkeiten auszutauschen – diese ganze Nummer, das packt man doch gar nicht immer im Alltag, oder? (lacht)...
...in der Telefons*x-Beziehung – Schutz vor Emotionalität
  • Aber da ist auch nur das [die Hure]! Wenn ich da raus wollte, hätte ich ein Thema. Da bin ich erst einmal in der Schublade drin. Das ist aber in Ordnung so. Ich genieße das, mache das bewusst, fordere das auch heraus. Da gelingt es mir auch, anders als in der Beziehung. Da weiß ich genau, wie ich auf dem Klavier spielen muss, damit es auch so ist. Ich will auch nur das! Wenn ich anfangen wollte, eine Beziehung daraus zu machen, hätte ich mit Sicherheit ein Thema! ... Aus der Huren-Schublade komme ich bei dem Herrn nicht mehr raus. ... Wenn ich das versuchen würde, würde die sexuelle Spannung weggehen, in diesem speziellen Fall. ... Das ist mit Sicherheit einer, der sich mit Emotionalität schwer tut. Ich habe da eine Menge von [Emotionalität]. Ich würde immer den Kürzeren ziehen. Ich würde immer wieder in der Schublade Nummer Eins landen. Die emotionale Wertschätzung würde in dem Fall nicht so kommen. Es würde sehr, sehr schwer werden auf jeden Fall. ...
...setzt klare Grenzen
  • In der Huren-Schublade bestimme ich ganz klar meine Grenzen. Ich bestimme wie es noch okay ist und wie nicht mehr. Das ist mir auch ganz wichtig, weil es ja heikel ist, als ganzer Mensch in so einer Schublade zu sein. Also sorge ich dafür, dass es auch in Ordnung ist. Es gab Momente, wo ich die Schublade zugemacht habe und sagte: „Ohne mich!“ Das erzeugt natürlich auch eine gewisse Spannung. Das ist ein Spiel, ein ganz interessantes Spiel.
...bisher „nichts Durchführbares“ in der Beziehung
  • Aber so in der Beziehung, in der ich bin, nichts Durchführbares mit meinem Partner. ... Ich probiere mich da [in der Telefons*x-Beziehung] aber aus und sammle Erfahrungen, die ich dann auch in die Beziehung trage. Wo ich auch Selbstbewusstsein sammle, merke, die bin ich aber doch. Auch, wenn mir das mein Partner jahrelang nicht geglaubt hat, weil er es nicht glauben mag. Ich bin es aber DOCH, und ich lerne mich dadurch kennen.
...will integriert werden
  • Ich merke auch, ich kann diese Grenze ziehen, kann damit spielen, kann auf dem Klavier spielen, beobachte das in mir. Und dann kann ich ganz anders in meine Partnerschaft gehen und dann den Zweig, der mir da noch fehlt, anfangen aufzubauen – nur anders. Ich habe das Klavier ja nicht spielen gelernt, habe es früher nicht gekonnt, habe erst jetzt angefangen, es zu lernen. Ich kann es meiner Ansicht nach nur mit einem anderen lernen. Es fällt uns nicht zu, wie soll man da sonst lernen?! Daher könnten Alleingänge in den Swing*rclub super gut sein für mich, und auch für die Beziehung.

Weiter geht's mit Sandy.


Worum geht's hier eigentlich?


Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.
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Meine siebte Gesprächspartnerin Sandy

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Sandy vor, die ich so gefunden habe.

Das siebte Gespräch führte ich mit Sandy, einer unkomplizierten und aufgeschlossenen, beruflich engagierten ambulanten Familien- und Altenpflegerin Mitte vierzig. Sie lebt praktisch schon immer allein, mit Ausnahme einer kurzen Verlobungszeit vor fünfzehn Jahren. Seit etwa fünf Jahren ist sie ganz ohne festen Partner. Sie swingt regelmäßig seit etwa vier Jahren in unterschiedlichen Clubs in ganz Norddeutschland, auf privat organisierten Treffen und ab und zu auch auf recht ausgefallenen Events. Zurzeit geht sie etwa drei Mal pro Woche in Clubs, manches Mal sogar direkt nach der Arbeit. Ich habe Sandy über die Inhaberin eines Swing*rclubs kennen gelernt. An diese habe ich mich mit meinem Anliegen per E-Mail gewandt, welche dieses dann postwendend an Sandy weitergeleitet hat.

Weiter geht's mit Natalia.


Worum geht's hier eigentlich?


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Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.
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21
Sep
2006

Meine fünfte Gesprächspartnerin Iris

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Iris vor, die ich so gefunden habe.

Das fünfte Gespräch führte ich mit Iris, einer sehr selbstbewussten, impulsiven und kontaktfreudigen Frau Ende vierzig. Mit ihrer 16-jährigen Tochter lebt sie in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Sie hat zwei Office-Berufe erlernt. Außerdem hat sie sich im Bereich Public Relations weitergebildet. Aktuell startet sie in ihre Selbständigkeit. Seit einiger Zeit arbeitet sie schon als psychologische Beraterin mit dem Schwerpunkt Bewerbungsberatung. Nebenbei verdient sie etwas Geld mit dem Schreiben von Werbetexten und Artikeln. Zum Swing*n kam Iris vor etwa einem Jahr über ihre neue Internetbekanntschaft - Cora. Wie diese geht sie inzwischen häufiger meist in den kleinen familiären Club, in dem sie zusammen intuitive Massagen anbieten. Da auch sie sich gerne über ihre Erfahrungen austauscht, war sie leicht für ein Gespräch zu gewinnen. Allerdings scheute sie den Weg in die fünfte Etage, da sie seit einem schweren Autounfall eine diffuse Restangst vor dem Fallen behalten hat. Das Gespräch fand also an einem sonnigen Nachmittag bei Iris zu Hause statt. Die Begrüßung war herzlich und ließ auf Unkompliziertheit schließen. Unsere Unterhaltung war dann auch sehr lebendig. Dabei war die Tochter zwar nicht sichtbar, jedoch in Hörweite im angrenzenden Raum. Trotzdem teilte Iris ihre Erfahrungen großzügig mit, denn sie hat vor ihr keine Geheimnisse.

Bei dem Gespräch fehlte die erste halbe Stunde, da der Rekorder nicht richtig mit der Stromquelle verbunden war, sodass dieser Teil aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden musste.



Das verdichtete Gespräch mit Iris


Vorgeschichte

In Iris’ Vorgeschichte gibt es manches Schlüsselerlebnis beziehungsweise ein paar Episoden, die sie als wegweisend für ihre jetzige Haltung sieht.

Ein provozierender Fernsehabend

Vor etlichen Jahren verfolgt sie eine angeregte Gesprächsrunde im Fernsehen. Allerdings fühlt sie sich durch die libertäre Haltung eines Fotografen sehr provoziert, so provoziert sogar, dass sie beim Sender anruft, um mit ihm zu diskutieren. Daraus wird ein mehrstündiges Gespräch über Liebe, Sex, Besitzansprüche und Beziehung. Sie verabreden sich. Die Treffen wiederholen sich über einen Zeitraum, in dem Iris ihre neuen Einsichten über die diskutierten Themen wohl oder übel vertiefen muss, denn für eine „normale Beziehung“ ist dieser Mann nicht zu „haben“. Heute betrachtet sie diese Zeit dankbar als wichtigen Abschnitt, in dem sie viel gelernt hat.

„Das war eine schöne Liaison“

In einem späteren Lebensabschnitt landet Iris eines Tages auf verschlungenen Pfaden in einem einschlägigen Lokal, in dem sie einen Zuhälter kennen lernt.
  • Plötzlich dreht sich der Mann, der offensichtlich auch Zuhälter ist, zu mir um und nimmt mich in den Arm und küsst mich. ... Ich gucke den an, ... und er sagt zu mir: „Keine Angst, wir beide unterhalten uns mal!“ ... Dann hatte ich zwei Jahre lang einen Frankfurter Zuhälter als Freund, der andere Frauen anschaffen ließ, dafür, dass ich dann mit dem Taxi von Billstedt auf den Kiez fahren konnte, um da bei ihm zu sitzen und ihn zu unterhalten. Und wenn er dann mal von seinen ganzen Schichten frei hatte, nahm er sich die Türschlüssel unter meiner Fußmatte weg und fühlte sich total wohl. Der genoss die konservative Umgebung. ... Das war eine schöne Liaison.
„Ein Macho ist auch nur ein Mensch“
  • Von dem habe ich ein Stück Weiblichkeit erfahren. Ich steh’ auf Machos, mein Leben lang schon. ... Ein Macho ist auch nur ein Mensch! ... Ich habe gesehen, wo er Mensch ist, wo er bedürftig ist, wo er verletzlich ist, wo er aufmacht, zumacht, warum er das tut. ... Ich brauchte mich nur reinzufühlen und plötzlich hatte das, was andere als bedrohlich empfinden, für mich was ganz Besonderes. Irgendwann ist er zurückgegangen nach Frankfurt. Das bedaure ich heute noch.

„Ich kann sie alle heilen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe“

Iris erzählt, wie sie Anfang dreißig den Mann, der später der Vater ihrer Tochter wird, kennen lernt. Er ist Mitte vierzig und hat bereits einen erwachsenen Sohn.
  • Irgendwann haben wir so eine Art Zweckgemeinschaft gebildet und haben uns zusammengetan. ... Ich hatte den Eindruck, dass er sich öffnete, und dass er Gefühle investierte, was für ihn sehr schwierig war. ... Jemand, der alle anderen infrage stellte, nur sich selbst gut fand, jemand, der zehn Jahre [nach einem Disput mit dem Sohn, der noch ein Kind war] nicht mit ihm sprach! Es war schon sehr deutlich, wie verletzt der war. Ich habe damals immer noch das Modell verfolgt: Ich kann sie alle heilen, wenn ich mir ganz viel Mühe gebe. ...
„Und irgendwann war ich schwanger“...
...Als der werdende Vater jedoch eine Abtreibung will, packt sie ihre Sachen.
  • Ich will dieses Kind haben! ... Für mich ist es ein Geschenk! Dann habe ich mich zu Hause eingerichtet, mich vorbereitet auf dieses Kind, mich gefreut. ... Er hat sie 2-3 Mal gesehen. ... Irgendwann hat er sich immer mehr zurückgezogen. ... Er hatte mir immer sehr vorgeworfen, ihn überfallen und überfordert zu haben. ... Als Sophie in mein Leben kam, da gab es den absoluten Bruch. ... Ich war vorher erfolgreich und ehrgeizig und kopfgesteuert. Aber was Gefühle angeht – ich stellte sie infrage. ... Sophies Dasein brachte ein Chaos in mein Leben, in dem ich nur sortieren konnte und ganz viele Schubladen von Anfang an weglassen musste. Das habe ich gemacht und bin auch meinem Weg zu mir gegangen. ... Ich habe mich nicht EIN Mal verlaufen. ... Ich bin einfach gegangen und wusste genau: Egal, wo ich hingehe – ich bin nicht alleine. ...
„Aber du drehst am Rad, wenn du nur noch mit deinem Kind da sitzt“
Nach der Geburt ihrer Tochter bleibt sie fast zwei Jahre zu Hause, bevor sie wieder stundenweise arbeitet, denn ganz ohne Mann und Familie ist sie allein die Ernährerin.
  • Ich habe gearbeitet, meine Tochter versorgt, noch ein Abendstudium gemacht, sechs Semester. ... Ich wollte wissen, ob mein Kopf dazu in der Lage ist. Aber du drehst am Rad, wenn du nur noch mit deinem Kind da sitzt. Da habe ich eine Psychologin kennen gelernt, ... eine Alleinerziehende der ersten Stunde, ... die über sechzig war. ... Die hat mich vollkommen fasziniert. ...
„Durch die Gespräche mit ihr habe ich mir erlaubt, mich zu öffnen“...
  • ...wie ich es mir früher nie erlaubt hätte. Eigentlich hat sie mich begleitet, und ich habe es selbst gemacht. ... Dann war das zu Ende. Ich habe aber was Neues gesucht. Das reichte mir noch nicht.
„Dann bin ich im Internet einem Mann begegnet“...
  • ...Das passiert mir inzwischen sehr oft. ... Der faszinierte mich, obwohl wir uns nicht gesehen hatten. ... Wir haben gemailt und gechattet. ... Der hat in einer Weise geflirtet und in einer Weise geschrieben … und Worte benutzt – absolut erotisch! Es hat Spaß gemacht, viel Freude. ...
„Dann haben wir uns gesehen“...
Iris fährt in sein Seminarzentrum, um ihn zu besuchen.
  • ...Das war aber eine platonische Begegnung. Du konntest sehen, wie er vor mir, dem Urweib, zurückzuckte und sich zu Tode erschrak. ... Ich war im ersten Moment verletzt, wirklich bös’ auch auf ihn. Aber ich merkte dann, das war offensichtlich SEIN Thema. ... Und das hat mich sehr geradeaus gehen lassen und ihm wohl auch gestattet, auch weiter mit mir umzugehen. ...
„Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis“
Nach diesem Treffen folgt Iris, vor ungefähr drei Jahren, seiner Einladung zu dem zehntägigen Gruppen-Seminar „Die Heldenreise“.
  • Zehn Tage Konfrontation mit mir! Das war ein absolutes Schlüsselerlebnis, das ich jedem Menschen, der auf der Suche nach sich selbst ist, empfehlen würde. ... Es war genial, ein Faszinosum – ... stimmig für meine Spiritualität und für das Bewusstsein, dass ich niemandem, außer mir, Rechenschaft schuldig bin, nur für einen einzigen Menschen die Verantwortung habe und machen kann, was ich will. Schwer zu beschreiben, aber es war für mich wichtig. ... Ich wollte damals nach drei Tagen abhauen, nicht, weil es mir so schlecht ging, sondern weil ich dachte, ich störe durch meine Problematik die anderen viel zu sehr. ... Ich habe die ganze Nacht mit mir gekämpft, ... bin am nächsten Morgen in meine Gruppe, und ein junger Mann, ... der nahm mich in den Arm und sagte: „Ich hab’ dich lieb!“ Da habe ich angefangen zu heulen. (lacht) ... Das hat mich damals beglückt in einer Weise, die bei weitem höher und weiter, runder und fröhlicher machte, als alles, was davor war. Und ich wollte das auch annehmen.
Kurze Zeit später macht sie im Internet ihr Forum auf (in dem es um Spiritualität und Selbsterfahrung geht), über das sie im vergangenen Jahr ihre jetzige Freundin kennen lernt, die bereits viele Erfahrungen in Swing*rclubs gesammelt hat.


Der erste Clubbesuch


‚Wa(h)re Liebe’ – „Das war alles, was ich wusste über Swing*rclubs“
  • Ich habe viel freie Zeit gehabt ... und dann ‚Wa(h)re Liebe’ geguckt. ... ‚Wa(h)re Liebe’ hat ja ein großes Herz für alles, was mit Sex und Erotik zu tun hat und explizit auch für Swing*rclubs. ... Ich hatte durchaus auch Lust, weil ich gesehen habe, wie die Menschen sich da teils auch sehr offen begegnet sind. Das war alles, was ich wusste über Swing*rclubs.
„Und dann kam Cora: >Ich zeig dir jetzt mal Einen!<“...
  • ...Da bin ich dann also hin mit ihr, schon ein bisschen aufgeregt. Habe mir da dann den netten jungen Mann [beim Einlass] angeguckt, wie der in den kurzen Shorts, leicht behaart und gut duftend vor mir stand. Mir war da doch so ’n bisschen komisch. ... Cora hat mich dann vorgestellt. ... Dann hab’ ich mir das alles erst mal angesehen ... Ich bin dann in die Bar, da saß ein verlorenes Männchen. Dann füllte sich der Raum aber relativ schnell mit mehr Männern. ...
„Cora wurde immer lebhafter und ich immer ruhiger“...
  • ...Da war aber nicht einer, wo ich gesagt hätte: „Hmm!“ – außer dem hinterm Tresen. Aber selbst den nur bedingt. ... Ich dachte, du sitzt jetzt als einzige Frau hier unten, da in der Ecke ist noch eine, offensichtlich verliebt in den Kandidaten hinterm Tresen und auf mich eifersüchtig, weil er sich im Moment mehr auf mich fixiert.
„Was mache ich denn jetzt mit den ganzen anderen Kerlen?“...
  • ...Dann habe ich gesehen, dass da Peitschen hingen. ... Ich hab’ die genommen, lang gezogen, ... mich gerade hingesetzt und gesagt: „Hat irgendjemand noch ’ne Frage?“ „Nö!“ Nach ’ner ganzen Weile kam dann: „Ja, ich schon!“ „Zu spät!“ (lacht) Der hatte Bock auf ’ne Domina. ... Der dachte, er könnte mich auf diese Weise rankriegen. Aber ich hatte keinen Bock, ich wollte den nicht, überhaupt nicht! ... Dann hat mich kein Mensch mehr angemacht.
„Dann bin ich ein zweites Mal allein hingefahren“...
  • ...eine Woche später. Ich habe dort angerufen, ich wusste, dass der hinterm Tresen sonntags Dienst hat. Habe gesagt, ich möchte vorbeikommen. Und ich möchte mich absichern, will nicht von irgendwelchen Typen angequatscht werden. ... Und er sagte: „Du kannst sowieso NEIN sagen, aber wenn es dir hilft, dann bist du eben bei mir!“ ... Da waren ganz andere Leute, auch gut aussehende, aber ich hatte überhaupt keinen Impuls. ...
„Wozu soll das gut sein?“
  • Und da war das Thema für mich auch erst mal durch. Das reizte mich überhaupt nicht. Weißt du, Cora machte da am ersten Tag mit drei vier Männern rum, und nicht einer war dabei, der irgendwie – ich weiß auch nicht. ... Die hat wirklich einen attraktiven Mann zu Hause und kann auch andere kriegen. Ich hab’ mich gefragt: „Wozu soll das gut sein?“ ... Ich habe mich später von dem etwas Dominanten hinterm Tresen ein bisschen streicheln lassen, weil ich wissen wollte, wie ich reagiere. ... Das hat kein Mensch mitgekriegt, wir waren ganz alleine. Ich habe das genossen, aber ich habe es dabei belassen.

Cluberfahrungen


„Inzwischen ist es so“...
  • ...Wenn da was schwingt, artikuliere ich unter Umständen ein Bedürfnis. Ich kann das aber an einer Hand abzählen, ... wobei ich nur mit EINEM geschlafen habe – Nein, mit zwei, wenn ich Achim dazuzähle. Die anderen sind erotische, sexuelle, wundervolle Begegnungen, ... pure Lust. ... Das eine Mal war das ein Mann, den ich gern habe, der verheiratet ist, dessen Frau aber keine Libido mehr hat wegen Medikamenten. ... Das zweite Mal war mit einem [Peter], der hat mich angefasst, hat genau gewusst, was ich mag.
„Das war reine Lust pur“…
  • ...Von mittags bis irgendwann nachts. ... Ich kenn’ mich so auch gar nicht. ... Ich hatte den schon einmal abgelehnt, weil ich damals verliebt war, und ich bin keine, die sich dann aufmacht und mit Männern rummacht. Ich kann auch in einen Swing*rclub gehen, um Spaß zu haben. Ich muss nicht hingehen, um ’rumzupoppen.
„Ganz spielerisch und mühelos ausprobieren“
  • Er [Peter] hatte sich nun sehr gefreut, dass ich mich ihm zuwandte. Er hat sich sehr um mich gekümmert. ... Ich habe es genossen, mich einfach fallen gelassen, mich berühren lassen. ... Er konnte die Hände nicht von mir lassen, und ich wollte das auch gar nicht. ... Ich habe gesagt: „Ich hab’ viel zu lange gewartet, ich bin noch lange nicht fertig!“ ... Und er lacht und macht immer schön weiter, und wir haben unseren Spaß, nur Spaß! ... Der hat einfach diese Sensibilität, hat sofort gespürt, was ich möchte, und hat es umgesetzt. Ich musste es nicht erklären. ... Ich würde immer wieder mit dem zusammen sein. Es ist fantastisch, überhaupt nicht verpflichtend, wundervoll schwingend, sich gegenseitig beschenken, Lust leben, Freude haben. Das hat für mich mit Sex in der klassischen Weise überhaupt nichts zu tun. Und in diesem geschützten Raum, wo ich mich auch noch bewegen kann in bestimmten Bereichen, und die Orte wechseln kann, wenn ich es will. Das ist doch absolut genial! Da kann ich doch ganz spielerisch und mühelos ausprobieren, lustvoll und freudvoll und friedvoll und auch nicht friedvoll, je nachdem, was ich will.
„Der ganze Club als Spielplatz“
  • Der Andere, der mich genauso begeistert hat – mit dem habe ich wirklich GESPIELT. Wir haben den ganzen Club als Spielplatz genommen. Wir haben ihn massiert. Ich habe dann mit ihm im Bett gelegen, da war Cora noch dabei. Dann waren wir an der Bar, dann noch mal irgendwo rein, und irgendwann musste er los.
Massagetermine
  • Und dann massieren wir wieder jemanden, der ist wesentlich jünger, viel introvertierter, offenkundig aber auch tantrisch erfahren, kannte Kamasutra, war lange in Indien. Er genoss deutlich kommunikativ. ... Wir verabschiedeten ihn und massierten den nächsten, der es ebenso genoss und es ebenso fröhlich kommunizierte. ... Wieder unten in der Bar ... guckt mich dieser Alex so an: „Du hast mich so klasse massiert, möchtest du auch mal?“ „Ja! – Lass uns in den Whirlpool gehen!“ Der Zweite kommt mit. Wir, zu dritt in den Whirlpool – einer massiert den einen, der andere den anderen Fuß. Ich wollte dann raus aus dem Wasser. Wir sind dann in den Raum. ... Ich merkte, dass Alex vollkommen bei mir ist, der andere eher einen gestressten Eindruck machte. ... Der ging dann auch. ...
„Regenbogenorgasmen ohne Ende“
  • Und der andere [Alex], der hat, ich weiß nicht wie lange, nur meine Klitoris stimuliert. Ich habe Regenbogenorgasmen gehabt ohne Ende. Da liegt jemand neben dir, ist offensichtlich voller Lust, hat aber keinen Anspruch, null. Sagt nicht mal, sein Arm sei lahm oder so ’was, sondern ICH, ich hatte das Gefühl, ICH muss sagen, ich kann nicht mehr! … Dass ich das so gut annehmen kann, ist ein Novum. Das ist mir früher sauschwer gefallen. Ich dachte eher immer: Das steht mir nicht zu, ich muss eher für die anderen etwas tun. ...
„Ein absolut sicherer Raum“
  • Der Swing*rclub an sich, wenn ich die zwischenmenschlichen Sachen da rausnehme, ist ein absolut sicherer Raum, in dem ich als Frau – meistens ohne finanziellen Einsatz – in einem sehr gepflegten Ambiente, mit unterschiedlichsten Spielmöglichkeiten, mit Wellness-Möglichkeiten, mit fantastischem Essen und Getränken, und wundervollen Gesprächen, Menschen begegne, mit denen ich, wenn ich das will, auch erotisch kommunizieren kann. ... Ein Bereich, der mir erlaubt, mich auszuleben, mich auszuprobieren, all das zu tun, was ich mir wünsche und mir vorstelle, ... ohne dass jemand auch nur den Ansatz machen würde, mich reglementieren zu wollen oder gar kritisieren zu wollen. Das einzige, das da passieren könnte, ist, dass jemand Nein sagt. Ist zwar noch nicht passiert, aber könnte ja. ... Ich sage ja auch Nein. …
„Wenn ich das früher gewusst hätte“
  • Ich könnte auf viele Jahre verzichten, rückblickend, obwohl auch all das einen Sinn gehabt hat. Aber wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich nicht in einer Disco sitzen müssen oder in Bars oder sehnsuchtsvoll schmachtend zu Hause.
Trotz ihrer guten Erfahrungen würde sich Iris nicht als Swing*rin bezeichnen, denn dieses Etikett passt ihrer Ansicht nicht zu der Art, wie sie diese Möglichkeit nutzt.
  • Wenn mich jemand fragt, ob ich Swing*r bin, würde ich immer NEIN sagen.
„Für mich steht Liebe da drüber“
  • Es geht mir immer um Berührung. Für mich steht Liebe da drüber. Und Liebe umfasst für mich alles das, was mit Sinnlichkeit zu tun hat: Mit dem Wahrnehmen, dem Entdecken, dem Berühren von Lebewesen. Das kann auch mein Kater sein. ...
Frauen
  • Eigentlich bin ich passiv-erotisch – wenn man Fantasien hat, sie aber nicht lebt. Inzwischen habe ich es gehabt, es kennen gelernt. Ich bin mit Sicherheit nicht bisexuell. ... Ich fand es witzig, dass ich darauf reagiere, aber es hat mich nicht so fasziniert, dass ich tauschen möchte. ...
Zuschauen
  • Ich finde es witzig manchmal, einfach nur, um die Schwingungen der anderen aufzunehmen. Es gibt welche, die hörst du nicht, die fühlst du nur. Du merkst die Lustkurven und kriegst es mit. Es ist auch reizvoll manchmal, zu sehen, dass jemand ästhetisch schön gebaut ist. ...
Gangb*ng
  • Ich habe es mir angesehen, es hat auch einen gewissen Reiz, ... aber es gibt Kopfkino und Realität. ... Ich glaube, die können sich nicht mehr fühlen – nur über die Bestätigung von außen. Wenn ich mir die Frauen ansehe – ... das hat für mich mit Liebe nichts mehr zu tun. Das ist ein Brauchen und gegenseitiges Benutzen. Wenn ich mir dann die Männer angucke, wie sie da erwartungsfroh stehen, und wenn sie dran sind, oft auch versagen, weil sie einfach auch geschockt sind über das KALTE. ... Mir reicht es schon, zu sehen, wie eine Frau fixiert ist in so einem Gestell und offensichtlich Freude daran hat, dass ihr Herr es gestattet, dass andere sie berühren, ... und dass sie von allen „begehbar“ ist, ... oder „bespielbar“. ... Aber wenn es die Leute antörnt und es ihnen Spaß macht, sollen sie es tun. ...
Kopfkino vs. Realität
  • In meinem Kopf finden Sachen statt, die könnte ich nicht mal erzählen. Will ich auch gar nicht. Aber in meiner Realität würden sie keinen Raum haben. In dem Moment, wo sie stattfinden sollten, würde mir alles vergehen. Das sind verschiedene Ebenen. Was ich oben im kopf erschaffe, findet auf einer anderen Ebene dennoch statt. Aber auf einer, wo ich das beeinflussen kann. ... In dem Moment, wo ein anderer eingreift, ... gibt es plötzlich Wirklichkeiten, alles, was Dualität ausmacht. Da will ich es nicht haben! ... Sobald irgendjemand beteiligt ist, gibt es einen Energie-Austausch, verändert sich die Schwingung, ist es nicht mehr das, was es gewesen ist. Ich glaube, ... wenn ich es mit dir teile, kriegt es schon eine Veränderung, wenn ich es beschreibe, selbst wenn wir es gar nicht verändern wollen. Also lasse ich es da, wo es ist und erzähle nach Möglichkeit nichts davon. ... Ich habe auch Lust, neue zu erschaffen, ganz verrückte Sachen, und bringe Menschen [in der Vorstellung] zusammen, die in ihrem Leben nie zueinander kommen würden. ...

Männer


Der Umgang mit Männern angesichts der heranwachsenden Tochter

Iris hat sich gefragt, wie sie ihre Tochter angemessen mit wechselnden Partnern und ihrem Sexualleben konfrontieren kann, und was sie ihr zumuten kann.
  • Wenn ich heute mit einem Mann liiert bin, und hier taucht ein anderer auf, und meine Tochter fragt nach, dann kriegt sie eine wahrhaftige Antwort, warum das so ist. ... Ich mache das erst seit drei Jahren, dass Männer auch in mein Haus kommen dürfen. Und dass ich sie damit konfrontiere, dass ich ihr zumute, zu akzeptieren, dass ich auch eine Frau bin, mit einer ... Sexualität, die sie manchmal auch aushalten muss, zum Beispiel wenn ich [erotisch] telefoniere. Das ist ihr zumutbar. Und ich frage sie auch schon mal, ob sie bei einer Freundin schlafen kann. Oder ich bitte ihn, ins Hotel zu kommen, wenn ich weiß, dass er die Kohle hat. ...
Davor...
  • ...habe ich mich einfach zurückgezogen, weil das, was ich erlebte, nicht das war, was ich erleben wollte. ... Es ist nicht so, dass es mir keinen Spaß gemacht hätte. ... Ich habe mir einfach Raum genommen für andere Dinge, ... mich gefragt, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, die sich schöner, besser, interessanter anfühlen. ... Ich habe nicht gehadert mit irgendeinem Menschen oder mit mir, mit meinem Schicksal. Ich habe gemerkt, das gefällt mir nicht, also lasse ich es. ... Ich habe mich um unser beider [Mutter und Tochter] Leben und Fortkommen gekümmert, ... habe lange Zeit überhaupt keinen Mann gehabt, habe es aber nicht vermisst. Es hat mich gar nicht interessiert; was nicht heißt, ich habe keine Kontakte zu Männern gehabt. Aber Erotik und Sexualität, die habe ich gelöst über mich und meine Hände. Und das durchaus leidenschaftlich und auch sehr lustvoll. ... Ich habe meine Körperlichkeit geliebt, und ich habe sie immer geliebt. ...
„Da habe ich auch viel von Männern gelernt“
  • Was alles machbar ist – da habe ich auch viel von Männern gelernt. Wenn ich mir einen Freund angucke, mit dem ich noch Kontakt habe, was der für Ideen hatte, ... sehr reizvoll, sehr lustvoll, sehr anregend, machte mir großen Spaß, ... angefangen vom Massieren, über Düfte, Kleidungsstücke, über Spielzeug, die Kontrolle von Muskeln oder ganzer Teile der Vagina oder dem Brustorgasmus [es werden nur die Brustwarzen stimuliert] Ich dachte, die spinnen doch alle, bis ich ihn erlebt habe. Das ist so geil ... wirklich unglaublich. ...
„Ich möchte meine Freiheit und er soll seine behalten“
  • Ich habe lange Jahre gewollt, dass mich EIN Mensch glücklich macht, und ich möchte das auch immer noch. Es hat sich einfach nur die Prämisse verändert. Ich möchte meine Freiheit, und er soll seine behalten. Ich muss mit ihm nicht in EINEM Haus zusammen leben, und selbst wenn, möchte ich mein Schlafzimmer behalten. Ich will schnarchen können. Ich möchte mich zurückziehen können, meinen Raum haben, der meine Schwingungen hat, in dem ich mich wirklich frei fühlen kann. ... Ich will ihn einladen, und er kann mich einladen. Ich möchte, dass der sich lebt, und wenn dazu gehört, dass er swingt, dann soll er das tun. Die Einschränkung wird sein, ... immer nur mit Gummi. Ich muss mich nicht Risiken aussetzen, die ich vermeiden könnte. ...
Männer eher für das EINE
  • Es gibt den Jörg da im Club, der mich auch privat angerufen hat eine Weile, der mich einfach gut berührt, fantastisch, aber ich würde nie mit dem irgendwas anderes machen wollen – außer da. Der Alex, der sich wirklich gut anfühlte, und auch ein liebevoller, reizender, junger Mann ist, der wäre mir auf der Straße vermutlich gar nicht aufgefallen. Der Peter ... wäre mir auch nicht auf der Straße aufgefallen. Den hätte ich auch nicht gern als Partner an meiner Seite. Wenn der im Club ist, freue ich mich, dann mache ich wieder was mit dem. Ich habe noch keinen einzigen Mann dort getroffen, wo ich das [Bedürfnis nach mehr] hätte. Aber ich möchte das in keiner Weise ausschließen, ich halte das für möglich. ...
Platonische Freundschaften
  • Ich habe viele platonische Freundschaften, wo ich den Menschen lieben kann, aber meine Sexualität nicht leben kann. ... Meine Sexualität leben ohne Liebe ist nicht das, was ich will. ... Wenn ich mich selber lieben will, mir selber vertrauen möchte, dann kann ich nur das Ganze tun. ... Ich kann dann in den Spiegel gucken. ...
Erotische Kontakte zu Männern außerhalb des Clubs
Iris hat außerhalb der Clubs aktuell nähere Kontakte zu Mark und Norbert und Achim, die nicht alle voneinander wissen.
  • Ich bin doch nicht verrückt und baue mir da Probleme rein! Nein! ...
Zwei davon sind dominant.
  • Mein Interesse für BDSM ist ganz neu. Das war außerhalb meiner Vorstellung, dass mich das überhaupt reizen könnte. ... Achim ist ein dominanter Mann, der lebte das aber schon ganz lange nicht mehr, weil seine Frau das überhaupt nicht mag. Seine erste Frau schon. Die ist eine Devote. Also da hat er sehr viel gelernt. Und wenn er merkt, dass mir das Spaß macht, spielen wir. ... Dem verdanke ich, dass bestimmte Berührungen, bestimmte Punkte an meinem Körper, Lust vermitteln können. Das Ganze ist ein Sich-Entwickeln, ein ständiger Reiz. Ich habe einen Schalter – wenn ich das nicht will, schalte ich ihn ab, und wenn ich es will, schalte ich ihn wieder an. Ein Mann aus dem Genre, der BDSM richtig betreibt, hätte damit absolut Mühe, weil ich nicht in seine Schemata passe. Nein, der behauptet, er spielt nicht, dabei tut er das auch. Aber Spiel ist für ihn ... negativ besetzt, was ich nicht begreife. ...

Internet und Telefon


„Ein Portal zu Menschen“
  • Das Internet ist eine absolut legitime Toreinfahrt, ein Portal zu Menschen. ich habe viele kennen gelernt, die ich liebe und ehre und schätze. ... Zum Beispiel Hermann, der mir am Telefon und im Internet geholfen hat, meine Weiblichkeit wahrzunehmen, zu heilen, mit meiner Mutter klar zu kommen, die schon längst tot war – ... Schlüsselmomente, in denen ich selber für mich gut gesorgt habe, für ihn auch. Das war immer ein Wechselspiel. ... Das Passende und Ausgleichende war immer da, immer spielerisch, immer mühelos. ...
Cybersex
  • Es ist außerordentlich reizvoll, wenn mir jemand [am Telefon oder im Chat] erzählt, ich werde dich da und da fixieren, und dann dürfen dich die und die ... Wenn das jemand in der Realität machen würde, würde ich sagen: „Du bist nicht ganz dicht!“ Aber im Kopf sind diese Bilder total reizvoll. ... Aber ich möchte das nicht real erleben! Ist nicht meine Welt, muss ich nicht haben!
Tele(fon)pathie
  • Männer fallen reihenweise in Ohnmacht, wenn sie mit mir telefonieren oder chatten. ... Dann mache ich die völlig fertig, in dem ich ihnen sage, was sie gerade denken, ... weil ich es wahrnehme. ... Ich spüre 1:1 das, was sie denken. Und das geht bis zum Orgasmus. ... Es gibt Männer, die das noch nie erlebt haben. (lacht) ...
„Ich fand das Internet am Anfang etwas komisch“...
  • ...weil das neu für mich war. Dann habe ich aber gemerkt, dass es mit denen, wo es passte, reizvoll und lustvoll war. ... Oft kurze Zeit später mündete es in Telefonkontakt. ... Entweder ist es einfach irgendwann vorbei, weil es so sein soll, oder es sind Kontakte, die schon vier bis fünf Jahre andauern, nicht nur in diesem Segment, sondern die darüber hinaus gewachsen sind, Freundschaften sind. ...
Angemacht werden
  • Wenn es mal so ist, dass jemand mich in einer derart platten Weise zu animieren versucht, ... da sage ich auch NEIN, aber in einer Art und Weise, die ihn fast immer dazu bringt, zu sagen: „Hey, du antwortest ja wenigstens, und dann auch noch so nett!“ Und ich merke ja, wie gequält die alle schon sind; weil sie in ihrer sehr simplen Weise, die auch sehr naiv und unbeholfen ist, einfach gar nicht die erreichen, die sie wollen. Und wenn ich dann einfach nur drei vier nette Worte sag’: „Du, entschuldige mal, ich möchte nicht!“ – oder mir einfach Dinge einfallen lasse, ... nur, um sie nicht zu kränken ... und ihnen dabei noch das Gefühl gebe, ich habe sie wahrgenommen. ...
Angenommen werden
  • Früher hatte ich Mühe, mich derer zu erwehren, die mich vereinnahmen wollten. Dann gab es eine Phase, da habe ich nicht gewollt, dass mich jemand sieht. Und wenn ich wahrgenommen wurde, hat es mich erschreckt. ... Außer im Beruf, das hat immer funktioniert. Heute bin ich immer wieder erstaunt über die Freude und Offenheit und Fröhlichkeit, mit der sie mich [online] annehmen. ... Wenn ich drei Tage in einem Chat nicht auftauche, und alle losschreien: „Wo warst du denn so lange? Was machst du? Ich habe noch eine Frage, kann ich dich nicht mal privat anrufen?“ ... Dann merke ich, dass es ein absolut guter Weg ist. ...
BDSM
  • Das ist ein ganz interessantes Spektrum von Menschen, das sich da [im Netz] tummelt. ... Das ganze Genre interessiert mich. ... Eine Frau rief mich vorhin an, die ist „Sub“*, also sehr masochistisch. Wenn die manchmal von ihren Geschichten erzählt, dann denke ich: Boah, was geht da ab? Aber ob ich mich da einlassen würde, weiß ich nicht.
„Ein Regenbogenspektrum“
  • Also dort [im Netz] gibt’s auch ganz andere Ebenen, was Erotik angeht, wo man einfach auch lernt und sich austauscht, fasziniert hinhört und sich auch mal einfühlt. ... Das ganze Leben ist ein Regenbogen-Spektrum. Ich glaube, ich werde das [alles auszuprobieren] nie schaffen – aber vielleicht komme ich ja noch mal wieder. ... Aber bestimmt nicht als Kerl. Ich finde Männer haben’s gerade ganz schön schwer. (lacht) ... Und ich bin froh, dass ich mein eigenes [Geschlecht] inzwischen ganz gut beherrsche. ...
Erfahrungen mit der eigenen Website
Iris und ihre Freundin betreiben unter anderem eine gemeinsame Website, auf der sie ihre Massagen anbieten. Da es bei Männern oft zu Missverständnissen bezüglich des Angebots kommt, haben sie die Texte überarbeitet.
  • Es steht da jetzt auch drin, dass es wenig Sinn macht, wenn jemand glaubt, dass er von uns eine sexuelle Dienstleistung bekommt. Es fasziniert mich – wenn ich mich und Cora angucke [auf den Fotos] – die Männer können andere Frauen kriegen! Ich verstehe nicht, wo die hingucken, was die sich vorstellen. ... Sie wollen ganz oft einen Dreier, egal, was man schreibt. ... Die sehen nur, was sie sehen wollen. Im neuen Text ist ganz klar und präzise, was es wirklich ist. ... Und dennoch gibt es Männer, die setzen sich darüber hinweg! Ich kann ausrasten oder mich fragen, wie groß muss die Bedürftigkeit sein?! Ich nehme es denen nicht übel, ich finde es eher komisch, weil es wirklich manchmal schon eigentümlich ist, was die sich zurechtschustern und immer noch ihre Wünsche artikulieren können. ...
Mutter und Tochter – Online
  • Die meisten wissen auch, dass ich ein Kind zu Hause habe und fragen erst mal nach, ob ich das bin. Aber manche gehen einfach davon aus, dass ich das bin. … Meine Tochter hat dann die Order, mich zu informieren. Es gab eine Situation – den Kerl habe ich zur Sau gemacht – der Kerl hat sie angemacht, in einer Weise, die ihr nicht gefallen hat. Sonst sind da nur freundliche Leute, die mir sagen, was für eine tolle Tochter ich habe, und wie liebevoll ich mit ihr umgehe, wie reizend und gut erzogen sie ist. ...

Wandel

Von der „Twiggi“ zum „Urweib“
  • Es gibt ein Schlüsselerlebnis, als ich aufhörte, zu rauchen, vor vier Jahren. Da habe ich das Problem gehabt, dass ich gute fünfzehn Kilo zugelegt hatte. Und die sitzen überall, durchgängig. ... Und aus Frau Twiggi mit 75 B wurde das Urweib mit 90 D. Damit hatte ich anfänglich ein Problem, das war mir zu üppig. Das wollte ich nicht. Seitdem ich angefangen habe, es [den Wunsch, schlanker zu werden] wieder loszulassen, geht auch die Figur wieder, ohne, dass ich mich anstrengen muss, ohne dass ich kämpfe. Vorher ... mochte ich weder die Dellen im Oberschenkel noch diesen Atombusen. Inzwischen gehe ich ganz anders damit um. Ich habe über dreißig Jahre geraucht, war diese schöne, schlanke Blondine, eher gazellenhaft. ...
„Wer bin ich eigentlich?“
  • Wenn ich mir die vier fünf Jahre angucke, wo sich das ganze Bewusstsein in dem Kontext: Wer bin ich denn eigentlich, was bin ich, was macht mich aus? – gewandelt hat, kann ich annehmen, dass ich wirklich Weib bin und das auch gern bin und es auch auslebe, ... meine Bedürfnisse auslebe.
„Ich bin der Boss“
  • Unter Bedürfnisse meine ich nicht nur Sex. Chinesisch essen zu gehen, mache ich mit der gleichen Lust, wie einen Mann mit dem Mund zu verwöhnen. Da ist für mich kein Unterschied mehr. Wenn ich nicht mehr katalogisieren will, wenn ich weg will aus dieser Begrenztheit des gesellschaftlichen Seins, dann habe ich eine Freiheit und einen Raum, der mich manchmal erschreckt, weil ich gar nicht weiß, wann der zu Ende ist. ... Raum und Abenteuer ohne Ende, ... ein einziger, interessanter, abenteuerlicher, reizvoller, beglückender und freudvoller Seins-Aspekt. Und die Einzige, die darüber befindet, ob ich das will oder nicht, ob ich das mache oder nicht, das bin ich. Ich bin der Boss! Und wenn ich das mal spielerisch anders haben will, mich zum Beispiel mal dominieren lassen will, dann, weil ich da Lust zu habe. ...

Biografisches
Iris wird als erste Tochter unehelich geboren und nach der Eheschließung von ihrem leiblichen Vater adoptiert. Nach ihr kommen noch drei Brüder zur Welt. Beide Elternteile sind cholerisch. Die oft überforderte Mutter schlägt schon mal mit der Peitsche zu. Der Vater ignoriert sie eher und verschont sie mit Schlägen. Im Alter von dreizehn Jahren versucht der Vater, sie im Schlaf zu penetrieren.
  • „Ich hatte nie das Gefühl, dass mir wirklich schlimm was passiert ist“
    Das ist für mich alles verarbeitet. Ich habe es auch mit meinem Vater, als er schon tot war, geklärt. ... Ich hatte nie das Gefühl, dass mir wirklich schlimm was passiert ist. Ich war einfach nur beleidigt und verletzt und irritiert darüber, dass dieser Mann ... sich erdreistete, mich genau da nun haben zu wollen. ... Ich bin nur in einem bestimmten Moment wach geworden. ... Irgendwo war da eine Grenze. Und diese Grenze, die schmerzhaft war, die hat mich da wohl auch rausgeholt [aus dem Schlaf].
„Der hat alles angemacht, was Frau war“
  • In der Folge – was ich nicht verstanden habe – hat er sich nackt präsentiert, wenn andere nicht da waren oder hat durch andere Sachen versucht, deutlich zu machen, dass ich ihn wahrnehmen müsste. Ich habe erst im Nachhinein verstanden, als mein Vater verstarb und meine Großmutter sagte: „Der hat alles angemacht, was Frau war“ – mich und meine Tanten. Ich wusste das nicht. Das war eine Nach-Information. ...
„Ich habe es meiner Mutter erzählt und kriegte eine geknallt“...
  • ...Ich habe es eigentlich meinem Bruder erzählt, und ich kriegte DAFÜR eine geknallt. ... Sie hat dann hinterfragt, und mir, aufgrund der Informationen, die ich ihr geben konnte, geglaubt. ... Das hat sie massiv geschockt, was verständlich war. Sie hat sich dennoch nicht getrennt von ihm. Aber sie hat für die Therapie gesorgt und für das häufige Außer-Haus-Übernachten. Sie hat mir aber nicht geglaubt, was ich ihr erzählte über seine Präsentation. ... Ich dachte, das ist ein Witz. ... Er hat es dann irgendwann wieder gemacht. ... Ich bin nach oben gegangen zu unserer Nachbarin, wo ich meine Mutter wusste. ... Sie sollte mal mit runter kommen. ...
„Dann ist sie ins Wohnzimmer und hat ihn da sitzen sehen“...
  • ...Die hat es kapiert, eigentümlicherweise. Da war ich total erstaunt über das, was in meiner Mutter war. Sie hat sich dann etwas später scheiden lassen. ... Aber da war das Schlimmste eh schon alles gelaufen.
„Sie hat mir da das Gefühl gegeben: Du bist da und du bist mir wichtig!“...
  • ...Sie sagte nie, ich liebe dich, aber ich sah das zumindest in diesem Moment. Sie tat es für mich und ein Stück auch für sich, was ich damals nicht gesehen hatte. Ich habe nur gesehen, sie schützt mich ... in meiner Identität, in meinem Sein. ... Ich weiß, dass mir das fast mehr gegeben hat als das ganze Gelaber mit der Psychologin.
„Er hat sie alle gequält“...
  • ...meine Mutter, mich, meine Brüder auch. Ich erinnere eine Situation – ich bekam [von der Mutter] einen Anschiss, weil ich zu gutgläubig sei. ... Irgendjemand erzählt mir was, ich glaubte das und erzählte das zu Hause, ... ich war absolut sicher. ... Und ich habe gestritten, weil ich mir das nicht nehmen lassen wollte, auch heute nicht. Er [der Vater] hat mich vorher nie geschlagen, sich auch nie in dieser Weise in die Erziehung überhaupt eingebracht. Er hat mich missachtet. Ich war für ihn nicht vorhanden. ... Er hat mir da SO eine geknallt, dass ich durch die Glastür im Wohnzimmer geflogen bin. Hat er bestimmt nicht gewollt. ... Ich bin durch die nicht mehr vorhandene Scheibe wieder zurück ins Wohnzimmer und habe mich vor ihm aufgebaut ... und habe mit den Fäusten auf ihn eingetrommelt. ...
„Ich mache mein Ding allein!“
  • Ich weiß nicht, wo das hergekommen ist. Ich weiß aber, dass ich in dem Moment meine ganze Familie verteidigt habe. Er stand vor mir, knallrot im Gesicht, und ... hat sich umgedreht und ist weggegangen. Und kurz darauf sind meiner Mutter die Augen aufgegangen und ihr Prozess ist in Gang gekommen. An dem Tag habe ich beschlossen: Ihr seid alle viel zu blöd für mich! Ich mache mein Ding allein! Das Ding ist sehr tief in mir drinnen. Das war, nachdem er sich versuchsweise an mir vergangen hat.
Schwieriges Erinnern
  • Mein Bruder und ich, wir haben beide das Problem, dass fast dreizehn Jahre unserer Kindheit weg sind. Er erinnert genauso wenig wie ich. Ich habe durch die ‚Arbeit mit dem inneren Kind’ damals mir alles wieder geholt, was sehr schmerzhaft gewesen ist. ... Diese Geschichte [die körperliche Auseinandersetzung mit dem Vater] weiß ich, die muss mir keiner erzählen, diese Erinnerung kann ich mir selber wieder holen. Manches andere wurde mir erzählt, oder es kommt durch das Re-Erinnern. ...

Weiter geht's mit Regina.


Worum geht's hier eigentlich?


Für neue Leser:
Sie lasen soeben einen Teil aus meiner Diplomarbeit.
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20
Sep
2006

Meine vierte Gesprächspartnerin Cora

Heute stelle ich Ihnen kurz meine Gesprächspartnerin Cora vor, die ich so gefunden habe. Im Anschluss veröffentliche ich das Gespräch mit ihr in verdichteter Form.

Das vierte Gespräch führte ich mit Cora, einer warmen, natürlichen und in sich ruhenden Frau Anfang vierzig. Sie ist seit fast zehn Jahren geschieden und lebt mit ihren beiden jugendlichen Kindern in einem kleinen Ort an der Elbe bei ihrem neuen Freund, den sie in einem Swing*rclub kennen lernte. Kurz nach ihrer Scheidung besuchte sie zum ersten Mal einen Swing*rclub. Zurzeit geht sie ungefähr 1-2 Mal pro Woche mit oder ohne ihren Partner in verschiedene Clubs in und um Hamburg. Sehr häufig besucht sie einen kleinen, familiären Club, in dem sie auch – zusammen mit einer neuen Freundin (Iris) – intuitive Massagen anbietet. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als freiberufliche Bilanzbuchhalterin und mit der Gestaltung von Webseiten. In ihrer Freizeit pflegt sie fleißig Kontakte übers Internet und widmet sich ihrem zweiten beruflichen Standbein als ganzheitliche intuitive Beraterin in allen Lebenslagen. Cora ist Reiki*-Meisterin und bietet auch Workshops an. Da sie sich gern über ihr Swingersein und ihre Weltanschauung austauscht, war sie zu einem offenen Gespräch mit mir bereit.


Das verdichtete Gespräch mit Cora

Die Vorgeschichte

Das Internet


Ich war gerade geschieden ... und habe mich überwunden, dass ich ins Internet gehe. Das war damals ja wirklich noch ein hammerhartes Ding. Internet war noch ganz neu, und Frauen im Internet waren sowieso was ganz Seltenes. Ich habe da ganz schnell sehr viele Kontakte geschlossen. ...

„Grenzen erweitern“

Cora lernt über ein Kontaktforum im Internet einen Mann kennen und trifft sich mit ihm.

Und irgendwann sagte er dann: „Sag’ mal, was hältst du von Gruppens*x?“ Wir haben zu der Zeit so ein Spiel „Grenzen erweitern“ gespielt. Ich sagte: „Bei deinem Zeitproblem wirst du wohl kaum mehr als zwei Leute unter einen Hut kriegen.“ Die Antwort war eine Mail mit einer Telefonnummer, wo ich mal anrufen sollte. Das war ein Swing*rclub in Hamburg, da lief ein Band, dass sich da tolerante Paare treffen, was das kostet und wann die geöffnet haben. Und da sagte ich: „Okay, da gehe ich mal mit.“


Der erste Besuch


„Das war so klasse“


Dann sind wir da zusammen hingegangen. ... Der Club war furchtbar, da bin ich auch nie wieder hingefahren. Aber was ich da erlebt habe den ersten Abend, das war so klasse, dass ich sagte: „Okay, jetzt suche ich aber einen Club aus, wo ich mich wohl fühle!“ ...

„Ich habe einfach die Augen zugemacht“


Wir sind da also angekommen, ich war ganz aufgeregt, ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt. Wir hatten nicht weiter drüber gesprochen. Nur, dass es um Gruppens*x geht. Ich wusste überhaupt nichts sonst. Wir sind als erstes in die Sauna gegangen, und dann kam ein dritter Mann dazu. Das war ein Türke, ein Ausländer. Ich habe einfach die Augen zugemacht und habe abgewartet, was passiert. ...

„Das fühlt sich ja gut an!“


Mein Freund fing dann an, mich zu streicheln, und der Türke machte mit. Und ich dachte: Das fühlt sich ja gut an, von vier Händen gestreichelt zu werden. Dann war es irgendwann einfach zu heiß in der Sauna. Dann sind wir in ein Zimmer gegangen, wo wir auch zu dritt geblieben sind. Da ist kein anderer mehr zugekommen.

„Davon will ich mehr“

Und dann haben wir wirklich alles gemacht. Alles, was uns so einfiel. Das war sehr erotisch. Ich fühlte mich von diesen beiden Männern sehr begehrt, sehr umworben. Die kamen nicht in Konkurrenz, die haben auch miteinander. Aber es ging nur um mich. Ich stand im Mittelpunkt – das fand ich so toll! Das war für mich eine Erfahrung, überhaupt so Zärtlichkeit zu erfahren. Das fand ich ganz klasse. Das war eben nicht reiner Sex, auch Streicheln, in Arm genommen werden, wahrgenommen werden. Die ganze Aufmerksamkeit, die ich da bekommen habe – das kann ich gut ab! Davon will ich mehr.

„Als ich mich sicher fühlte, bin ich auch mal allein hin“

Mit dem Freund, mit dem ich hinging, bin ich später auch öfters in andere Clubs gegangen. Und irgendwann, als ich mich sicher fühlte, bin ich auch mal allein hin, wenn er keine Zeit hatte. Den Dritten, der [beim ersten Mal] dabei war, habe ich nie wieder gesehen. Das war für mich auch okay.


Sich einlassen

„Es kommt gar nicht auf mein Gegenüber an“

Ich war da schon so weit, dass ich gesagt habe, es kommt gar nicht auf mein Gegenüber an. Es kommt auf das Miteinander im Jetzt drauf an. Was morgen oder übermorgen ist oder was gestern war, spielt in dem Moment keine Rolle, wenn ich mich ganz einlasse auf das Jetzt. Und ich kann mich auf jeden einlassen – mit Abstrichen. Es gibt auch Männer, da mache ich drei Schritte rückwärts, weil sie mich einfach nicht anziehen oder mich abstoßen.

„Mal herausfinden, was da ist“


Ist eine Gefühlssache. Du begegnest jemand, entweder du hast ein neutrales Gefühl oder das Gefühl, den möchtest du gern mal knuddeln, oder ... da ist etwas zwischen, was nicht mit mir zusammenpasst, oder womit ich mich nicht beschäftigen möchte. Manchmal gehe ich darüber hinweg und sage: „Okay, mal herausfinden, was da ist.“ Aber ich habe es noch nie gehabt, dass es dann hinterher besser wurde. Also höre ich einfach drauf. ... Wie hoch ich meinen eigenen Selbstwert gerade gehängt habe, spielt eine ganz große Rolle, und zum anderen, wie der andere auftritt. Sitzt der allein da, ist es natürlich viel einfacher, hinzugehen und irgendwas anzufangen. ... Bei Pärchen mache ich oft den Weg über die Frau, um herauszufinden, wie offen die beiden sind.


Eifersucht


„Es gibt nichts Schlimmeres als Eifersuchtsszenen“...

...Und dann frage ich vorher ab, wie da die Verabredung zwischen den beiden ist. Das kann ich am besten über die Frau, denn sie hat dann nicht das Gefühl, zurückgesetzt zu sein. Da gucke ich schon mal drauf. ... Man soll nicht denken, dass Leute, die in den Swing*rclub gehen, Eifersucht nicht mehr kennen. Das ist nicht so. (lacht) Für mich ist das kein Thema, für meinen Freund auch nicht.

„Bei uns darf jeder machen, was er will“...

...muss aber auch für sich selber sorgen. Ich bin nicht dafür da, für ihn Kontakte zu knüpfen. Wir machen was zusammen oder auch nicht, ... nicht aus einer Verpflichtung heraus. ... Jeder hat sein Leben, seine Vorlieben, Dinge, die er gern macht. ... Ich möchte machen, was sich für mich richtig anfühlt. ... Es ist aber keine unverbindliche Wohngemeinschaft. ... Natürlich liebe ich ihn, aber ich kann doch auch andere lieben. Ich habe kein Besitzrecht an dem anderen, und er nicht an mir. ... Wir haben die Absprache, dass keine Absprachen [im Club] nötig sind. Es fließt oder fließt nicht. So, wie es kommt, ist es gut. ...

„Es belebt die Partnerschaft auf jeden Fall“

Ich sage ihm, wo ich hingehe. Ich erzähle meistens auch, wen ich getroffen habe oder was besonders war, worüber wir gelacht haben. ... Wenn ich so erzählt habe, ist es zu Hause auch schon mal weitergegangen. ... Wenn er andere Dinge zu tun hat, interessiert ihn das nicht so. ... Kommt auf die Situation an. Aber es belebt eine Partnerschaft auf jeden Fall. ... Wenn ich in einen Club gehe und sehe, dass sich – auch wenn da noch andere Frauen sind – Männer für mich interessieren, hebt das meinen Selbstwert. ... Und wenn ich dann nach Hause komme, habe ich ein ganz anderes Auftreten, als wenn ich immer nur zu Hause bin, immer nur mit dem einen Mann. ... So ist da eine Balance drin! ... Ich hatte [nach der Ehe] noch zwei drei monogame Beziehungen. Aber das war nicht mein Ding. ... Ich habe keine Lust mehr, mich zu verstecken, mich und meine Bedürfnisse. Wenn da jemand ist, auf den ich Lust habe, dann würde ich dem auch meine Beziehung erklären, aber dass ich jetzt eben Lust habe. Das habe ich auch schon gemacht. ...


Allein in den Club gehen


Die Vorbereitung


Ich ziehe an, was mir gerade in den Kopf kommt. Haare waschen, duschen, rasieren. ... Ich bin aber nie geschminkt! Das ist nicht mein Ding – oder, dass ich ein besonderes Dessous anziehe –. Ich achte drauf, dass man meinen Bauch nicht so sieht, weil ich ja Übergewicht habe. Aber nachher ist mir das auch egal. Wenn ich ausgezogen bin, bin ich ausgezogen. Es hat sich noch keiner beschwert! ...

Das Einstimmen


Wenn ich Lust auf Swing*rclub habe, kommt ein Bild von einem bestimmten Club. Das erste [Bild] ist dann eigentlich das, wo ich mich auch wohl fühle. ... Wenn ich hinfahre, stelle ich mir schon mal vor, was ich heute gern möchte. An manchen Tagen möchte ich einfach nur Streicheleinheiten haben, wahrgenommen werden, möchte mich unterhalten. Im Prinzip ist es, wie andere Leute in die Kneipe gehen, so gehe ich in den Swing*rclub. Ich möchte mich auch austauschen und unterhalten, nicht immer nur über Spirituelles. Dafür habe ich andere. ... Manchmal möchte ich, dass sich mal jemand ausschließlich um mich kümmert oder vielleicht auch zwei oder drei. Das stelle ich mir vor. ... Und ganz oft ist es auch so, dass es sich dann so ergibt. ... Wenn ich mich viel beschäftigt habe und so viel Lust habe, dass ich unbedingt mal wieder los muss, dann geht es mir nicht um Zärtlichkeit, dann will ich einfach nur Sex, reinen Sex. Das kriege ich dann auch. Es liegt wohl daran, was ich ausstrahle. ... Es findet sich immer der Passende dazu! Oder DIE Passenden! ...

Der Auftritt


Man bringt ja eine bestimmte Energie mit ... wenn man reinkommt und alle gucken. Die ersten Sekunden sind der Auftritt: ... Reinkommen und angeguckt werden. ... Wenn ich mich sicher und gut fühle, dann mag ich es auch, angeguckt zu werden. Wenn ich mich den Tag aber geärgert habe oder unzufrieden bin, mich nicht leiden kann, die Haare nicht sitzen, gehe ich gern HINTER jemandem rein. ...


Grenzen und Kontrolle


„Ich kann sagen, was ich will oder nicht“...


...Wenn ich nur mit dem EINEN zusammen sein will, können die anderen später oder gar nicht. Für mich war das eine Übung, zu sagen, was ich will. Auch mal NEIN zu sagen! Nicht so ausgerichtet zu sein auf die Bedürfnisse der anderen, sondern erst mal gucken, was will ich. ... Am Anfang war das nicht so. Da bin ich passiver gewesen, habe das einfach mit mir machen lassen. Bis ich festgestellt habe, es gibt Dinge, die gefallen mir nicht so, und Dinge, die ICH besser managen kann. Wenn da drei Männer mit mir in einem Raum auf einem Bett sind, dann kann der eine nicht zu den anderen sagen: „Verschwindet!“ Das geht einfach nicht. Das kann nur ich! ...

„Ein Swing*rclub ist ... ein ganz sicherer Raum“...


...um Sexualität auszuleben. Man hat keine Schwierigkeiten mit irgendwelchen Beziehungen, es sei denn, man will da drauf eingehen. Man kann sagen, das will ich oder das nicht, und das muss akzeptiert werden. Wenn es jemand nicht akzeptiert und aufdringlich wird, dann ... fliegt der raus! ... Wobei das umgekehrt genauso ist. ... Dann muss ich das als Frau genauso akzeptieren. Nur kommt das seltener vor! ... Obwohl ich in der letzten Zeit mehr Besuche hatte, wo es mehr Frauen gab als Männer. Letztens waren wir vier Frauen und ein Herr. ...


Frauen


„Einfach nur eine Variante“

Bei manchen Frauen habe ich Lust, bei manchen ist es schön, wenn sie dabei sind oder nicht dabei sind. ... Es ist einfach nur eine Variante, eine Spielart, die auch Spaß macht. Dann gibt es Frauen, da mache ich drei Schritte rückwärts.

Eine unangenehme Begegnung

Cora erzählt, dass sie in der letzten Zeit einen Club, in dem sie sogar Vereinsmitglied ist, meidet, obwohl sie sich sonst dort immer sehr wohl fühlt.

Da ist eine Frau, die eigentlich immer da ist. Und ich weiß nicht, was ich ihr getan habe, sie redet nicht mehr mit mir. Das empfinde ich persönlich als SO unangenehm, dass ich da erst einmal nicht mehr hingehe, bis sich das wieder beruhigt. ... Wir haben uns anfangs viel unterhalten und auch viel zusammen gemacht, gelacht, auch mal mit Männern zusammen losgegangen, und irgendwann war Schluss. Bin dann hingegangen und hab’ gefragt, was ich ihr eigentlich getan habe. Sie hat sich aber nur umgedreht. Damit kann ich nichts anfangen! ...

Empfindliches Gleichgewicht


Letztens waren wir zu dritt [im Club], zwei Frauen, ein Mann. Eigentlich war ICH mit ihm nach oben gegangen, dann kam noch die Zweite dazu, was für mich in Ordnung ist. Aber die war so dominant, dass ich plötzlich außen vor war. Irgendwann bin ich gegangen. In dem Moment wäre es an dem Mann gewesen, da ein Gleichgewicht herzustellen. Und weil er das nicht gemacht hat, war das nicht mein Ding dann. ... Ich habe ganz klar gespürt, dass diese Frau einen unheimlichen Mangel an Zuwendung hat. Ich wollte ihr das aber nicht erfüllen. Ich hätte ja auch sagen können: „Wir kümmern uns erst einmal zu zweit um sie!“ Doch das wollte ich nicht. ... Ich wollte auch irgendwann nicht mehr zugucken. Bin dann ... auch nach Hause gefahren. Das war nichts für mich. ... Ich konnte mich an dem Tag sowieso nicht entscheiden, was ich wollte. ... Das brauchte die Andere eben, um anzukommen. Und die hatte wirklich ein enormes Bedürfnis! ... Hatte seinen Sinn, aber war unbefriedigend.


Cluberfahrungen


Anbaggern mit Etikette


Letztens kam eine Frau auf mich zu, die war mit ihrem Freund da, ziemlich jung noch, und sagt: „Ich soll dich fragen, ob du mit uns was anfängst.“ Ich war so perplex, sagte: „NEIN!“ Es gibt so eine Etikette beim Anmachen, finde ich. Normal ist es nicht, dass man zu jemand anderem hingeht und sagt: „Gehst du mit mir ins Bett?“ Man unterhält sich, man flachst herum, hat viel Spaß, und dann ergibt sich was oder nicht. Man kommt sich näher oder nicht, wie in einer Kneipe. Da lernt man sich ja auch erst einmal übers Gespräch kennen. ...

Wenn sich keiner traut


Wenn ich meine, die haben alle Lust, aber trauen sich nicht – kommt auch vor – dann sage ich ganz laut: „Ich gehe jetzt in die Sauna!“ Dann kannst du sicher sein, dass sich der eine oder andere findet, der auch mitkommt. Dann finden plötzlich Gespräche statt, die man oben [am Tresen] nicht hatte. ... Oder aber ich sage zu einem: „Komm, wir wollen mal sehen, was oben los ist!“ Aber ich gehe nicht direkt hin und sage: „Ich gehe jetzt mit dir nach oben!“ ...

Mehr als EIN Mann


Es gibt Männer, die überhaupt kein Problem damit haben, wenn andere Männer dabei sind, ... dass der eine mich vögelt, den anderen darf ich dann blasen oder den Schwanz in die Hand nehmen oder sonst was. ... Es gibt aber auch Männer, die sind so empfindlich, bei denen passiert überhaupt nichts mehr, wenn drei Männer dabei zugucken. Das kriege ich aber ganz schnell mit. Dann kann ich die Situation steuern. ...

Sehen und gesehen werden

Ich habe grundsätzlich mit Zugucken kein Problem, wenn die Männer damit kein Problem haben – ein wichtiger Punkt! ... Die haben dann wirklich manchmal so eine Blockade im Kopf, dass sie sich nicht lösen. Ich bin – egal, ob jemand zuguckt oder nicht – bei denen, mit denen ich da etwas tue. Oder ich bin ganz und gar bei mir. Aber ich bin nicht bei den Zuschauern, gedanklich und im Fühlen. Wenn jetzt aber der, mit dem ich zusammen bin, immer guckt, was die Anderen da machen, ... das bringt keinen Spaß, da kommt keine Stimmung auf. ... Größtenteils blende ich sie [die Zuschauer] aus. Es sei denn, es ist jemand, den ich schon kenne, und wo ich weiß, der steht zum Beispiel unheimlich auf Brüste. Das beziehe ich schon mit ein. ... Dann gucke ich ihn schon mal an und heize ihn an. Aber meistens ist der nicht lange außen vor, die kommen dann dazu. Das kommt vor, aber größtenteils blende ich sie wirklich aus. ... Er [der Freund] hat auch Schwierigkeiten im Club, wenn zu viele zugucken, wenn er sich nicht sicher genug fühlt. Dann verschieben wir das eben auf zu Hause.

Mit geschlossenen Augen


Am Anfang hatte ich die Augen zu, um mich wahrzunehmen. Heute mache ich die Augen zu, weil es intensiver wird. Dann nimmst du intensiver über die Haut wahr. Das ist aber kein Ausgrenzen. Ich nehme denjenigen oder diejenige sehr wohl wahr, sehr intensiv. ... Ich weiß genau, wie der aussieht. Wenn ich aktiver bin, habe ich auch die Augen auf.

Spiegel


Ich habe ... ein inneres Bild von mir, das ganz anders ist als ich aussehe. Ich gucke gar nicht in die Spiegel, höchstens, um die anderen zu sehen. Mich gucke ich nicht an. So hoch ist mein Selbstwert auch nicht! ... Ich habe ja ganz viel die Augen zu und genieße, ... und bin ganz bei mir. ... Aber in die Spiegel gucke ich nur, wenn ich anschließend da lieg, noch kuschel’, und neben mir ist noch ein Pärchen, wo man zuguckt.

Safer Sex...

...ist normalerweise selbstverständlich. Es kommt vor, aber ganz selten, dass die Männer es ohne versuchen. Aber das sind welche, die nicht zu den Swingern gehören, sondern das mit einem Puff verwechselt haben. Es kommen auch Männer, die denken, sie haben mit dem Eintritt da die Frauen mitgekauft. Die landen nirgendwo. Die sind dann meist ganz böse und kommen nicht wieder. ...

Masturbierende Männer


In manchen [Clubs] ist das gang und gäbe, ganz normal. ... Einmal da waren so viele Männer da – die Frauen hätten die auch bei viel Mühe gar nicht alle geschafft. ... Es hat mich nicht abgestoßen, macht mich auch nicht an, ist aber wohl ein großes Kompliment, dass die das so anregend finden. ... Gut ist [in solchen Clubs], mit einem hinzugehen, den man schon kennt. ... Ich empfand als angenehm anfangs, dass mein Freund immer geguckt hat, was passiert, ... ob es mir gut geht. ... [In anderen Clubs] da kommt es eher selten vor. Da wird immer auf das Verhältnis geachtet. ... Ich sage aber auch mal zu jemand: „So, nun machst du es dir mal selber!“ Aber das ist dann mehr einbezogen. ...

Bedürfnisse


Wenn ich hingehe und habe das Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung und Zärtlichkeit, dann finde ich mich mit solchen zusammen, die mir genau das geben. Es gibt aber auch Tage, an denen ich nicht so die Lust auf Sex habe. ... Dann kann ich selbst zwar aktiv sein, aber für mich gar nichts fordern. ... Das kommt vor, aber auch, dass ich wirklich nur vögeln, nur poppen will. Dann sage ich: „Du und du und du, nacheinander!“ ...

„Orgasmus ist so eine Sache“...


...Manchmal will ich das, manchmal aber nicht. ... Ich bin sehr empathisch, kann auch einen Orgasmus übernehmen, wenn ich zuschaue oder wir mit mehreren sind, auch allein mit jemand. ... Manchmal reicht es auch, wenn ich einen geteilten Orgasmus erlebe; ist manchmal sogar schöner, als wenn ich selber einen habe. ... Die besten Begegnungen sind die, wo die Männer sich auf dieses Gefühl wirklich einlassen können, ... aber auch gleichzeitig mich wahrnehmen, wo ich stehe. Das ist wirklich die Krönung! ... Wenn man zusammen auch ankommt, ist das das Beste. Ist aber immer abhängig von den Umständen, der Tagesform, von mir selbst, von meinem Gegenüber.

„Wenn man erst mal angefangen hat“...


...und dabei ist, und weiß, wie sicher man sich fühlt, geht man auch nicht unbedingt nur in EINEN Club. Jeder Club hat eine besondere Atmosphäre. Jeder hat besondere Menschen, die da hinkommen. Man trifft nicht immer in allen Clubs die gleichen Leute – kommt aber vor. Manche wechseln und gehen sehr oft. Wir sind damals 3-4 Mal im Jahr losgegangen. Momentan gehe ich zweimal die Woche. Das hängt davon ab, wie man sich fühlt, was man sonst noch um die Ohren hat, welche Leute man da trifft. ... Im „WPH“ [Club] gibt es einen Abend für Leute über vierzig, wo es einfach lustig ist. Das ist, als geht man dahin und hat eine Party mit Tanzen, Spaß haben, Lachen. ... Da ist ein fester Kern. ... Das gefällt mir so gut, und meinem Freund auch.


Sex und Liebe


„Für mich ist es auch ein Gefühl, ein Ausdruck von Liebe!“


Viele gehen in den Swing*rclub und sagen, sie trennen Sex von Liebe. Ich gehe in den Club und für mich ist es auch ein Gefühl, ein Ausdruck von Liebe! Das begrenzt sich auf den Zeitraum, aber nicht auf die Intensität. Das ist ohne Erwartung, aber mit dem Gefühl, dass ich jemand angucke und sage: „Schön!“ So ein inneres Umarmen! ... Das habe ich meinem Freund gegenüber, als auch dem gegenüber, dem ich im Club begegne. Das entwickelt sich einfach. Ich kann aber auch im Park sitzen und Kinder beobachten, und habe dieses Gefühl genauso. So ein weites Gefühl. ... Das unterscheidet sich nicht. Ich würde es sogar traurig finden, ... dann wäre es nämlich Alltag, abgestumpft.

„Jemand angucken, wahrnehmen, akzeptieren, die Schönheit sehen“...

...Dieses Gefühl habe ich im Club auch – nicht zu jedem. Aber wenn ich mit jemand Sex habe, entwickelt sich dieses Gefühl immer automatisch. Ich bin da nicht unbeteiligt. Ich möchte mich dann teilen, wenn ich das fühle, nicht sagen, es geht nicht, weil ich einen Freund habe. Ich kann auch wieder loslassen. Auch wenn ich den nicht wieder sehe, war der Sex wirklich Genuss pur – mehr im Jetzt als in der Zukunft oder Vergangenheit! Es gibt Männer, da freue ich mich tierisch, wenn ich die dann wieder sehe, und welche, mit denen man mal die Handynummern austauscht, dass man sich mal außerhalb trifft. ... Zu alleinstehenden Männern fahre ich auch hin. ...

„Manchmal beginnt etwas auf sexueller Ebene und endet ganz woanders“...


...Ich glaube, es geht nicht um mich, sondern um den, der eine Begegnung will. ... Ich habe einen getroffen im Club. ... Wir haben gesessen, geredet die ganze Zeit. ... Wir haben uns in die Augen geschaut, und da war ein Austausch über die Augen da. Ich weiß nicht, was wirklich stattgefunden hat. Und danach habe ich ihn nie wieder gesehen. Das ging da um etwas Anderes. Nicht um Liebe, nicht um Sex, um etwas Anderes! ... Es gibt ein Stück Erweiterung.


Mitwisser


„Wenn sie nachfragen, was für ein Club das ist, erzähle ich das“

Ich gehe nicht los und erzähle Mama und Papa: „Ich gehe in einen Swing*rclub.“ Aber wenn sie nachfragen, was für ein Club das ist, erzähle ich das. Die fragen aber nicht nach. Meine Schwester kriegt ein Hörnchen, wenn sie nur meine Internetseite sieht. ... Meine andere Schwester sagt: „Ich müsste eigentlich mal mitkommen!“ ... Ich verstecke mich damit nicht, habe ich nicht nötig. Ich stehe dazu, dass ich das mache, aber muss das auch nicht an die große Glocke hängen.

„Meine Kinder wissen das, die wissen auch, was da passiert“...


...Denen habe ich das erzählt, weil sie das nicht von einer anderen Schiene zu hören bekommen sollen, wo es ganz anders dargestellt wird. Das ist das Wichtigste. Wenn es sich also ergibt, sage ich das, und wenn nicht, dann nicht. Das ist gewachsen. ... Irgendwann sagten wir: „Wir fahren in einen Club.“ ... So fing das an. Und irgendwann habe ich dann immer weiter erzählt, immer detaillierter, keine pornografischen Geschichten, aber so, dass klar wird, was da stattfindet, dass sie das Gefühl haben, dass es mir ganz wichtig ist, und dass es wichtig ist, dass man tut, was man selbst für richtig hält, und dass ich auch keine Geheimnisse vor ihnen habe, dass sie nicht ausgeschlossen sind, und – dass Sex wirklich was Positives ist! ...


Ehe


„Kein Interesse an Sex“


Ich war vorher 9 Jahre verheiratet, war treu, wäre niemals auf die Idee gekommen, etwas außerhalb der Ehe zu tun. Ich war eigentlich froh, wenn der mich in Ruhe gelassen hat. Ich war energetisch ganz unten, und dann hat man auch kein Interesse an Sex. Dann ist man nur dran interessiert, den nächsten T